Es gibt einen ersten Termin: Die konstituierende Sitzung der Drogenkommission ist für den 8. Mai terminiert. Die Kommission verstehe sich in „erster Linie als Gremium für einen Informationsaustausch der beteiligten Stellen“, heißt es dazu von Polizeihauptkommissarin Melanie aus dem Bruch.
Ein ähnliches Konzept hatte es 1998 bereits am Rathausplatz gegeben - mit einem Teilerfolg. Mithilfe der Drogenkommission konnte die Szene am Rathausplatz entfernt werden. Das Drogenproblem in der Stadt wurde dadurch allerdings nicht gelöst. Dass sich die Drogenszene nun an einen anderen Ort verlagert, will die Drogenkommission vermeiden. „Wir beobachten mögliche Veränderungen wie eine Verlagerung der Szene engmaschig, um erforderliche Maßnahmen entsprechend auszurichten, damit neue Schwerpunkte vermieden werden können“, sagt aus dem Bruch.
Geändert habe sich für die Polizei jedoch seit der Einrichtung der Drogenkommission vorerst nichts. Mit uniformierten als auch zivilen Polizeibeamten in Form von Streifenfahrten oder Verweilen vor Ort zeige die Polizei Präsenz am Nordkopf. Die aktuelle Lage: eher ruhig.
Verstärkte Polizeikontrollen und Platzverweise halfen auch 1998 gegen die Drogenszene am Rathausplatz. Seit 2023 hat die Polizei den Umschlagplatz für Drogen am Nordkopf im Blick. Das Ziel ist der Kommission ist jetzt aber durchaus kein Selbstläufer: „Die Verortung der Drogenszene ist aufgrund verschiedenster Einflüsse flüchtig und die Steuerungsmöglichkeiten eingeschränkt“, sagt dazu Florian Reupke von der Stadtverwaltung. Ein Ansatz: „Die Jugend- und Drogenberatung Wolfsburg und die Christliche Drogenarbeit leisten neben ihrem Angebot der niedrigschwelligen Kontaktläden mit Streetwork ein aufsuchendes und zusätzliches Angebot. Damit kann auf Veränderungen reagiert sowie auf eine Sozialverträglichkeit im öffentlichen Raum hingewirkt werden.“
Die 2007 installierten Überwachungskameras im Bereich des Nordkopfes sollen dabei helfen, die Szene zu überwachen und insgesamt für mehr Sicherheit zu sorgen. Seitdem die Kameras dort installiert seien, ist die Zahl der Straftaten am Nordkopf stark gesunken. Vorher waren Raubüberfälle und Schlägereien, in die vor allem junge Leute verwickelt waren, fast schon an der Tagesordnung. Durch die Überwachung am Nordkopf konnte die Polizei außerdem schon einige Täter überführen, zum Beispiel einen Schläger, der einen am Boden liegenden Mann, mit voller Wucht ins Gesicht gesprungen war. Eine Überwachungskamera zeichnete den Übergriff auf, dem Täter konnte der Prozess gemacht werden.
Für den Diplom-Sozialarbeiter Udo Eisenbarth, Leiter der Jugend- und Drogenberatung Wolfsburg (Drobs), geht es bei der Kommission allerdings nicht nur um den Nordkopf. „Ich glaube, wir müssen das Thema größer denken. Wie geht Kommune, wie geht Gesellschaft insgesamt mit dem Thema Sucht um“, sagt er. So betrachtet, gebe es bei der Einrichtung der Kommission noch einige offene Fragen. Aber: Man stehe ja am Anfang, und angesichts der Fülle der Themen sei es gut, dass die Kommission entsprechend umfangreich besetzt sei.
Denn das Thema Sucht sei „dynamisch“, nicht nur an einer Droge oder einem öffentlichen Platz festzumachen. „Vergangenes Jahr hatten wir Lachgas und Zombiedrogen im Fokus. Dann beschäftigt uns das Cannabisgesetz, da müssen wir jetzt auch sehen, wie es da weitergeht.“ Insofern sei es gut, dass sich die Akteure an einen Tisch setzten. „Eine dauerhafte Kommission wäre gut, kein Feuerwehrgremium, das sich bald wieder auflöst. Denn die Probleme sind ja nicht weg, nur weil es an einem Punkt gerade ruhiger wird.“
Und was hält der Drogenberater von der Einrichtung von Konsumplätzen, wie sie derzeit in Lehrte diskutiert werden? Dort sollen wohl zwei Crack-Rauchplätze eingerichtet werden. Ist das auch ein Thema für Wolfsburg? Udo Eisenbarth winkt ab. „Das muss im Verhältnis stehen. Da wird ein Raum benötigt und Personal, das für Beratungen und Notfälle bereitsteht. Für eine Stadt wie Wolfsburg lohnt das nicht.“ Es mache mehr Sinn, das örtliche Streetwork-Angebot auszuweiten.