Die Nordsee leidet unter einer zu hohen Stickstoffkonzentration. Diese hohen Werte sind besorgniserregend, da sie zu Sauerstoffmangel führen können, was das Überleben vieler aquatischer Organismen gefährdet. Eine entscheidende Ursache für diese Belastung sind die Flüsse, die mit erhöhten Stickstoffwerten in die Nordsee münden. Um diesem bedenklichen Trend entgegenzuwirken, wurde in der Oberflächengewässerverordnung ein Zielwert von 2,8 mg/l Gesamtstickstoff festgelegt. Leider wird dieses Ziel bisher nicht eingehalten.
Harald Gülzow, der die Messfahrt im vergangenen Oktober leitete, erklärt: „Jeder noch so kleine belastete Bach trägt dazu bei, dass die in die Nordsee mündenden Flüsse zu hohe Stickstoffkonzentrationen aufweisen. Wir wollten herausfinden, welche Bäche im Kreis Gifhorn zur Stickstoffbelastung beitragen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.“
Besonders betroffen sind Bäche, die stark von intensiver Landwirtschaft beeinflusst werden. Harald Gülzow stellte im Emmer Bach in Hankensbüttel eine Stickstoffkonzentration von 6,2 Milligramm pro Liter (mg/l) fest und im Bickgraben in Groß Schwülper einen Wert von 6 mg/l. In der Lachte in Steinhorst betrug der Wert 4,9 mg/l und in der Ise in Gifhorn wurde eine Konzentration von 4,6 mg/l gemessen. Die Oker in Meinersen wies mit 3,8 mg/l Gesamtstickstoff eine etwas geringere Belastung auf, ebenso die Aller in Münden mit ebenfalls 3,8 mg/l sowie die Kleine Aller in Tiddische mit 3,4 mg/l. Auch die Gravenhorster Riede in Isenbüttel zeigte mit 2,8 mg/l eine niedrigere Stickstoffbelastung.
Während zur Bewertung der Gewässerqualität Zielwerte für die Stickstoffkonzentration vorgegeben werden, wird im Grundwasser lediglich die Nitratkonzentration betrachtet. Das Nitrat stellt den größten Anteil am Gesamtstickstoffgehalt in den Gewässern dar und ist somit laut VSR-Gewässerschutz das größte Problem im Kreis Gifhorn. „Laut Umweltbundesamt stammen über die Hälfte der Nitrate in unseren Fließgewässern aus dem Grundwasser,“ erläutert Harald Gülzow. Messungen des VSR-Gewässerschutzes zeigen im Kreis Gifhorn eine sehr hohe Nitratbelastung im Grundwasser in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft.
„Bislang konnten wir keine signifikante Verbesserung der Belastung feststellen,“ stellt Gülzow fest. Durch weitere Brunnenwasseruntersuchungen in diesem Jahr möchte der Verein überprüfen, ob sich durch die umgesetzten Düngemaßnahmen inzwischen positive Entwicklungen zeigen. Die bisherige umfassende Auswertung der Nitratergebnisse haben die Gewässerexperten auf der Homepage mit Diagrammen veranschaulicht dargestellt. Auf vsr-gewaesserschutz.de erfahren auch alle Interessierten, wann das Labormobil im Kreis Gifhorn in diesem Jahr hält.
Die Nitratbelastung im Grundwasser wird häufig nur unter dem Aspekt der Trinkwasserqualität betrachtet. Hier möchte der VSR-Gewässerschutz mit seinen Messfahrten ein Bewusstsein schaffen und aufzeigen, wie wichtig die Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser für die Artenvielfalt ist. Während der VSR-Gewässerschutz selbst Bäche beproben kann, ist die gemeinnützige Organisation bei den Grundwasserproben auf die Unterstützung von Brunnenbesitzern angewiesen.