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diesem Winter viele schwere Verläufe mit Krankenhausaufenthalten hat, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mit dem ungewöhnlichen Virusstamm der diesjährigen Grippe. Erreger der Influenza (oder Grippe) sind sogenannte Orthomyxoviren und werden in die Typen A, B und C unterteilt, so das RKI. Für den Menschen sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren besonders relevant. Influenza A wiederum teilt sich in Varianten, aktuell vorherrschend ist H3N2 in einer stark veränderten Form, sie wird Subklade genannt.
Dieses aktuelle Virus H3N2/Subklade K ist stark verändert. Der aktuell verabreichte Impfstoff schützt unzureichend - vor schweren Verläufen häufig schon, vor einer Ansteckung aber nicht sicher. Zudem reagieren ungeimpfte Immunsysteme auf das stark veränderte Virus oft nicht schnell genug. Das Ergebnis: Mehr Menschen werden krank. Sehr häufig Kinder. Und häufig schwer die älteren Menschen ab 60 Jahren.
Das sind dann meist die, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Seit Ende letzten Jahres haben wir einen Anstieg von Patienten mit Influenza zu verzeichnen, die zum Teil stationär versorgt werden müssen. Vorwiegend betrifft das ältere Menschen und diejenigen mit einem geschwächten Immunsystem“, berichtet Sarah Weil-Pütsch vom Klinikum Peine. Das bestätigt auch das Gesundheitsamt des Landkreises. Es dokumentiert die Fälle, die sicher über einen sogenannten PCR-Test bestätigt wurden. Die absoluten Zahlen seien wenig aussagekräftig, denn erstens blieben viele Menschen mit Grippe einfach im Bett und zweitens führten auch Ärzte nicht immer solche Abstriche durch - meist reiche schon das klinische Erscheinungsbild für eine Krankschreibung.
Für eine Tendenzaussage aber seien die gemeldeten Zahlen hilfreich. Und die sagen: Der Anstieg in nur wenigen Wochen um 150 Prozent ist gewaltig. Und der gleichzeitige Rückgang von Covid-Infektionen im Vergleich um rund 90 Prozent signifikant. Grippe marschiert, Covid stagniert, das ist die Lage im Landkreis Peine.
„Bei einem akuten Notfall, bei einem lebensbedrohlichen Zustand, sollte immer die Notaufnahme aufgesucht werden“, mahnt Klinikums-Sprecherin Weil-Pütsch. Bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf tritt eine Verschlechterung nach drei bis fünf Tagen nach Symptombeginn auf. Oft sind das dann Lungenentzündungen, häufig verursacht durch das Virus selbst oder durch eine bakterielle Superinfektion. Bei Atemnot, anhaltendem Husten und Brustschmerzen heißt es: ab in die Notaufnahme.
Bei der aktuellen Variante trifft die Lungenentzündung offenbar auch jüngeren Menschen, Die Beteiligung weiterer Organe kann zu Muskelentzündungen mit Zerstörung der Zellen der gestreiften Muskulatur führen oder auch zu Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Eine leichtere, aber häufige Komplikation der Influenza bei Kindern ist die Mittelohrentzündung.
Kann Impfen noch helfen? „Für Risikopatienten und Senioren auf jeden Fall. Noch ist es nicht zu spät, wenngleich der Impfschutz erst nach rund zehn Tagen vollständig aufgebaut ist“, erklärt Dr. Christian Pabst. Weiterer wichtiger Hinweis: Man sollte wieder öfter FFP2-Masken in Menschenmengen wie Bussen, Zügen, Supermärkten tragen, so der Peiner Hausarzt. Das Virus werde noch bleiben. Der Winter ist noch lang.