Der Beschuldigte war laut der Staatsanwaltschaft bereits am Tattag vorläufig festgenommen, jedoch mangels dringenden Tatverdachts am selben Abend wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. „Nach weiterführenden Ermittlungen verdichteten sich jedoch die Hinweise, sodass nun Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde“, so Staatsanwältin Wotschke. „Der Mann bestreitet die Vorwürfe und befindet sich weiter in Untersuchungshaft.“
Der Mord an Marie B. erschüttert das kleine Dorf Rietze. Die 38-Jährige wurde in den Vormittagsstunden des Tattags von einer Freundin schwer verletzt in ihrem Haus aufgefunden und starb wenig später. 150 Polizisten durchsuchten daraufhin am vergangenen Donnerstag die Wasserreihe in Rietze. Sie nahmen Höfe und Häuser entlang der Straße genau unter die Lupe – darunter auch das Gehöft, in dem der ehemalige Lebenspartner von Marie B. lebt. Am Montag erfolgte dessen Verhaftung.
Während der 40-Jährige die Vorwürfe bestreitet, meldet sich dessen Vater Karl aus Rietze zu Wort. Trotz der schweren Anschuldigungen ist der 70-Jährige von der Unschuld seines Sohns überzeugt. Er sagt: „Er ist kein Mörder!“
Karl sitzt in seiner Küche und spricht über die dramatischen Ereignisse der vergangenen Wochen. „Morgens stand am Donnerstag die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür“, berichtet er. „Jeder von uns bekam eine Leibwache. Acht Stunden lang wurde das gesamte Haus durchsucht.“
Sein Sohn sei an dem besagten Morgen auf den Feldern unterwegs gewesen, um Bodenproben zu nehmen. Ein Mitarbeiter habe ihn dort gesehen, zudem würde eine Klingelkamera die Bewegungen seines Fahrzeugs dokumentieren.
„Ich hatte an dem Vormittag Besuch bis 10 Uhr“, erzählt Karl. „Mein Sohn kam wie immer durch die Garage, um die Bodenproben im Kühlschrank zu deponieren. Danach war ich wieder auf dem Feld, bis er mich anrief, weil erneut Besuch da war. Wir saßen danach zusammen in der Küche, redeten, lachten. Währenddessen war die Polizei bereits im Haus von Marie – wir ahnten nichts davon. Dann klingelte ein Beamter an unserer Haustür und sagte: ‚Marie ist tot‘.“ Ein Schock.
Karl betont, dass er die Ermittlungen der Polizei unterstützen will. Die Tote sei für ihn wie eine Tochter gewesen. Sein Sohn und die Verstorbene waren sieben Jahre lang ein Paar, im Herbst vergangenen Jahres trennten sie sich. Marie B. blieb mit den gemeinsamen Kindern und ihrer ältesten Tochter aus erster Ehe im Haus am Ende der Wasserreihe, während ihr Ex-Partner in die ehemalige Melkerwohnung auf dem elterlichen Hof einzog.
Auf Nachfrage teilte die Staatsanwaltschaft zum derzeitigen Ermittlungsstand mit: „Läge ein plausibles Alibi vor, gäbe es keinen dringenden Tatverdacht“, so Christina Wotschke.
Vater Karl zeigt sich irritiert von Ungereimtheiten am Tatort. „Einen Tag nach der Tat wurde unser Hund krank, hatte Blut im Stuhl. Der Tierarzt sagte, er sei vergiftet worden.“ „Informationen über einen vergifteten Hund können nicht bestätigt werden“, entgegnet Staatsanwältin Wotschke.
Auch erwähnt Karl die Haustür. Die lässt sich leicht von außen öffnen, wenn man weiß, wie es geht. Er stellt weitere Fragen: „Warum ist Marie an diesem Morgen nicht zur Arbeit nach Hannover gefahren?“ War sie krank? Oder gab es einen anderen Grund?“
Karl hält auch nach der Verhaftung seines Sohnes an dessen Unschuld fest. „Er hatte keine Zeit, die Tat zu begehen“, betont er. „Wir hatten ein gutes Verhältnis zu Marie, sie war wie ein Kind für mich. Wir feierten gemeinsam Weihnachten, die Kinder waren immer hier.“ Auch Maries Eltern stehen in Kontakt mit der Familie. „Sie sagen, dass mein Sohn nichts mit der Tat zu tun hat. Wir werden alles tun, um ihn zu unterstützen.“