Kreis Gifhorn plant neues Bevölkerungsschutzzentrum
Im Heidland soll für fast 50 Millionen Euro gebaut werden - Fertigstellung wird Jahre dauern

Feuerwehrtechnische Zentrale im Heidland: Die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Der Kreis möchte auf dem Gelände neu bauen - für fast 50 Millionen Euro.Foto: Sebastian Preuß
Gifhorn. Es geht um die Sicherheit für fast 180.000 Menschen - und die will sich der Landkreis Gifhorn in den kommenden Jahren richtig viel Geld kosten lassen. Am Heidland soll ein Bevölkerungsschutzzentrum entstehen. Ersten Architektur-Entwürfen nach wird das nicht billig: fast 50 Millionen Euro stehen als vorläufige Summe in den Plänen. Die wurden den ersten Fachausschüssen des Kreises vorgestellt.

Es sieht nicht gut aus am Standort Heidland: Die Feuerwehrtechnische Zentrale ist in die Jahre gekommen. Die bestehenden Gebäude sind zu klein für die aktuell 34 hauptamtlichen Mitarbeiter sowie die zahlreichen ehrenamtlich Tätigen der Feuerwehren, deren Ausbildung aufgrund der fehlenden Kapazitäten nicht den Anforderungen entsprechend gewährleistet werden kann.

Die Gebäude stammen zudem teilweise aus den Siebzigerjahren, sind sanierungsbedürftig und technisch nicht auf dem aktuellen Stand. Material muss bereits in einer angemieteten Halle außerhalb des Geländes gelagert werden. Arbeitswege sind ineffizient. Ausreichend Parkplätze fehlen.

Durch den geplanten Neubau sollen am Standort Heidland alle Kompetenzen in Sachen Bevölkerungsschutz gebündelt werden. Auch die Nutzung des derzeit durch einen Wasserschaden brachliegenden Straßenverkehrsamtes ist dafür geplant. Im neuen Bevölkerungsschutzzentrum soll sich die

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Nutzfläche mehr als verdoppeln. Wobei das nur einer der Punkte ist: Mit dem Neubau sollen moderne technische Voraussetzungen für die Arbeit der Institutionen sowie effiziente und angenehme Arbeitsbedingungen für die hauptamtlich und ehrenamtlich tätigen Personen am Standort geschaffen werden.

Außerdem sollen die Ausbildungsmöglichkeiten für die Angehörigen der aktuell 99 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis verbessert werden - auch hier fehlen derzeit Räume.

Die am Katastrophenschutz beteiligten Institutionen hatten im Vorfeld ihren Raumbedarf angemeldet. Das jetzt vorgestellt Raumkonzept sieht künftige Nutzflächen in folgenden Größenordnungen vor: Verwaltung (mit Leitstelle) 600 Quadratmeter; Feuerwehrtechnische Zentrale (Werkstätten, Schlauchpflege, Atemschutz) 2.000 Quadratmeter; Katastrophenschutz (Stab der Kreisverwaltung, Verbindungsstelle Zivilschutz) 700 Quadratmeter; Ausbildung Ehrenamt 750 Quadratmeter; IT-Verbund (aktuell am Calberlaher Damm) 200 Quadratmeter; Fahrzeughalle 2.500 Quadratmeter. Insgesamt also mehr als 8.100 Quadratmeter.

Sollte die Gifhorner Leitstelle - wie derzeit vom Landkreis geprüft wird - an die Regionalleitstellen in Braunschweig oder Wolfsburg angebunden werden, würde der „geringe frei werdende Raumanteil sicher gut für künftige Aufgaben im Katastrophenschutz genutzt werden“, so Erster Kreisrat Dominik Meyer zu Schlochtern.

Matthias Klose von der Kreisfeuerwehr Gifhorn ergänzt: „Das sind keine Luftschlösser, sondern Notwendigkeiten.“

Gleich drei Varianten hat das Architekturbüro erstellt. Der Auftrag: Eine Raumplanung für den Bedarf im neuen Bevölkerungsschutzzentrum zu erstellen.

Variante 1, Um- und Ausbau der bestehenden Gebäude auf dem Gelände der FTZ ohne das Gelände des ehemaligen Straßenverkehrsamtes: Kommt nicht in Frage, da rund 30 Parkplätze sowie mehrere Hundert Quadratmeter Nutzfläche in den Gebäuden fehlen würden. Auch der benötigte Übungshof würde keinen Platz finden. Zudem müssten die vorhandenen Gebäude aufwändig saniert werden.Variante 2, Erweiterung der verfügbaren Flächen durch Nutzung des ehemaligen Straßenverkehrsamtes: Auch dabei würden nicht ausreichend Parkplätze entstehen sowie Nutzfläche in den Gebäuden fehlen, wenn die bestehenden Gebäude weiterhin integriert würden.Variante 3, kompletter Neubau auf beiden Grundstücken: Der Neubau soll im laufenden Betrieb in vier Etappen erfolgen: Abriss des ehemaligen Straßenverkehrsamtes; Bau und Umzug des Ausbildungsbereiches; Bau und Umzug von Verwaltung, Katastrophenschutz und Werkstatt; Bau und Bezug der neuen Fahrzeughalle. Der durch die Nutzer der Anlage angemeldete Raumbedarf wäre damit vorhanden. Auch gebe es ausreichend Parkplätze.

Mehr als 49 Millionen Euro soll das Bevölkerungsschutzzentrum den Plänen zufolge kosten. Enthalten sind darin rund zwei Millionen Euro nur für den Abriss der Bestandsgebäude. Allerdings: Die Kosten wurden auf Basis üblicher Quadratmeterpreise ermittelt. Je nach vom Landkreis gewünschter Ausstattung der einzelnen Bereiche sowie Steigerungen bei den allgemeinen Baukosten oder auch Überraschungen während der Bauumsetzung können die Kosten auch niedriger oder höher ausfallen.

Die Möglichkeiten am Standort Heidland sind mit dem geplanten Neubau fast erschöpft. Laut Architekt Jochen Goede wären Erweiterungen nur bedingt möglich - die könnten aber in den kommenden Jahren notwendig werden, wenn weitere Aufgaben auf den Katastrophenschutz zukommen sollten.

Laut Kreisverwaltung gibt es keine geeigneten, zeitnah verfügbaren Alternativstandorte, die auch Erweiterungen ermöglichen könnten und über die erforderliche verkehrstechnische Anbindung verfügen. Das sieht die CDU-Kreistagsfraktion anders. In der Stadt Gifhorn sei eine Fläche vorhanden, die in Frage käme für einen Neubau - mit ausreichend Platz für spätere Erweiterungen. Der Kreis solle auf die Stadt Gifhorn zugehen, um über diese Fläche zu sprechen und diese in der Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einzubeziehen. Ein entsprechender Antrag fand allerdings keine Mehrheit.

Bis Gifhorns neues Bevölkerungsschutzzentrum steht, dürfte es noch ein paar Jahre dauern. Ein Baustart wird für 2030 anvisiert. Bis dahin müssen politische Beschlüsse gefasst, Genehmigungsverfahren abgewartet, Vergabeverfahren abgewickelt werden. Vier bis viereinhalb Jahre Planung und Bau werden für den Neubau angesetzt.

Die jetzt vorgestellten Pläne sind eine Machbarkeitsstudie. Spricht sich der Kreistag für das Konzept aus, geht es in die detaillierte Planung. Dabei kann sich noch einiges verändern - beispielsweise, weil sich die aktuellen Bedürfnisse im Katastrophenschutz in den kommenden Jahren ändern. Oder weil das Geld fehlt.

Aus dem Architekturbüro Struhk wurde angeregt, das künftige Bevölkerungsschutzzentrum mit regenerativer Energie zu versorgen. Der Standort Heidland sei grundsätzlich geeignet, die für die Sicherheit relevante Einrichtung mit einem „Baukasten verschiedener Technologien“ energetisch autark aufzustellen. Eine entsprechende Energieversorgung wäre bei den künftigen Planungen zu berücksichtigen. Außerdem soll wegen der großen versiegelten Flächen ein eigenes Regenwasserkonzept erstellt werden.

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