Die Landtagsabgeordnete Heike Koehler (CDU), Ortsbürgermeisterin in Ahlten, hat jetzt bei der von SPD und Grünen geführten Landesregierung um schriftliche Antworten auf ein Fragenpaket zu den Landesstraßen gebeten. Zufriedenstellend seien die Erläuterungen nicht, meint Koehler. Sie kündigt aber an, „jetzt alle drei Monate nachzufragen, bis endlich etwas passiert“.
■ L385 bei Ahlten: Schon 2019 forderte der Ortsrat, dass jener Bereich entschärft werden müsse, an dem die Straße Am Rehwinkel auf die L385 trifft. Dort war es zuvor und ist es auch danach immer wieder zu Unfällen beim Abbiegen gekommen. Auch die zuständige Unfallkommission erkannte das Problem, nannte den Bereich sogar „unfallauffällige Einmündung“. Es kamen neue Beschilderungen und Markierungen auf der Fahrbahn, und tatsächlich seien danach die Anzahl der Zusammenstöße zurückgegangen, schreibt die Landesregierung. Trotzdem handele es sich weiter um eine „Unfallhäufungsstelle“.Die Unfallkommission werde die Einmündung daher weiter beobachten – ebenso wie den Knoten aus L385 und B65 bei Ahlten. An beiden Punkten seien „aus technischer Sicht Verbesserungsmöglichkeiten denkbar“. Im Frühjahr 2025 hätten bereits Vermessungsarbeiten stattgefunden. Planerische Vorarbeiten seien im Gang, darunter ein Vergleich mehrerer Varianten für einen Umbau. Erste Ergebnisse stellt das Land für Frühjahr 2026 in Aussicht. Eine Aussage darüber, wann auf der L385 saniert und umgebaut werden könnte, gibt es nicht.
■ L412 zwischen Sievershausen und Arpke: Der rund 1500 Meter lange Abschnitt der L412 zwischen den beiden östlichen Lehrter Ortschaften ist seit mindestens acht Jahren ein Sanierungsfall. Schon für 2019 war eine Erneuerung der Fahrbahn vorgesehen. Doch die kam nicht, stattdessen ein Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde. Außerdem wurden regelmäßig die ärgsten Schäden ausgebessert.Die oft vom Umleitungsverkehr der A2 genutzte Straße wird mitunter als eine der miesesten im Stadtgebiet von Lehrte bezeichnet. Auf ihr gab es Anfang 2024 sogar einen Protest-Spaziergang, bei dem die Teilnehmenden Blumen in die Schlaglöcher pflanzten und eine Sanierung der Straße forderten.
Die Landesregierung betont nun in ihrer Antwort auf Koehlers Fragen, dass der „Bedarf für eine Erhaltungsmaßnahme“ gesehen werde und die Straße „zur Aufnahme in ein zukünftiges Jahresbauprogramm benannt“ sei. Auch in diesem Fall wird nicht näher beschrieben, wann saniert werden könnte. Es seien derzeit allerdings Auswertungen über mögliche Kampfmittel im Bereich der L412 sowie in Bezug auf den Baugrund im Gang.
Schon im Herbst 2022 hatte Sievershausens Ortsbürgermeister Armin Hapke (CDU) gesagt, die L412 in Richtung Arpke sei „ein ständiges Ärgernis“. Amtskollege Klaus Schulz (SPD) aus Arpke flüchtete sich in Sarkasmus: „Vielleicht gilt ja dort bald Tempo 30.“
Auch anderswo in Sievershausen sind Landesstraßen in schlechtem Zustand. Auf der Vöhrumer Straße im östlichen Teil des Dorfes (L412) gilt daher auf mehreren Hundert Metern Tempo 30. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf zehn Kilometer pro Stunde muss am Ortseingang der Oelerser Straße (L387) beachtet werden.
■ L413 in Hämelerwald: Auch sie ist in ihrem nördlichen Bereich in einem schlimmen Zustand. Deswegen galt dort schon Tempo 30, bevor ein solches Limit für den kompletten Straßenverlauf im Ort eingeführt wurde. Die Landesregierung betont, dass sich der Zustand der L413 in Hämelerwald mit jenem der L412 zwischen Sievershausen und Arpke sowie jenem der L385 bei Ahlten vergleichen lasse.Doch die Sanierung der Fahrbahn in Hämelerwald habe für die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr eine „hohe Bedeutung“ – und zwar aufgrund der geplanten Ansiedlung der Mega-Pommesfabrik des Unternehmens McCain am Mittellandkanal bei Mehrum, wenige Kilometer südlich von Hämelerwald. Die Transporte vom und zum Werk führten größtenteils durch das Dorf, heißt es in Prognosen von McCain.
Das Land unterstützt den Bau der Fabrik wegen der neuen Arbeitsplätze. Hämelerwald hat als Vorgriff auf die zu erwartende Belastung durch den zusätzlichen Lastverkehr bereits die Tempo-30-Regelung auf der Ortsdurchfahrt bekommen, fest installierte Blitzer folgen.
Alle fünf Jahre kommt das Netz der Landesstraßen in Niedersachen unter die Lupe. Daraus resultiert eine mögliche Priorisierung von Sanierungen. Letztmals geschah das im Jahr 2020. Die Bewertungen aus 2025 liegen noch nicht vor.
Im Jahr 2026 sollen für den Erhalt von Fahrbahnen und den Ersatz von Brücken 42,5 Millionen Euro des Landes zur Verfügung stehen. Zudem standen 2024 und dieses Jahr 109,5 Millionen Euro aus einem sogenannten Landesstraßenbauplafond bereit. Trotz dieser verbesserten finanziellen Voraussetzungen bleibe der Erhalt der Landesstraßen „eine Herausforderung, die weiterhin eine gezielte Prioritätensetzung erfordert“, heißt es auf die Anfrage Koehlers.