Eigentlich sollte der Laden schon am Samstag öffnen, aber manchmal hat selbst der beste Plan seine eigenen Ideen. „Der Lieferbetrieb für die Kasse hat den 1. Mai als Feiertag übersehen“, sagt Bilgin. Also wird eben einen Tag später eröffnet. Ganz entspannt. Zumindest fast. Denn auch heute sorgt zunächst die Waage für Stirnrunzeln. Bilgins Frau organisiert schnell Ersatz. Problem gelöst, Eröffnungsfeier gerettet.
Die ersten Gäste sind längst da, Freunde, Bekannte, neugierige Fleischfans. Vor der Tür stehen Bänke und Tische, vom Grill zieht ein verlockender Duft durch die enge Straße. Die erste Kundin weiß genau was sie will. Sie kauft direkt für über 200 Euro ein und kündigt dankbar schon den nächsten Besuch an.
Für Bilgin war der Schritt zum eigenen Laden nur logisch. Der 40-Jährige arbeitet eigentlich bei der Salzgitter AG. „Ich mache seit drei Jahren nebenbei Fleischvertrieb und beliefere deutschlandweit Gastronomie“, erzählt er. Sein Onlinehandel floriert. Geliefert wird gut gekühlt und mit Plan: „Wir versenden nur montags bis mittwochs, damit die Kühlkette sicher eingehalten wird.“
Doch irgendwann wurde es vor der eigenen Haustür zu voll. „Leute standen teilweise bei mir und haben geklingelt, weil sie Fleisch haben wollten“, erklärt Bilgin. Also musste ein Laden her. Nah am Kunden, greifbar und persönlich.
Hier gibt es hochwertiges, vakuumiertes Fleisch aus der Kühlung, dazu Gewürze und Holzkohle. „Mehr braucht es nicht für den perfekten Grillabend.“
Besonders stolz ist Bilgin auf die Qualität seiner Ware. „Ich habe nach hochwertigem Fleisch gesucht.“ Zunächst wurde er in Polen fündig. „Das Fleisch war gut, aber nicht gut genug“, sagt er über die ersten Versuche. Fündig wurde er schließlich auf einer Messe in Düsseldorf, wo er seinen heutigen Geschäftspartner kennengelernt hat.
Der hat eine Ranch in Argentinien. Das Fleisch kommt von Rindern, die auf weitläufigen Weiden leben. „Das ist 100 Prozent Bio, ohne Antibiotika oder Chemie“, erklärt er. Ein Qualitätsmanager überwacht vor Ort Fresszeiten und Schlafrhythmus der Tiere. Für den Fleischliebhaber ist klar: „Argentinisches Black Angus ist genau meine Geschmacksrichtung.“
Dass er bewusst Halal-Fleisch anbietet, ist ihm wichtig. „Ich möchte muslimische Kunden ansprechen“, sagt er und räumt mit Vorurteilen auf: „Viele verstehen halal falsch.“ Es bedeute in diesem Zusammenhang, dass das Tier nach religiösen Vorschriften geschlachtet wird. „Das heißt nicht, dass das Tier gequält wird“, betont Bilgin. Vielmehr werde beim Schlachten ein Gebet gesprochen, das den Vorgang religiös einordnet.
Trotz aller Begeisterung bleibt Mustafa Bilgin realistisch und respektvoll gegenüber anderen Lebensstilen. „Jeder muss selbst entscheiden, ob er Fleisch isst oder nicht“, sagt er. Für ihn persönlich aber gehört es einfach dazu: „Seit meiner Kindheit ist das Teil meiner Lebenseinstellung.“
Der neue „Meat Store“ ist das Ergebnis von Leidenschaft, harter Arbeit und kurzen Nächten. „Ich schlafe ganz selten“, gibt er zu. „Es gibt einfach immer was zu tun.“