„Er kann sparsamer mit Dünger sein“
Labormobil in der Fußgängerzone: Viele Peiner lassen ihr Brunnenwasser vom VSR-Gewässerschutz testen

Großes Interesse: Die Peiner standen Schlange, um ihr Brunnenwasser beim Labormobil des VSR-Gewässerschutz abzugeben.Foto: Christian Meyer
Peine. „Oh, was ist denn da los?“ Passanten in der Fußgängerzone wunderten sich am Montagnachmittag über eine lange Schlange vor einem gelben Info-Bus am Graf-Gunzelin-Denkmal in der Fußgängerzone. Rund 150 Peinerinnen und Peiner nutzen die Chance und ließen ihr Brunnenwasser vom Verein VSR-Gewässerschutz auf Nitrat-, Säure-, Eisen- oder Salzgehalt testen. Das waren deutlich mehr als im Vorjahr (101).

Auch Rentner Peter Ziball aus Peine hatte eine Halbliter-Plastikflasche mit Brunnenwasser dabei. Er liebt es, im Sommer viel Zeit im Garten zu verbringen, braust sich auch gerne mal mit Brunnenwasser ab. Doch ist das unbedenklich? „Ich will auf Nummer sicher gehen“, sagt er. Die Qualität des Grundwassers wird schließlich von vielen Dingen beeinflusst. Immer wieder entdeckten die ehrenamtlichen Tester des Vereins auch Bakterien im Brunnenwasser, die zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden oder Harnwegsinfektionen auslösen können.

„Früher konnte man im Labor der Härke-Brauerei Wasser testen lassen“, erinnert sich Ziball. Nun nutzte er das Angebot der gemeinnützigen Umweltschutzorganisation und ist gespannt auf die Ergebnisse, die er per Post bekommt.

Oskar Böhl aus Meerdorf hat seinen Brunnen seit 1960. Erst fünf Jahre später sei das Haus an eine zentrale Wasserleitung angeschlossen worden. Mit dem Brunnenwasser wäscht er sich also längst nicht mehr, nutzt es vor allem zum Gießen von Blumen. „Ich möchte trotzdem mal wissen, wie es mit den Werten aussieht“, sagte er.

Auf Nummer sicher gehen – das war der Antrieb vieler Peiner. „Wir haben Kinder, die im Sommer mal gerne durch den Wassersprenger laufen“, sagte der Stederdorfer Tobias Grützner. Vor allem die Nitratbelastung interessiere ihn. Sauerkirschen, Süßkirschen, Johannisbeeren, Erdbeeren, Gurken – viel Obst und Gemüse baut eine Vöhrumerin an, doch die Garten-Brauchwasser-Analyse gab sie auch deshalb auf, um sich keine Sorgen machen zu müssen, wenn ihr Enkel mal pitschenass im Hochsommer vom Brunnenwasser ist.

Matthias Ahlbrecht und Frank Hage nahmen die Brunnenwasser-Proben entgegen und versahen sie zur Nachverfolgung mit Nummern. Probe M837 wurde noch vor Ort ausgewertet. Dafür verfügt der Verein unter anderem über eine Hightech-Nitrat-Sonde. Das Ergebnis dürfte einen Gartenbesitzer aus dem Schwarzen Weg erleichtern.

Der pH-Wert lag bei 6,01 und damit nur im leicht sauren Bereich. Der Peiner möchte das Brunnenwasser zur Zierpflanzen-Bewässerung nutzen, dafür ist es gut geeignet. Auch der Salzgehalt lag fast 70 Prozent unter dem Grenzwert. Der Nitrat-Gehalt lag bei 30,6 Milligramm pro Liter und war damit zwar etwas erhöht, aber ebenfalls unter dem Grenzwert von 50 Milligramm. „Ich werde dem Mann allerdings sagen, dass er mit seinem Dünger sparsamer sein kann“, merkte Ahlbrecht an.

Im Vorjahr hatte der Verein noch in jeder dritten Probe eine Nitrat-Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter festgestellt. Dann kann das Wasser nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden. Die Höchstwerte wurden bei Brunnen in Telgte (243), Ersehof (154), Alvesse (149), Schmedenstedt (132), Essinghausen (132), Rüper (131) und Wense (130) ausgemacht.

Der Verein ruft eindringlich dazu auf, die Nitratbelastung zu verringern, um das Grundwasser und die Artenvielfalt in Flüssen zu schützen. Deshalb fordert er unter anderem mehr Ökolandbau, weil dort weniger gedüngt wird und appelliert dazu, mehr Bäume auf den Feldern zu pflanzen, die das Nitrat aus tieferen Schichten noch verwerten können. Auf seiner Niedersachsen-Karte hat der Verein den Landkreis Peine rot eingefärbt – das bedeutet, hier fallen die Nitrat-Werte vergleichsweise hoch aus.

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