Kostenexplosion:
Bald noch weniger Luftrettung?
Einsatzzahlen von Rettungshubschraubern in Gifhorn sinken - Kerosin-Preis könnte Trend verschärfen

Einsatz für den Rettungshubschrauber: Muss wegen der Kostenexplosion bei den Kerosin-Preisen bald überlegt werden, wer noch gerettet wird?Foto: Sebastian Preuß
Gifhorn. Rettungshubschrauber landen immer seltener im Kreis Gifhorn: Seit Jahren geht die Zahl der Einsätze kontinuierlich zurück. Die angesichts des Iran-Kriegs gestiegenen Kerosin-Preise könnten den Trend noch verschärfen, warnt die ADAC-Luftrettung, die die beiden am meisten im Kreis Gifhorn eingesetzten Hubschrauber betreibt.

Keine Langeweile in der Rettungsleitstelle im Gifhorner Heidland: Im vergangenen Jahr hat sie 39.370 Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert. Allein für den Rettungsdienst waren es 20.948 Einsätze - vom internistischen Notfall bis zum Verkehrsunfall. An 3.792 Einsätzen waren Notärzte beteiligt. Und 236 Mal auch ein Rettungshubschrauber.

Zum Vergleich: 2019 waren es 480 Einsätze von Rettungshubschraubern. Die Zahl ging über 396 in 2022 und 273 in 2024 auf nun jene 236 zurück. Ist ein Engpass zu befürchten? Landkreis-Sprecherin Anja-Carina Riechert gibt Entwarnung: „Der Rückgang ist vor allem auf veränderte Arbeitsabläufe innerhalb der Leitstelle zurückzuführen, die zu einem effizienteren Ressourceneinsatz führen.“

Bleiben die Hubschrauber bald aus ganz anderen Gründen weg? Die ADAC-Luftrettung, die jene am häufigsten im Kreis Gifhorn eingesetzten Christophs (30 und 19) betreibt, be-

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richtet von erheblichen Kosten-Problemen. Die Betriebskosten seien in den vergangenen Jahren wegen Personal-, Infrastruktur- und Servicekosten rund zehn Prozent pro Jahr angestiegen.

„Ein Beispiel für aktuelle Kostensteigerungen sind die Kosten für Kerosin, die seit Beginn des Irankrieges um 60 Prozent gestiegen sind“, sagt ADAC-Sprecher Alexander Machowetz. „Das allein summiert sich bei der ADAC Luftrettung auf mehrere Millionen Euro an Mehrkosten pro Jahr.“

Eine Flugstunde mit Christoph 30 oder Christoph 4 zum Beispiel, das sind die leichten Eurocopter von Airbus, koste aktuell 200 Euro, die größeren Modelle kämen auf 300 Euro, so Machowetz. Warum schlagen ADAC und andere Luftrettungs-Betreiber jetzt Alarm? Die eigentliche Ursache betreffe die Refinanzierung der Kosten: „Nach dem Reformgesetz soll die Vergütung für die Leistungserbringer gedeckelt werden - das betrifft auch die Luftrettung.“

Dann würde sich die Vergütung „an der sogenannten Grundlohnrate, das ist die Summe der beitragspflichtigen Einnahmen aller Krankenkassenmitglieder“, orientieren, erläutert Machowetz. Die Konsequenz aus Sicht der ADAC-Luftrettung daraus: „Wenn die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Vergütungen für Luftrettung reduziert, müssen perspektivisch Leistungen gestrichen werden. Das bedeutet im Endeffekt, dass es tatsächlich auch Vorgaben geben müsste, wer nicht mehr gerettet wird.“

Die Luftretter befürchten, dass die Kosten bei ihnen hängen bleiben. Sie arbeiteten gemeinwohlorientiert und finanzieren sich zum Teil aus Spenden, sagt Machowetz. Sie hätten keine Möglichkeit, Kosten auszugleichen. „Das bedeutet, sie sind gezwungen, Leistungen zu reduzieren.“

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