Nur der Drache schaut zurück – alle folgenden Werke richten ihren Blick nach rechts, nach vorn. Der „Hüter der Zeit“ entstand 2025 intuitiv, sagt Steinert. Erst im Nachhinein habe sie erkannt, wie sehr das Bild ihren eigenen Lebensweg widerspiegele.
„Nicht auf mein Bauchgefühl gehört“Denn die 37-Jährige hat erst nach einigen Umwegen zu ihrer Berufung gefunden. Schon als Kind war sie kreativ, ein Berufseignungstest empfahl ihr später sogar einen künstlerischen Beruf. Dennoch entschied sie sich zunächst für eine kaufmännische Ausbildung. „Ich habe damals nicht auf mein Bauchgefühl gehört,“ sagt Steinert. Die Ausbildung bereut sie dennoch nicht. „Die braucht man überall“, sagt sie. Erst Jahre später merkte sie, dass etwas fehlte. „Man grübelt, denkt nach und merkt schließlich: Irgendetwas erfüllt einen nicht.“
Heute arbeitet Steinert noch nebenberuflich im Reisebüro. Doch jede freie Minute widmet die Autodidaktin ihrer Kunst. Seit 2023 bringt sie sich Techniken selbst bei. „Irgendwann habe ich gedacht: Du fängst einfach an.“ Aus diesem Entschluss entstand ihr künstlerisches Konzept „Zwischen Kontrolle und Chaos“. Steinert beschreibt sich selbst als Perfektionistin – doch in ihrer Kunst versucht sie, diesen Anspruch hinter sich zu lassen. „Es ist kein Platz für Perfektion. Das Unperfekte ist für mich das Perfekte.“
Zeit als Symbol für Vergänglichkeit, aber auch Umwege und ChancenZeit zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Werke. Für Steinert steht Zeit nicht nur für Vergänglichkeit, sondern auch für Entscheidungen, Umwege und Chancen. „Die Zeit läuft weg. Man möchte viel schaffen, aber man kann der Zeit nicht hinterherkommen“, sagt sie. Gleichzeitig verbindet sie damit eine Botschaft, die ihren eigenen Lebensweg beschreibt: „Es ist nie zu spät. Die Zeit ist da – nutze sie für die Dinge, die dir Spaß machen, für die du brennst,“ sagt Steinert. „Für mich ist es die Kunst und ich nutze jede freie Minute, um meine Kreativität zu entfalten.“
Auf MDF-Platten schafft sie mit Strukturpaste und hochwertigem Epoxidharz Werke mit spürbarer Tiefe und plastischer Wirkung. Dass sie dabei gerne Materialien aus dem Baumarkt verwendet, komme nicht von ungefähr: Ihre Mutter war Bauleiterin. Der Umgang mit Baustoffen sei ihr „in die Wiege gelegt“ worden. Das Material entwickle oft seine eigene Dynamik. „Ich kann zwar die Richtung vorgeben, aber wie es am Ende wird, weiß man nie.“ Gerade darin liege für sie die größte Erkenntnis. „Es ist, wie es ist – einfach loslassen.“
Krafttiere stehen im MittelpunktIm Mittelpunkt ihrer aktuellen Serie stehen „Krafttiere“, die jeder Mensch in sich trage. Zu jedem gehören andere Tiere, die Steinert zu einzigartigen Kunstwerken verbindet. In ihrem Fall verschmelzen Tiger, Wolf und Adler zu einer Gestalt: Goldene Akzente auf dem sonst dunklen Werk. „Das sind meine Tiere … Mut und Stärke, dass man mutig sein soll, den Weg zu gehen. Dass man innerlich stark genug dafür ist.“ Der Tiger symbolisiert für sie Stärke ohne Dominanz, der Wolf den Mut, als Rudeltier auch allein den eigenen Weg zu gehen, und der Adler Freiheit und Unabhängigkeit.
Kunst solle Emotionen wecken und Menschen berühren. „Kunst soll sprechen.“ Genau das wünsche sie sich auch für ihre Heimatregion. „Es gibt viele Künstler in Peine und Umgebung. Ich weiß nicht, ob sie entdeckt sind“, sagt Steinert. „Ich wünsche mir, dass Peine den Anfang wagt und Künstlern mehr Möglichkeiten gibt, sichtbar zu werden.“ Zwar stelle sie inzwischen regelmäßig in Hannover, Hamburg und anderen Städten aus, doch mehr Ausstellungen und Galerien vor Ort wären ihr wichtig. „Für jeden Künstler ist es etwas Besonderes, seine Werke auszustellen. Wir wollen das präsentieren, wofür wir brennen.“
Ihr Ziel ist es, irgendwann von ihrer Kunst leben zu können. Sie werde zwar noch Zeit brauchen, aber davon lässt sie sich nicht entmutigen. „Viele sagen, es ist unmöglich. Aber wenn man den Willen dazu hat, ist nichts unmöglich“, ist die Künstlerin überzeugt.