Vor Gericht wurden jetzt die Fotos der Sicherstellungsberichte begutachtet, Polizisten berichteten von Durchsuchungen bei den 35- und 51-jährigen Angeklagten, die dem Rockermilieu zugeordnet werden.
Eine Polizistin (25) aus dem Polizeikommissariat Wolfenbüttel war bei der Durchsuchung der Kellerwohnung des 51-jährigen Angeklagten in dem ehemaligen Bordell, der sogenannten „FKK-Villa“ in Hannover am 27. Juni 2024 dabei. Der Mann soll im Keller des Gebäudes mit seiner Ehefrau und zwei Hunden einige Räume bewohnt haben. Die anderen Etagen sollen zu dem Zeitpunkt leer gestanden haben. Die Polizistin hatte die Durchsuchung mit ihren Kollegen erst begonnen, als das Spezialeinsatzkommando (SEK) den 51-Jährigen festgenommen hatte.
Gleich im Flurbereich entdeckten die Ermittler im Beutel eines Staubsaugers ein mit Alu-Folie umwickeltes Handy, im Schlafzimmer des Mannes auf einem Kleiderschrank ein Butterfly-Messer und gleich daneben einen Beutel mit weißer Substanz. Drei schwarze Cargo-Hosen und ein paar schwarze Schnürstiefel in Größe 42 nahmen die Beamten mit, um zu prüfen, ob sie mit den Brandanschlägen in Verbindung stehen.
Die Polizistin hatte auch den dunkelblauen Volvo des 51-Jährigen auf dem Gelände entdeckt. Der Vorsitzende Richter Rainer de Lippe berichtete dazu aus einem Bericht der Spurensicherung, dass die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) im Volvo des Angeklagten einem anderen Auto zugeordnet werden konnte. Die Beamten fanden in dem Volvo ein Messer, eine schusssichere Weste und einen Benzinkanister. Kollegen hätten ihr mitgeteilt, dass die Eigentümerin der Villa, die Ehefrau von Frank Hanebuth, vor Ort erschienen sei, sagte die Polizistin vor Gericht. Frank Hanebuth war Präsident des mittlerweile aufgelösten Hells-Angels-Charters von Hannover und ist jetzt Präsident des Charters Hells Angels North Gate.Die sogenannte „FKK-Villa“ am hannoverschen Tönniesberg ist bis heute offenbar Treffpunkt von Rockern. Im Jahr 2008 hatten diese dort ein großes Europatreffen abgehalten. Im November 2019 feierten um die 1000 Menschen das 20-jährige Bestehen der Hells Angels Hannover in der Villa. Damals reisten Rocker aus den USA, Kanada und Russland an. Als besonderes Geschenk erhielten die Hannoveraner damals eine siebeneinhalb Quadratmeter große Torte mit Hells-Angels-Schriftzug. Nach Informationen dieser Redaktion feierten die Rocker bis zuletzt ihre Weihnachtsfeiern am Tönniesberg.Zeitgleich zur Razzia in der hannoverschen „FKK-Villa“ wurden am 27. Juni 2024 auch zwei Wohnungen und eine Bar in Nordrhein-Westfalen durchsucht, die dem 35-jährigen Angeklagten zugeordnet wurden. Das berichtete eine Polizeibeamtin aus Salzgitter.
Bei seiner Meldeanschrift, einem Nebengebäude des sehr gepflegten Einfamilienhauses seiner Adoptiveltern im Kreis Kleve, wurde wegen eines Hundes auch das SEK eingesetzt. Hier trafen die Beamten jedoch nur auf dessen Lebensgefährtin. Die Beamten stellten unter anderem zwei Sturmhauben, 14 Cargo-Hosen, zwei Bauchtaschen und schwarze Schnürstiefel mit Reflektoren sicher. Stiefeln mit Reflektoren trug einer der Täter, als Molotow-Cocktails gegen das Haus in der Peiner Schäferstraße geschleudert wurden. Auf einem Überwachungsvideo waren dieses und andere Details gut zu erkennen.
Im nahen Wesel (NRW) nahm das SEK den 35-Jährigen bei seiner Freundin in einem Mehrfamilienhaus fest. Dort hatten die Beamten die Wohnungstür gesprengt, Trümmerteile verteilten sich im Treppenhaus und dem Wohnungsflur.
Ein 23-jähriger Polizist aus Salzgitter war mit Kollegen der Fahndung und des Mobilen Einsatzkommandos Nordrhein-Westfalen (NRW) sowie Polizisten aus Krefeld und Wesel an der Durchsuchung beteiligt. Als Zeuge sagte er vor Gericht, die Freundin des Angeklagten habe über einen regelmäßigen telefonischen Kontakt des Angeklagten zu einem Mann aus Hannover berichtet.
Warum das SEK die Wohnungstür gesprengt habe, wollte der Verteidiger des 35-Jährigen wissen. Eine andere Vorgehensweise sei bei dieser Art der Tür nicht möglich gewesen, so der Polizist. Das SEK sei so vorgegangen, da der Angeklagte dem Rockermilieu zugerechnet werde. Auf einem Foto der Spurensicherung war an der Flurgarderobe in der Wohnung seiner Freundin eine Kutte eines Motorradclubs aus NRW zu sehen. Auf einem weiteren Foto war das vor dem Mehrfamilienhaus geparkte Motorrad des Angeklagten zu erkennen.
Der Verteidiger widersprach dann der Verwertung der Angaben des Polizisten in Bezug auf die Aussagen der Freundin. Sie sei nicht ordnungsgemäß belehrt worden und habe sich in einem nicht vernehmungsfähigen Zustand befunden. Der Polizist hatte in seiner Aussage bemerkt, dass die junge Frau während der gesamten Durchsuchung geweint habe.
An einem der nächsten Prozesstage will sich der angeklagte Bauunternehmer und Vermieter des Gebäudes an der Schäferstraße in Peine zu den Vorwürfen äußern, das kündigte sein Verteidiger an. Der Prozess wird am 3. April fortgesetzt.