IG BAU fordert Flexi-Ruhestand für Bauarbeiter
Nur 60 von 1.500 Beschäftigten im Kreis Peine arbeiten mit über 63

Auf Dauer nicht zu machen: Das Schleppen von Säcken. Gerade Ältere stoßen bei schwerer körperlicher Arbeit wie auf dem Bau an ihre Grenzen. Deshalb soll es für alle, die hart arbeiten, eine „Flexi-Rente“ gebenFoto: IG Bau/ Alireza Khalili
Peine. Von den rund 1.500 Bauarbeitern im Landkreis Peine sind nach Angaben der Arbeitsagentur gerade einmal rund 60 Beschäftigte älter als 63 Jahre. Das kritisiert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und verweist auf die harte körperliche Arbeit bei Wind und Wetter, Hitze und Frost, die Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer leisten.

„Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, sagt Simone Hoffmeister, Vorsitzende der IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen. Für sie ist klar: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten.“

Damit kritisiert die Gewerkschafterin die Pläne der Rentenkommission, die die Bundesregierung umsetzen will. Aus ihrer Sicht fehlt die Flexi-Rente, also die Chance auf vernünftige Übergänge in den Ruhestand für Branchen, in denen Beschäftigte durch ihren Job gesundheitlich früher am Ende sind. „Eine faire Rente muss unbedingt dem Härtegrad der Arbeit angepasst werden“, so Hoffmeister. Sie fordert einen Expresszugang in den regulären Ruhestand. Das gelte neben der Baubranche auch für Land- und Forstwirtschaft, Gebäudereinigung sowie Garten- und Landschaftsbau.

Die IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten im Kreis Peine und der Region, die Pläne der Bundesregierung dringend zu korrigieren.

Ein weiterer Kritikpunkt: das geplante Abschaffen der Rente mit 63. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“, sagt Hoffmeister. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts gehen im Landkreis Peine in den kommenden zehn Jahren 22.500 Baby-Boomer in Rente, viele mit vollen 45 Beitragsjahren. „Ihnen jetzt die Rente mit 63 wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen“, ist Hoffmeister überzeugt.

Auch beim Rentenniveau sieht die Gewerkschaft Nachbesserungsbedarf. Bei den Vorschlägen der Rentenkommission fehle eine garantierte Haltelinie. „Der Staat dürfe den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Die Bundesregierung müsse klarstellen, dass es keinen Einbruch gebe, auch nicht beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente. Das Rentenniveau müsse schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen, sagt Hoffmeister.

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