Eichner war gerade in einer AG mit seinen Schülerinnen und Schülern beschäftigt, als das Handy klingelte. „Und dann war Günther Jauch dran.“ Der fragte unter anderem nach seinen Unterrichtsfächern - Deutsch, Geschichte, Politik - und kommentierte dann: „Erdkunde wäre noch gut gewesen.“
Eichner muss schmunzeln bei der Erinnerung an das Gespräch. „Er ist ein ganz Ruhiger, stichelt aber auch gern ein bisschen. Er versucht auf ruhige Art, einen zu verunsichern. Das ist nett und lustig.“ Währenddessen hätten die AG-Schüler Mäuschen gespielt: „Die waren schon interessiert und beeindruckt.“
Aus heiterem Himmel traf Eichner der Anruf natürlich nicht. Der gebürtige Gifhorner Eike Sievers, der jetzt in Köln lebt, hatte ihn schon zeitig als Telefonjoker angefragt. „Ich kenn‘ ihn von klein auf“, sagt Dr. Detlef Eichner. Es sei der Sohn von Schützenbruder Jörg Sievers aus dem 9. USK-Zug. Keine Frage für Eichner, ihm bei „Wer wird Millionär“ zur Seite zu stehen.
Es sollte schon zu einer Aufzeichnung während der Sommerferien soweit sein. Eichner berichtet von umfangreichen Vorbereitungen. „Die machen vorher Telefonproben.“ Dabei stellte RTL fest, bei Eichner nicht durchzukommen. Kein Wunder, hatte der doch anonyme Anrufe blockiert. „Ich hab‘ das dann freigeschaltet.“
Doch es kam da dann doch noch nicht zum Einsatz. Sievers‘ Auftritt verschob sich. Vor zwei, drei Wochen sei die Benachrichtigung gekommen, dass es losgehe, so Eichner. Schnell war klar, dass der Anruf während der AG kommen könnte.
Und dann musste es schnell gehen, 30 Sekunden Zeit hatten Sievers und Eichner. Der Kandidat musste Frage und Antworten sogar noch einmal wiederholen. „Da ist mir bewusst geworden, dass ich ein Text-Mensch bin“, sagt Eichner zu der Schwierigkeit, vorgelesene Frage und Antworten zu erfassen - und dann noch unter Zeitdruck. „Hat meine Frau doch Recht, dass ich nicht mehr richtig zuhöre?“
Doch dann konnte Eichner fünf Sekunden vor ultimo „New Mexico“ als jüngsten von vier New-Staaten der USA empfehlen. „Ich nehme New Mexico”: Sievers vertraute Eichners Urteil - und hatte die 16.000 Euro sicher. Bei der 32.000-Euro-Frage zu Kinofilmen stieg er aus und sackte seinen Gewinn ein.
Was macht er damit? „Wahrscheinlich eine schöne Reise“, sagte Eike Sievers. Jauch schlug New Mexico als Ziel vor. Ob er den „Alleswisser“ mitnehmen würde, ließ Sievers offen. Eichner, der bereits vor einigen Jahren mal für eine Kandidatin zur Verfügung stand, die jedoch nie drankam, legt sich dagegen fest: Er wäre weiterhin als Telefonjoker für „Wer-wird-Millionär”-Kandidaten im Einsatz, würde er danach gefragt.
Nach der Ausstrahlung am Montagabend bei RTL klingelte bei Eichner das Festnetztelefon, ein selten gewordener Moment, denn „niemand ruft mehr auf dem Festnetz an“. Es sei Altbürgermeister Manfred Birth gewesen, mit dem er sich dann über die US-Bundesstaaten ausgetauscht habe.