„Partnerschaftsgewalt betrifft nicht nur den analogen Raum, auch online können (Ex-)Partner oder (Ex-)Partnerinnen sehr viel Schaden anrichten. Und wie wir alle wissen, vergisst das Internet nie. Es liegt uns am Herzen, bei diesem Thema den Präventionsaspekt nach vorne zu stellen. Wir wollen aufklären und ansetzen, bevor etwas passiert“, sagt Axmann.
Der Weisse Ring will zum Beispiel dafür sensibilisieren, dass es kein Liebesbeweis ist, Passwörter mit seinem Partner oder seiner Partnerin zu teilen. Auch mit intimen Fotos sollte man vorsichtig sein, wenn man nicht möchte, dass sie vielleicht irgendwann doch noch online missbraucht würden. Das seien kleine Dinge, auf die man achten könne, die aber vor Missbrauch schützen könnten.
Frauen sind von digitaler Gewalt am stärksten betroffen. Daher möchte der Weisse Ring am 22. März, dem „Tag der Kriminalitätsopfer“, dieses Thema besonders hervorheben und darüber informieren, wie man sich vor digitaler Gewalt schützen kann. Die Außenstelle Peine wird eine Woche später dazu auch beim Brawo-Mobility- Spring am Samstag, 29. und Sonntag 30. März zu diesem Thema mit einem Stand in Peine vertreten sein.
Doch welche Straftaten fallen unter den Bereich „Digitale Gewalt“? Beispielsweise Überwachungstechniken oder das Zugreifen der Ex-Partner auf elektronische Kalender zu, mitunter werden auch anonym intime Fotos ins Netz gestellt oder der Missbrauch von Identitäten in den sozialen Medien, um ein negatives Bild im Netz zu schaffen.
Zu Formen digitaler Gewalt gehören auch Delikte wie Cyberstalking oder Cybergrooming und weitere Missbrauchsdelikte, die über das Internet begangen werden. „Auch Dickpics (Penisbilder) gehören beispielsweise dazu. Auch hier sind Frauen meistens die Betroffenen“, so Stephanie Axmann. „Wer ein solches Foto erhält, muss das nicht einfach hinnehmen. Das ungefragte Versenden von intimen Bildern ist strafbar und sollte angezeigt werden.“
Dass Frauen gerade online immer häufiger zum Angriffsziel werden, zeigt auch das Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2023“ des Bundeskriminalamtes. Demnach sind 62,3 Prozent der Opfer digitaler Gewalt demnach weiblich.
Eine neue Studie der gemeinnützigen Organisation HateAid und der TU München hat jetzt außerdem gezeigt: Frauen, die sich politisch einsetzen, sind von digitaler Gewalt häufiger betroffen (63 Prozent) als ihre männlichen Kollegen (53 Prozent). 68 Prozent der betroffenen Frauen berichten von geschlechtsspezifischer Gewalt wie Sexismus oder Frauenhass. Fast ein Viertel der weiblichen Betroffenen hat schon einmal Androhungen physischer sexueller Gewalt erhalten, zum Beispiel die Androhung von Vergewaltigungen (bei Männern sind es drei Prozent).
Mehr als jede zweite betroffene politisch engagierte Person verändert ihre Kommunikation, vor allem Frauen denken ans Aufhören. „Das ist demokratiegefährdend und zeigt, wie wichtig es ist, auf das Thema aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das sollte jeder in der Gesellschaft wissen und berücksichtigen“, sagt Stephanie Axmann.
Seit 1991 macht der Weisse Ring mit dem „Tag der Kriminalitätsopfer“ alljährlich am 22. März auf Menschen aufmerksam, die durch Kriminalität und Gewalt geschädigt wurden. Er soll das Bewusstsein für Opferbelange in Deutschland stärken und Informationen zu Prävention, Schutz und praktischen Hilfen geben. Inzwischen ist der Aktionstag fester Bestandteil im Kalender von Institutionen aus den Bereichen Politik, Justiz und Verwaltung, aber auch Vereinen und Schulen geworden.
Hintergrund: Der Weisse Ring wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von rund 3000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelferinnen und -helfern in bundesweit 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung.
Der Weisse Ring hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein erhält keine staatlichen Mittel und finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen.
Betroffene können sich an die Außenstelle Peine des Weißen Rings wenden unter (0173) 5969605 oder per E-Mail an peine@mail.weisser-ring.de.