Gefährliche Hunde: Verhaltensänderung möglich
Gesetzesreform geplant: Problemhunde sollen zweite Chance bekommen

Staffordshire Terrier Roland ist nicht als "gefährlich" eingestuft, trotzdem ist er unvermittelbar.Foto: Gero Gerewitz
Peine. Ohne Maulkorb und Leine kann Staffordshire Terrier Roland mit seinen Pflegern vom Tierheim Peine nicht spazieren gehen. Roland ist zwar nicht offiziell vom Veterinäramt als gefährlich eingestuft. Auch als gefährlich gelistet ist er aufgrund seiner Rasse nicht, denn sogenannte Listenhunde gibt es in Niedersachsen nicht. Trotzdem ist Roland ein Problemhund.

Denn: „Roland neigt zu unvermittelten Attacken“, schildert Tierheimleiterin Heike Brakemeier. Bereits zwei Mal sei der Staffordshire Terrier in ein neues Zuhause vermittelt worden. Jedes Mal musste er wieder ins Tierheim zurückkehren.

Dabei sah am Anfang alles gut aus, Roland verhielt sich im Tierheim ganz ordentlich. „Er hat einen guten Grundgehorsam.“ Um vom Hund akzeptiert zu werden, seien die neuen Besitzer über Monate ins Tierheim gekommen. Doch im neuen Zuhause angekommen, wendete sich das positive Bild schnell. „Es endete damit, dass er seine neuen Besitzer regelrecht stellte und bedrohte“, erzählt Brakemeier. Auch Fremden gegenüber ist der Hund wenig tolerant: „Er muss einen kennen, sonst wird es problematisch“, so die Tierheimleiterin. So sei eine Vermittlung praktisch unmöglich,

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denn neue Besitzer könnten mit Roland nie Besuch empfangen.

Auch offiziell als gefährlich eingestufte Hunde sind so gut wie unvermittelbar, denn die Auflagen für Halter sind extrem hoch: Die Haltung gefährlicher Hunde oder sogenannter Listenhunde erfordert in Deutschland eine behördliche Erlaubnis, die Volljährigkeit, Zuverlässigkeit, Sachkunde, eine Haftpflichtversicherung und ein polizeiliches Führungszeugnis. Der Hund muss gechipt sein, oft einen Wesenstest bestehen und im öffentlichen Raum Maulkorb sowie Leine tragen.

Doch nun soll es für gefährliche Hunde eine Möglichkeit zur Rehabilitation geben. Derzeit bereitet das niedersächsische Landwirtschaftsministerium eine entsprechende Reform des Hundegesetzes vor. Demnach könnte die Einstufung zurückgenommen werden, wenn nachweislich eine dauerhafte Verhaltensänderung des Hundes erreicht wird. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens 2,5 Jahre zwischen Vorfall und Gefährlichkeitseinstufung liegen.

Tierheimleiterin Heike Brakemeier hält es für eine „gute Sache”, den Problemhunden eine zweite Chance zu geben. Dass es auch schwierige Fälle schaffen könnten, zeige sich auch im Training, das der Polizeihundesportverein Peine dem Tierheim für Problemhunde kostenlos anbietet. „Darüber ist es uns gelungen, einige Hunde vermitteln zu können”, sagt Brakemeier.

Ihrer Erfahrung nach kann es gelingen, das Verhalten eines Hundes zu ändern - mit viel Training. „Es kommt auf das Alter des Tieres an. Je länger sich die aggressiven Verhaltensweisen eingefahren haben, umso höher ist der Trainingsaufwand“, so die Leiterin.

Doch bei Roland sei dieser Zug abgefahren. „Ich denke nicht, dass man sein territoriales Verhalten noch rauskriegt. Er ist jetzt elf Jahre alt“, bedauert sie. Hinzu komme, dass Roland unter Schmerzen leide. Er habe Arthrosen und bekomme Schmerzmittel, unter anderem Cortison. „Seine Aggressionen können auch von den Schmerzen kommen“, sagt Brakemeier.

Sie geht davon aus, dass der Staffordshire Rüde seinen Lebensabend im Tierheim verbringen wird, auch wenn es noch eine Interessentin für ihn gebe. „Das Risiko, dass er beißt, ist da. Bislang hat er das nicht getan, aber wir wissen auch nicht, was in seiner Vorgeschichte war“, gibt sie zu bedenken. Denn Roland ist - wie die fünf anderen Problemhunde im Peiner Tierheim - über die anonyme Tierklappe abgegeben worden, die das Tierheim im August 2021 ins Leben rief, kurz darauf aber wegen Überlastung wieder schließen musste.

Im Landkreis Peine werden pro Jahr bis zu 50 Vorfälle angezeigt, bei denen ein Hund einen Menschen oder einen anderen Hund gebissen hat. Bei nicht allen davon wird im Sinne des Hundegesetzes anschließend eine Gefährlichkeit festgestellt, teilt der Sprecher der Peiner Kreisverwaltung, Fabian Laaß, mit. Dies sei in etwa fünf bis 20 dieser Vorfälle der Fall.

Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren im Kreis Peine 45 Hunde neu als gefährlich eingestuft. Seit Inkrafttreten des Hundegesetzes waren es insgesamt 250, allerdings leben nicht alle Tiere noch im Kreisgebiet.



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