Jeder Deckel zählt: Obergerin startet Rekordversuch für den guten Zweck
Was zu oft im Müll landet, darauf freut sich Luisa Ritter - Die 30-Jährige hat die Initiative „Deckel helfen“ gestartet, deren Erlöse an das Kinderhospiz gehen

Der Container am Sportplatz in Eixe ist schon gut gefühlt: Luisa Ritter sammelt Kronkorken und andere Metalldeckel für den guten Zweck.
Oberg/Eixe. Erst Plopp, dann Schrott: Das Leben eines Kronkorkens kann kurz sein. Doch Luisa Ritter aus Oberg sorgt dafür, dass aus kleinen Deckeln noch eine große Hilfe wird – für die wichtige Arbeit im Kinderhospiz Löwenherz in Braunschweig. Die 30-Jährige hat die Initiative „Deckel helfen“ ins Laufen gebracht und fiebert nun einem Rekord-Versuch entgegen, für den sie sich die Unterstützung der Peiner wünscht.Beim TSV Eixe kommt ihr die Idee

Kronkorken von Bierflaschen oder Schraubverschlüsse von Wein oder dem Pesto-Glas werden fast immer achtlos entsorgt. Sollten sie aber nicht! Denn die kleinen Deckel sind aus Weißblech und lassen sich gut recyceln. Mit den Erlösen daraus lassen sich sogar soziale Projekte unterstützen. Luisa Ritter macht’s vor.

Ende September 2025 hat die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin die Initiative „Deckel helfen“ gestartet. Ein Arbeitseinsatz im Sporthaus des TSV Eixe brachte sie auf die Idee. Im Sportverein kickt sie im Frauen-Bezirksliga-Team und leitet die Frauen-Fußball-Abteilung. „Überall standen Dosen und kleine Eimer mit gesammelten Kronkorken“, erinnert sie sich. Sie wusste: Was andere wegwerfen, kann ein bisschen Geld bringen. Wenn man es denn groß aufzieht. Richtig groß.

Erst die Menge macht‘s

„Um ein Kilo zusammenzubekommen, muss man rund 500 Kronkorken sammeln“, weiß die 30-Jährige. Pro Kilo wollte ein Recyclinghof 20 Cent zahlen. Die Zahlen zeigen: Leicht verdientes Geld ist das nicht, nur die Menge macht’s. Luisa Ritter ging die Sache trotzdem an. „Zum Start habe ich bestimmt täglich zwei bis drei Stunden in die Aktion gesteckt. Wie viele Mails ich allein geschrieben habe…“.

Ihr Antrieb: Traurig und rührend zugleich, die lobenswerte Arbeit, die im Kinderhospiz Löwenherz in Braunschweig absolviert wird. Luisa Ritter konnte sich an einer schwer erkrankten Jungen aus dem Bekanntenkreis erinnern, der hier aufgenommen wurde. „Und mir war wichtig, einen lokalen Bezug zu haben“, sagt sie.

360 Euro für die erste Leerung

Ein Helferteam aufbauen, für die Aktion bei Instagram werben, Partner als Sammelstelle finden, eine Internetseite managen: Ihr Engagement zahlte sich aus. In den ersten sechs Monaten konnten Luisa Ritter und die Ehrenamtlichen von „Deckel helfen“ 2.930 Kilo an Deckeln sammeln. Die erste Leerung von 1.800 Kilo brachte rund 360 Euro ein, vor dem Sporthaus des TSV Eixe steht ein Container, der inzwischen schon wieder gut gefüllt ist und weitere 2.000 Kilo auf die Recycling-Hof-Waage bringen könnte. Wie das gelang? 31 offizielle Sammelstellen trugen dazu bei. Das Motto: Gemeinsam sind wir stark. Peiner Sportvereine wie der SV Herta Equord, der TSV Wendezelle, der TSV Eixe oder der SV Neubrück trugen ebenso dazu bei, wie Gaststätten wie der Groß Bültener Hof oder das Restaurant Santorini in Gadenstedt. Auch Kioske oder das Astor-Kino in Braunschweig sammeln.

Beim Peiner Freischießen im Einsatz

Beim Peiner Freischießen übernahmen sieben Ehrenamtliche vom TSV Eixe die Fahrrad-Wache, um auch auf die „Deckel helfen“-Aktion aufmerksam zu machen. Mehrere Stunden täglich. Die Besucher konnten dafür ihr Rad sicher abstellen, die Helfer freuten sich über eine Deckel-Spende.

Sogar Kitas sind im Sammel-Fieber. Für die Kinder gibt es einen schönen Anreiz. Eine Tischlerei aus Groß Ilsede unterstützt das „Deckel helfen“-Projekt. „Die Lehrlinge bauen Sammelboxen aus Holz, die in der Kita aufgestellt werden und vorher von den Jungen und Mädchen bunt angemalt werden können“, berichtet Luisa Ritter.

Mikro-Förderung für den Rekordversuch

Aber all das reicht ihr noch nicht. Luisa Ritter ist überzeugt: Da geht mehr. Deshalb ruft sie zu einem Rekordversuch im Herbst auf. Vom Weltkindertag am 20. September bis zum internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember will sie zusammen mit den Peinern mindestens 2000 Kilo an Deckel sammeln. In etwas mehr als zwei Monaten soll damit eine Menge zusammenkommen, für die man bisher mindestens doppelt so lange gebraucht hat.

Die Aktion für den guten Zweck fand auch das Land Niedersachsen gut. Luisa Ritter hat für den Rekordversuch eine Mikroförderung von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Niedersachen erhalten. Das Fördergeld will sie unter anderem in Werbung investieren, für Flyer, Banner oder Jutebeutel. Und sie will zumindest die Spritkosten der Fahrer übernehmen: Ehrenamtliche holen nämlich regelmäßig die Sammelboxen aus den Sammelstellen ab.

Gewinnspiel soll Anreiz bringen

Einen Anreiz zum Mitmachen beim Rekordversuch soll auch ein Gewinnspiel liefern. Wer die Aktion bei Instagram teilt, darf auf Karten für ein Fußball-Zweitliga-Spiel von Eintracht Braunschweig oder auf Kino-Tickets fürs Astor Filmtheater hoffen.

Luisa Ritter hofft dagegen auf viele Teilnehmende. Ob Feuerwehr, Motorrad-Club, Familie, Kneipe: Jeder Deckel zählt!

Eine Übersicht über alle Sammelstellen gibt es im Internet unter www.deckel-helfen.de. Darunter sind auch mehrere Angebote ohne Öffnungszeiten wie etwa der große Container direkt vorm Sportplatz des TSV Eixe (Im Seuten Moor 10). „Aber bitte nichts mehr nach 22 Uhr einwerfen“, verweist Luisa Ritter auf Anwohner.



Druckansicht