Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte zu Monatsbeginn von einem durchwachsenen Weihnachtsgeschäft gesprochen. Nach einer Umfrage stellte die Interessenvertretung fest, dass es „auch in der Woche vor dem zweiten Advent noch an Schwung“ beim Umsatz fehle. Jetzt steht das dritte Adventswochenende vor der Tür. Sind jetzt mehr Kunden in der Innenstadt unterwegs?
Die Porschestraße ist am Donnerstagnachmittag bei nasskaltem Wetter nicht von Menschen überlaufen. Auch in den Geschäften ist zum Teil nicht viel los. Matthias Lange, Geschäftsführer des WKS Kaufhauses, spricht von einem „Weihnachtsgeschäft mit angezogener Handbremse“. Eigentlich, so Lange, sei das Weihnachtsgeschäft in Wolfsburg immer gut, aber unter den gegebenen Voraussetzungen, mit den Unstimmigkeiten bei VW, nicht mehr. „Wenn die Leute Sorgen mit sich herumtragen, kaufen sie auch nicht mehr so frei ein wie früher“, meint Lange. Der Fokus beim Einkauf liege aktuell wahrscheinlich eher darauf, Kinderwünsche zum Fest zu erfüllen. „Der Gedanke des Weihnachtsfestes ist zwar bei den Kunden da, aber eben mit dem Bedenken, was in dieser Stadt in den nächsten Monaten passieren könnte“, so Lange.
Ein weiteres Problem könnten die aktuellen Leerstände in der Fußgängerzone sein. Durch den bevorstehenden Bau der Brawo Arkaden wurden bereits die Geschäfte an der Porschestraße 60-66 leergezogen. „Der Kunde empfindet den Umbau der Porschestraße nicht als attraktiv und fühlt sich vielleicht in seiner Fußgängerzone, die er schon jahrelang kennt, nicht mehr richtig wohl“, vermutet Matthias Lange. Außerdem habe Wolfsburg seit längerem ein Sicherheitsproblem in der Innenstadt. Ältere Leute hätten zum Teil Angst, im Dunkeln unterwegs zu sein. Das hätten Verkäuferinnen bei WKS in Kunden-Gesprächen mitbekommen, so Lange.
Und was wird bei WKS zu Weihnachten gerne von den Kunden gekauft? „Im Dezember haben wir eine höhere Nachfrage an Geschenkgutscheinen. Außerdem werden sehr gerne Textilien für den Haushalt verschenkt, wie zum Beispiel Geschirr- oder Handtücher, Bettlaken oder Bettwäsche.“ Aber auch Oberbekleidung landet in den Tüten. „Ich habe einen Pullover, eine Bluse, Socken und Ohrringe eingekauft“, erzählt Kundin Nicole Deeg. Sie kaufe gerne und bewusst im stationären Handel ein. „Man muss seine Heimatstadt auch unterstützen“, sagt sie.
Auch bei C&A ist die Zahl der Kunden an diesem Nachmittag überschaubar. Von den drei Kassen mit wenig Kundschaft dahinter blicken die Verkäuferinnen in Richtung Eingangstüren. „Ein normales Weihnachtsgeschäft sieht anders aus. Ich mache das hier seit 40 Jahren, und früher hatten wir drei Schlangen vor den Kassen bis fast auf die Porschestraße“, erzählt Verkäuferin Claudia Göhlig. In Gesprächen mit Kunden sei oft zu hören, dass dieses Jahr nicht so viel Geld zum Fest ausgegeben werde. An den Adventssamstagen sei ein wenig mehr los. „Dann kommen die Kunden vom Weihnachtsmarkt in das Geschäft und kaufen etwas Warmes zum Anziehen“, sagt sie. Und welche Geschenke gehen in diesem Jahr über den Tresen? „Pullover sind der Renner, vor allem mit Weihnachtsmotiven“, so Göhlig.
Auch in der City-Galerie ist der Andrang gering. „Der erhoffte Schwung lässt noch etwas auf sich warten. Wir schauen aber optimistisch auf das nächste Adventswochenende“, teilt Center-Manager Andreas Schwarzkopf mit. Bei der Buchhandlung Thalia werden indes Bücher in Geschenkpapier verpackt. Kundin Iris Beinsen verschenkt gerne Bücher zu Weihnachten, für ihre Schwester hat sie einen Roman von Dora Heldt und für ihr Patenkind „Zwei wie Glitzer und Einhornstaub“ ausgesucht. „Jetzt suche ich noch etwas für meine Tochter.“
Und was sagt Thalia? „Das Weihnachtsgeschäft ist durchwachsen“, sagt Ann-Kathrin Kellner, Assistenz der Filialleitung. Was kaufen die Kunden ein? „Im Trend sind gerade die Wolfsburger Kneipengeschichten, aber auch Romane und Thriller wie ‚Das Kalendermädchen‘ von Sebastian Fitzek“, so Kellner. Vor allem Bücher mit einem Bezug zu Wolfsburg verkauften sich zurzeit gut.
Bei „Uhren Keiser“ werden Ringe, Schmuck und natürlich Uhren verkauft. Senior-Chefin Brunhilde Keiser ist unzufrieden. „Die Stadt ist leer und das Weihnachtsgeschäft läuft schlecht“, sagt sie unumwunden. Neben stark gestiegenen Preisen für Gold macht sie aber auch andere Faktoren aus. Sie kritisiert die leerstehenden Geschäfte in der Porschestraße. „Das schreckt Kunden doch von einem Besuch der Innenstadt ab.“ Sie hat aber auch die Schillerstraße im Blick, auf der es einen sehr breiten Radweg gibt. „Das ist einfach schrecklich!“ Autofahrer würden so aus der Innenstadt ferngehalten.