Wenn Helfer Hilfe brauchen,
ist Ramona Semmler im Einsatz
Warum es wichtig ist, dass ehrenamtliche Rettungskräfte psychologisch unterstützt werden

Ramona Semmler koordiniert das Team der Psychosozialen Notfallversorgung für Rettungskräfte in Peine. Belastende Situationen an Unglücksorten kennt sie von ihrer Tätigkeit bei der Feuerwehr Ilsede und ihrer Arbeit als Krankenschwester.Foto: Ralf Büchler
Kreis Peine. Es waren zwei belastende Einsätze, die den Mittwoch im Raum Peine geprägt haben: Sowohl in Peine als auch am Bahnhof Vöhrum wurden Personen von Zügen erfasst.

Für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst bedeutete das stundenlange Großeinsätze. Für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) bedeutete das die Bereitschaft, vor allem die Einsatzkräfte zu stützen. Eine von ihnen, die an solchen Tagen im Hintergrund für Stabilität sorgt, ist Ramona Semmler aus Klein Ilsede.

Die 43-Jährige ist Notfallsanitäterin, Krankenschwester, beim Medizinischen Dienst tätig und stellvertretende Ortsbrandmeisterin im Ort. Trotz ihrer langjährigen Einsatzerfahrung ist jeder Notruf anders.

Die PSNV ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Hilfe für Betroffene wie Angehörige, Augenzeugen oder Hinterbliebene. Und Hilfe für Einsatzkräfte. Semmler gehört zum zweiten Bereich. „Mein Team und ich sind für die Einsatzkräfte zuständig“, sagt sie. „Da sind die Ansprache und die Ziele etwas anders.“

Dass das Team des PSNV selbst aus Feuerwehr, Rettungsdienst oder ähnlichen Bereichen stammt, sei dabei ein wichtiger Schlüssel: „Wir haben diesen Stallgeruch, den wir mitbringen.“ Wer selbst Einsätze kennt, könne auch anders begleiten.

Semmler beschreibt ihren Ansatz im Einsatz klar: Sobald sie eintreffen, „muss ich mir auch erstmal einen Überblick verschaffen und mit dem Einsatzleiter sprechen.“ Gemeinsam berät man, welche Maßnahmen sich für die Kameraden da am besten anbieten.

Jede Belastung sei individuell. „Es kommt immer auf die Person an“, sagt Semmler. „Letztlich kann jeder Einsatz belastend werden. Besonders gilt das, wenn persönliche Bekannte zu Tode gekommen sind.“ Die PSNV setzt darauf, Belastungen frühzeitig zu erkennen und die Menschen nicht allein zu lassen. Manches bemerkt man auch erst später. „Einsatzkräfte sollen in der Regel zwei, drei Nächte darüber schlafen. Wenn sie merken, dass es ihnen dann immer noch schlecht geht, bieten wir ein Einzel- oder Gruppengespräch an.“

Ein besonders wichtiger Punkt ist für Semmler die Verantwortung in der Feuerwehr selbst. „Es ist Aufgabe der Führungskräfte, wie sie ihre Kameraden einsetzen. Einen Jüngeren sollte ich nicht zu einem Todesfall schicken.“ Gute Einsatzbegleitung beginne schon bei der Einteilung und nicht erst bei der Nachsorge.

Diese Sorgfalt sei notwendig, denn belastende Bilder lassen sich nicht einfach abschalten. Dieses Gefühl kennt sie gut: „Natürlich ist es so, dass bei Stichworten automatisch Bilder im Kopf sind. Aber ob das die große Belastung ist, weiß ich nicht. Das kommt auf jeden Einzelnen an.“ Wie stark eine Situation Rettungskräfte belastet, zeigt sich oft erst vor Ort. „Grundsätzlich ist egal, was auf dem Melder steht. Ich fahre hin und schaue, was vor Ort ist.“ Manchmal sei die Lage dann sogar glimpflicher als befürchtet: „Wenn es etwa erst heißt ,Person unter Zug’ und man kommt da zum Einsatzort und die Person ist nur leicht verletzt, atmet man natürlich auf und denkt sich: Da waren nicht nur ein, sondern hundert Schutzengel im Einsatz.“ So wie im Sommer, als eine ältere Dame in Peine unter einen Zug geriet und wie durch ein Wunder beinahe unverletzt blieb. Dass solche Momente selten sind, weiß sie.

2025 sei für ihre Ortswehr insgesamt ein „normales Jahr“ gewesen, sagt Semmler. Rund 50 Einsätze habe die Klein Ilseder Feuerwehr bislang verzeichnet, für die PSNV selbst war sie etwa 15 Mal im Einsatz.

Einzelne Ereignisse blieben im Gedächtnis, zum Beispiel der Flugzeugabsturz in Edemissen oder eine erfolglose Reanimation bei einem Feuerwehrwettkampf. Solche Situationen träfen die Kameraden besonders: „Persönliche Bekanntschaft und Lebensgefahr ist für die Kameraden erstmal belastend“, sagt sie.

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