Früher fuhren Bärbel und Friedhelm Kessler vom Camping Club Gifhorn grundsätzlich vor der Tour auf die Waage. Inzwischen haben sie ihr Wohnmobil auf vier Tonnen auslegen lassen. „Damit hat man Ruhe“, wissen die beiden. Denn so viel Gepäck nehmen die beiden Gifhorner nicht mit, dass sie dieses Gewicht überschreiten würden.
Bei einem Treffen mit Gleichgesinnten neulich haben sie gesehen, wie wichtig es wäre, wenn alle vorher mal das Gewicht überprüfen würden. „Die Wagen vollgeladen bis unters Dach. Das kann schnell böse enden“, sagt Bärbel Kessler.
Rigorose Konsequenzen im benachbarten Ausland
In Österreich, Frankreich und der Schweiz werde pingelig kontrolliert, weiß Tjard Müggenburg, selbst jahrelang Camper und Betriebsleiter bei der Spedition Karl-Klaus Asche, die eine von zwei vom Mess- und Eichwesen Niedersachsen (MEN) ausgewiesenen öffentlichen Waagen im Kreis Gifhorn hat. „Die Fahrzeuge bleiben dann auch mal stehen“, weiß er.
Und in Deutschland sind bei 20 Prozent Übergewicht und mehr schon dreistellige Bußgelder (ab 125 Euro) und ein Punkt in Flensburg fällig. Dem können Camper an der Rockwellstraße in Gifhorn vorbeugen. Zwischen 8 und 17 Uhr werktags können sie gegen ein kleines Entgelt bei Müggenburg und seinen Leuten auf die Waage fahren. Eine weitere öffentliche Waage ist laut MEN bei Raiffeisen in Brome.
Kein Wiegen mehr im Abfallwirtschaftszentrum
Früher nutzten einige Camper auch Waagen in den Abfallwirtschaftszentren des Landkreises. Diese Zeiten sind vorbei, so Landkreis-Sprecherin Friederike Herlemann. „In der Vergangenheit wurden in Einzelfällen Wiegevorgänge von Wohnwagen oder Wohnmobilen aus Kulanzgründen vorgenommen.“ Das sei nie Teil der Dienstleistung gewesen. „Der Landkreis wird auch in Zukunft keine solche Wiegevorgänge anbieten, da die möglichen rechtlichen Folgen nicht absehbar sind - zum Beispiel Haftung bei Wiegefehlern. Zudem würde sich die Wartezeit für die Anlieferer von Abfällen unnötig verlängern.“
Batteriebetriebene Waagen aus dem Internet
Weil sie Fahrtrainings für Wohnwagen und -mobile anbietet, hat sich die Kreisverkehrswacht Gifhorn auch batteriebetriebene Waagen angeschafft, so Vorsitzender Lutz Dietrich. Solche Waagen gebe es im Internet. Sie müssten nicht unbedingt geeicht sein. Es reiche schon, einen Anhaltspunkt zu haben, wie weit der Wagen beladen ist.
Dietrich warnt nicht nur vor Bußgeld und Fahrverbot, sondern vor allem vor Gefahren beim Fahren. Ein überladenes Gefährt kommt schneller an seine Grenzen, gerät bei Brems- oder Ausweichmanövern oder in der Kurve schneller ins Schlingern. Und der Bremsweg wird länger. Das sollte nicht unterschätzt werden.
„Das ist für uns ein Thema“, sagt Gifhorns Polizeisprecher Christoph Nowak. „Wir appellieren, sich vor der Abreise zu vergewissern, dass das Fahrzeug nicht überladen ist.“ Bundesweit ist die Polizei mit mobilen Kontrollwaagen im Einsatz.