Auf dem Stundenplan stand „explizit die Brandbekämpfung aus der Luft in Zusammenarbeit mit der Polizeihubschrauberstaffel“ aus Hannover. Alles sollte sich möglichst nahe an der Realität bewegen, um die Reaktionsfähigkeit und Koordination für eine Notlage zu verbessern. „Im Ernstfall würden wir aber auch über bebautes Gebiete fliegen“, sagt Salzgitters Feuerwehr-Pressesprecher Marcus Spiller. Das war an den zwei Trainingstagen nicht der Fall, die beiden Hubschrauber flogen eine kleine Schleife.
Es war die erste Übung dieser Art in Salzgitter, dessen Feuerwehr jetzt laut Marcus Spiller über einen von vier Abroll-Containern für Vegetationsbrände in Niedersachsen verfügt. Darin enthalten ist unter anderem ein 36.000 Liter fassender mobiler Faltbehälter für den Fall, dass kein Gewässer in der Nähe ist. Salzgitter bietet sich aber an, für alle Einsatzformen zu üben. Es gibt den See, den die Piloten nonstop von 7.30 bis 16.30 Uhr ansteuerten von der Leitstelle, einem Feld bei Lesse. Alle fünf bis zehn Minuten sanken sie hinab über dem Wasser, nahmen mit ihrem roten Außenlastbehälter, der sich Bambi-Eimer nennt, zwischen 300 und 600 Litern Wasser auf, die sie dann auf dem Geländestreifen fallen ließen.
Doch nicht nur die Piloten mussten üben, auch die Feuerwehrleute am Boden waren gefragt. Den Aufbau und die Betreuung der Füllstation übernahm die Ortsfeuerwehr Lesse, die im Ernstfall auch das Bedienpersonal für den Abrollbehälter sowie das Bodenpersonal für die Befüllung stellt. Sie trainierten zwischendurch, den Bambi-Eimer mit Wasser aus Schläuchen zu füllen. Denn der Katastrophenschutz muss auch dort funktionieren, wo kein Fluss oder See in der Nähe ist, der mindestens drei Meter tief ist. Denn die sind nötig, um den Behälter eintauchen und betanken zu können.
„Das Land hat den Katastrophenschutz neu aufgestellt“, sagt Marcus Spiller. Die Sommer werden immer trockener und heißer, die Waldbrandgefahr nimmt zu. Da sollte das Personal geschult sein. „Ziel der Übung ist es, die Einsatzkräfte auf mögliche Notfälle und größere Szenarien optimal vorzubereiten und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen zu stärken“, hieß es offiziell.
Da bei großen Waldbränden meist mehrere Helikopter gleichzeitig im Einsatz sind, wurde die Firma Koopmann in die Übung eingebunden, um eine realitätsnahe Koordination im Luftraum zu proben. Das Unternehmen kennt sich aus, ist durch das Land Niedersachsen beauftragt und kann bei Waldbränden ebenfalls angefordert werden. Die technische Einsatzleitung übernahm an beiden Tagen die Ortsfeuerwehr Lebenstedt mit der Fachgruppe Informations- und Kommunikationsdienst, um die Verpflegung kümmerte sich die Fachgruppe Verpflegung der Freiwilligen Feuerwehr Salzgitter.
Auch die DLRG war eingebunden. Die Ortsgruppe Lebenstedt schipperte mit sechs Ehrenamtlichen in einem Rettungsboot über den See, um die Entnahmestelle zu sichern. Angeln, segeln, tauchen waren verboten, auch Wasserski oder baden war tabu. Obwohl die DLRG nur eine Nebenrolle hatte, war sie auch bei einem Wald- und Vegetationsbrand für den Ablauf nicht unwichtig. „Das zeigt unsere vielfältigen Einsatzmöglichkeiten“, freute sich Einsatzführer Marcel Mäuselein, bei der Übung dabei zu sein. Dafür haben sich seine Kollegen und er extra frei genommen.
Nicht nur einige Journalisten aus der Region verfolgten das Geschehen, mit dem Feuerwehrausschuss der Stadt Salzgitter war auch die Politik vor Ort. Feuerwehrdezernent Eric Neiseke zeigte sich sehr zufrieden, „mit welcher Präzision die verschiedenen Organisationen zusammenarbeiten“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Sein Dank und der aller anwesenden Ausschussmitglieder galt „allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Katastrophenschutzes“ und besonders Dankeschön an die Ortsfeuerwehr Lesse für den nicht unerheblichen Teil der Organisation der Übung. „Das gesamte Ehrenamt der Stadt Salzgitter hat wieder einmal gezeigt, dass man sich im Notfall immer auf sie verlassen kann“, so Eric Neiseke.