Die Verhandlungen wurden von Warnstreiks an neun Volkswagen-Standorten begleitet. Auf 103.000 Beschäftigte beläuft sich die Zahl der Teilnehmer. Ein Rekord, auf den IG Metall gerne verzichtet hätte. In Salzgitter ließen demnach 5.500 Frauen und Männer die Arbeit für vier Stunden liegen. Die Gewerkschaft attestierten den Beschäftigten „eine beeindruckende Solidarität“ in den Regionen: „Ein Moment der VW-Tarifgeschichte, den wir gerne ausgespart hätten. Niemand von uns will den Konflikt mit dem Unternehmen, das beispiellose Vorgehen der Kündigung unserer Tarifverträge durch Volkswagen macht diesen aber unumgänglich“, erklärt IG Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger.
In den Verhandlungen in der Volkswagen Arena, östlich vom Wolfsburger VW-Werk gelegen, gab es intensive Gespräche zwischen Unternehmen und Arbeitnehmerseite. „Trotz eines deutlich konstruktiveren Gesprächsklimas bleiben die Positionen weiterhin weit auseinander. Für die IG Metall ist entscheidend: Es muss eine Lösung ohne Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen gefunden werden. Investitionen in zukunftsweisende Geschäftsfelder müssen gesichert sein. Die Lasten zum Stemmen der Zukunftsinvestitionen dürfen nicht einseitig auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Auch Vorstand und Aktionäre sind in der Pflicht, ihren fairen Beitrag zu leisten“, unterstreichtThorsten Gröger. „Die Proteste von bisher mehr als 160.000 Teilnehmenden bis zum jetzigen Zeitpunkt hat Volkswagen mehr als nur registriert. Wir haben am Verhandlungstisch ebenfalls betont, dass wir keine weitere Eskalation wollen, aber wenn nötig auch bereit sind, den Tarifkonflikt weiter zuzuspitzen.“
Im Ringen um Perspektiven für die finanziell unter Druck stehende Volkswagen AG haben Gesamtbetriebsrat und IG Metall der Arbeitgeberseite erneut ihren Zukunftsplan erläutert, welcher die Sparziele der Unternehmensspitze über Änderungen bei den Personalkosten mit circa 1,5 Milliarden Euro flankieren könnte. Dafür sind im Gegenzug aber Garantien nötig beispielsweise in Form einer neuen Beschäftigungssicherung, dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie Perspektiven für alle zehn Volkswagen-Werke in Deutschland. Nicht zuletzt müssen Vorstand und Anteilseigner zwingend einen Beitrag zur Zukunftsfestigkeit des Autobauers leisten.
Daniela Cavallo, Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission, sagt: „Die Atmosphäre unserer jüngsten Gespräche kann man vielleicht am ehesten als bedingt gestaltungsbereit beschreiben. Das ändert aber nichts daran, dass es bis zu einer möglichen Annäherung noch sehr weit ist. Wir sind bereit, den jetzt eingeschlagenen konstruktiven Weg nächste Woche konsequent weiterzugehen.“ IG Metall und Volkswagen verständigten sich darauf, die Tarifgespräche am 16. und 17. Dezember fortzusetzen. Sollte es vor Weihnachten keine Einigung im Sinne der Beschäftigten geben, behält sich die IG Metall vor, die Warnstreikmaßnahmen im Jahr 2025 deutlich zu intensivieren.