Ob Ausleger, Unterwagen oder Fahrgestell der 250-PS-starken Umschlagmaschine – all das wurde aus Peiner Stahl produziert, der mehr als 70 Prozent weniger Emissionen verursacht hat als konventionell im Hochofen hergestellter Stahl. „Es ist der erste CO2-reduzierte Stahl der Salzgitter AG, der in eine Baumaschine gelaufen ist“, sagt Marko Klickermann, Bereichsleiter der DEUMU.
Der 48-Jährige verantwortet einen Schrottplatz, der größer ist als manch Ort im Kreis Peine. 40 Hektar und damit fast 60 Fußballfelder misst das Areal auf dem Werksgelände der Salzgitter Flachstahl GmbH. Sie ist ebenfalls eine Konzerntochter des Stahlkonzerns Salzgitter AG wie die DEUMU und die PTG. Und für ein spannendes Pionierprojekt haben alle gemeinsame Sache mit dem Baumaschinen-Hersteller Sennebogen
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aus Bayern gemacht.
Rund 20 große Umschlagbagger wuseln auf dem XXL-Schrottplatz. Mit Hilfe der großen Greifer und Magneten am meterlangen Ausleger sortieren die Baggerfahrer auch Altschrotte wie Fahrräder oder Heizkörper oder Neuschrotte aus Stanzresten, sie be- und entladen Lkw-Anhänger und bestücken den Schredder und die beiden Scheren des Schrottplatzes. Denn aus Schrott kann hochwertiger Stahl für eine moderne Baumaschine entstehen – wie bei diesem Umschlagbagger.
Aus Schrott für Schrott: Der Sennebogen 830 G ist quasi aus dem Material, das er tagtäglich selbst bewegt. „Das ist gelebte Kreislaufwirtschaft“, sagt Bereichsleiter Klickermann. Den Schredderschrott der DEUMU aus Salzgitter hat die Peiner Träger GmbH im Elektro-Lichtbogenofen geschmolzen. Ein glühendes Stahlbad bei 1.600 Grad! Daraus werden in Peine Brammen gegossen.
Die Brammen wiederum werden bei der Ilsenburger Grobblech GmbH ausgewalzt. Aus diesen Blechen fertigte die Deumu Brennzuschnitte für den Maschinenbauer aus Bayern. Diese dienten als Stahlbauteile für den Umschlagbagger. „Der Stahl des Baggers war dann quasi zum dritten Mal wieder hier“, stellt Klickermann fest. „Und wenn der Bagger das Lebensende erreicht hat, dann können wir mit seinem Schrott den Kreislauf fortsetzen.“ Denn Stahl kann unendlich oft recycelt werden.
In Summe 367 Stahlbauteile lieferte die DEUMU nach Straubing in Bayern, wo der Umschlagbagger gebaut wurde. Seine Farbe passt zur umweltfreundlicheren Produktion: Grün. Grüne Baumaschine, „grüner Stahl“ – das würde sich doch anbieten, hatten Vertreter der DEUMU und der Firma Sennebogen einst konstatiert. Das Projekt reifte und bei der weltgrößten Baumaschinen-Messe in München im April 2025 präsentierte Sennebogen tatsächlich den Umschlagbagger mit grünem Stahl aus Peine.
Inzwischen hat das Unternehmen aus Straubing weitere Umschlagbagger mit CO2-reduziertem Stahl gefertigt, doch der erste „arbeitet“ auf dem Riesen-Schrottplatz der DEUMU in Salzgitter. Das Unternehmen ist damit nicht nur Hersteller, sondern auch Abnehmer eines grünen Produkts zugleich.
Nicht nur für Bereichsleiter Klickermann war es ein Herzensprojekt. Es ging darum, ein innovatives Produkt zu schaffen und zu zeigen, wie grüner Stahl zum real nutzbaren Industrieprodukt wird. „Für dieses Werk, mit der Investition, die wir hier anstreben, ist es unfassbar wichtig, Dinge zu haben, die man anfassen kann und über die man nicht nur theoretisch redet“, betont er.
Auf dem riesigen Hüttengelände in Salzgitter ist schließlich gerade überall zu sehen, wie sich das Unternehmen für die Zukunft aufstellt. Eine Groß-Baustelle für eine Groß-Transformation, ein Milliarden-Projekt. Auf dem Gelände entstehen für das Salcos-Programm Anlagen, die zur Herstellung von grünem Stahl gebraucht werden. Nicht nur Wasserstoff für die Produktion, auch der Schrottplatz der DEUMU spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Schrott ist wichtiger Rohstoff. Wird er im Elektro-Lichtbogenofen geschmolzen, kann daraus neuer, grüner Stahl entstehen. „Wir können hier bewusst die Zukunft der grünen Transformation mitgestalten“, betont Klickermann.
In Salzgitter bereitet die DEUMU den Schrott für die Stahlproduktion auf – in dem sie ihn schreddert und sortiert. In Peine kümmert sich die Firma auch um den Hafenbetrieb samt Stahlschrottlager am Mittellandkanal, hier werden Schrott und die im Peiner Stahlwerk hergestellten Träger umgeschlagen. In Peine kümmern sich Einkauf und Verkauf der DEUMU aber auch darum, dass Stahlwerke und Gießereien mit Stahlschrott beliefert werden. Eingekauft wird nicht nur etwa bei Salzgitter-Kunden wie Automobil- und Haushaltsgeräteherstellern, sondern auch bei Abbruch-Unternehmen oder dem Recycling-Mittelstand.
„Heavy Metal“ heißt übrigens passenderweise das Firmen-Motto der DEUMU – und das tragen sie dort stolz auch auf so manch Arbeitskleidung.
Info: Von Standorten, über Geschichte bis Karriere – auf der Internetseite der DEUMU unter www.deumu.de gibt es weitere Infos. Das Unternehmen präsentiert sich auch bei Instagram oder Facebook in den Sozialen Medien.