Neuer Orthopädie-Schuhtechnik Fachbetrieb
Traditions-Schuhhaus Inhaber Peter Rentz aus Edemissen hat mit
Lovis Kietzmann einen Nachfolger gefunden.

Edemissen. Dass ein neues Kapitel für das Schuhaus Rentz in Edemissen beginnt, sieht man auf den ersten Blick: Dort, wo früher die Sandalen, Pantoletten, und Halbschuhe fein geordnet in den Regalen standen, stapelt sich das Schuhwerk übereinander zum Ausverkauf. Denn mit dem klassischen Schuhverkauf wird hier bald Schluss sein - in Zukunft wird die Orthopädie-Schuhtechnik ausgebaut.

Seit Jahrzehnten gehört das Traditionsgeschäft fest zum Ortsbild in Edemissen. Bereits 1961 hatte Helmut Rentz das Schuhgeschäft übernommen und im Jahr 1980 an seinen Sohn Peter übergeben. Nach 46 Jahren ist nun auch bald für den 62-jährigen Peter Rentz Schluss: Sein Nachfolger, der 24-jährige Orthopädie-Schuhmachermeister Lovis Kietzmann, will in Zukunft die Orthopädie-Schuhtechnik modern ausbauen und mit handwerklicher Tradition verbinden.

Wenn Peter Rentz über seinen jungen Nachfolger spricht, da spürt man seine Erleichterung, dass sein Geschäft weitergeführt wird und wie stolz er auf den 24-Jährigen ist. „Als Innungs-Bester hat er seine Ausbildung bestanden”, sagt Peter Rentz. Vertraut gehen sie miteinander um. Witzeln, lachen, fast könnte man sie für ein Vater-Sohn-Gespann halten, was sie aber nicht sind. Sie sind jedoch ein eingespieltes Onkel-Neffe-Team. „Geplant war die Übernahme nicht, sie ist einfach so entstanden”, sagt Lovis Kietzmann.

In das Geschäft seines Onkels ist er durch einen Mini-Job gekommen. „Statt bei Ikea in Hannover Hot-Dogs zu wenden, habe ich zweimal in der Woche in der Werkstatt meines Onkels Einlagen bezogen”, sagt der 24-Jährige. Irgendwann scheint die Begeisterung für den Beruf von Peter Rentz auf seinen Neffen übergesprungen zu sein. Nach dem Abitur hat Lovis Kietzmann 2021 seine Ausbildung zum Orthopädie-Schuhtechniker in Hannover angefangen, die Meisterprüfung im März 2025 abgeschlossen.

Seine Berufsbezeichnung Orthopädie-Schuhtechniker findet er sehr sperrig, sie sage überhaupt nichts über seine Aufgaben aus und würde den Nachwuchs nicht begeistern. „In meinen Beruf habe ich jedoch wahnsinnig viele Möglichkeiten, er ist viel mehr als nur Sohlen an Schuhe zu kleben”, sagt Lovis Kietzmann.

Die Abwechslung von Kundenberatung, Computerarbeit und handwerklichen Fähigkeiten lässt ihn für seinen Beruf brennen. „Es ist eine Mischung aus Handwerk und sozialem Beruf“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass er Lebensqualität liefern kann.

Für ihn gibt es nichts Schöneres, als die Rückmeldung seiner Kunden, die durch sein Fachwissen wieder schmerzfrei gehen können oder den Rollator nicht mehr brauchen. „Zukunftssicher ist der Beruf, da er nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden kann“, so Peter Rentz. Er ist sicher, das der Bedarf an diesem Handwerk steigen wird.

Nach einer Umbauphase soll das neue Geschäft Rentz Orthopädie-Schuhtechnik am 1. Oktober 2026 öffnen. Dann möchte Lovis Kietzmann hier nicht nur Einlagen, Bandagen, Maßschuhe und Kompressionsstrümpfe anbieten, sondern mit modernen Lauf- und Haltungsanalysen sein Angebot erweitern. „Auch in der 3-D-Technik sind wir schon relativ weit“, fügt sein Onkel hinzu. Ziel sei es, in drei bis vier Jahren Schuhe im 3D-Drucker selbst herzustellen.

Das Konzept des 24-Jährigen, der von seine Freunden „Meister Fuß“ genannt wird, sieht im neuen Geschäft auch einen Foot-Spa-Bereich vor. Aber erst einmal kommt jede Menge Arbeit mit Umbau und Aufbau des neuen Ladens auf den 24-Jährigen zu.

Peter Rentz will seinen Neffen bei der Neuausrichtung des Geschäfts tatkräftig unterstützen und mithelfen. Denn Jahrzehnte hat er das Geschäft geprägt. Auf das Fachwissen seines Onkels möchte und kann der 24-Jährige auch nicht verzichten. „Ich brauche hochqualifizierte Lagerarbeiter”, scherzt Lovis Kietzmann - und hat damit den Lacher seines Onkels sicher.

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