Hintergrund: Rund 18 Jahre lang war das Programmkino fester Bestandteil des Angebots im städtischen Kulturzentrum Hallenbad. Doch seit dem Diesel-Skandal 2015 fließen deutlicher weniger Steuergelder von Volkswagen in die Wolfsburger Stadtkasse – und genau aus der Kasse wird das Hallenbad finanziert. Weil die Stadt Wolfsburg sparen muss, muss auch das Kulturzentrum Hallenbad sparen.
Es gehe darum, „wirtschaftlicher zu arbeiten“, sagt der neue Hallenbad-Geschäftsführer Thomas Helmke. Die Entscheidung, das Programmkino aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen, traf allerdings noch sein Amtsvorgänger Andreas Plate gemeinsam mit dem Aufsichtsrat. Der sagte damals zur Begründung: „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um das Programmkino als kulturelle Institution in Wolfsburg zu erhalten. Doch angesichts der angespannten finanziellen Situation und der wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen mussten wir feststellen, dass eine Fortführung unter den aktuellen Bedingungen nicht tragbar ist.“
Genau diese „aktuellen Bedingungen“ wollen Kerstin Pietsch und Olaf Levin jetzt ändern: Die beiden Filmfans haben ein Konzept erarbeitet, wie sie das Programmkino im Hallenbad mit ehrenamtlichen Helfern wiederbeleben können: „Wir wollen den Verein ‚Filmclub Wolfsburg‘ gründen", erklärt Kerstin Pietsch. Die gebürtige Wolfsburgerin hat 24 Jahre lang in Hamburg im Kultur- und Bildungsbereich gearbeitet und in diesem Rahmen auch in einem Hamburger Arthouse-Kino gearbeitet und ganze Filmreihen konzipiert. Olaf Levin ist hauptberuflicher Filmemacher aus Wolfsburg („Filmburg“). Beide können auf diesen professionellen Hintergrund aufbauen.
Sie haben eine Gruppe von über 30 Filmfreunden um sich gescharrt und einen Mitarbeiter- und Finanzplan für eine Fortführung des Kinos gestellt. „Dieses Konzept wollen wir im Februar 2026 dem Aufsichtsrat vorstellen“, erklärt Kerstin Pietsch. „Kriegen wir ein ‚Go‘, gründen wir den Verein und legen los."
Ihr Plan: Sie wollen sonntags, montags und dienstags Filme jenseits des Mainstreams zeigen – Nischenfilme, die nicht in den anderen Wolfsburger Kinos laufen. Arthouse-Filme, Dokumentationen, Nischenproduktionen. Organisiert wird das Programm über ehrenamtliche Helfer. Vor einem Mangel an Besuchern haben sie keine Angst: „Dieses Kino fehlt den Menschen in der Stadt“, sagt Hallenbad-Geschäftsführer Thomas Helmke. „Ich bekomme immer noch sehr viel Feedback von Leuten, die mir sagen, dass ihnen das Kino sehr fehlt.“
Filmfan Heiko Pollock hat im Frühjahr sogar eine Petition zum Erhalt des Kinos gestartet, über 2.000 Leute haben mitgemacht. Pollock habe Oberbürgermeister Dennis Weilmann diese Unterschriftenliste überreicht. „Das Interesse an diesem Programmkino ist also vorhanden“, betont Olaf Levin. Genau deswegen sei man ja optimistisch, das Kino wieder dauerhaft wiederbeleben zu können, sagt Kerstin Pietsch.
Hallenbad-Geschäftsführer Thomas Helmke finden so viel Engagement „phantastisch für unser Haus“. Natürlich werde das Hallenbad bei der Technik helfen – nur könne man sich am Betrieb nicht mehr aktiv mit Personal beteiligen. Finanzieren soll sich das Kino über Fördergeld und Eintrittsgelder.
Kerstin Pietsch hat auch schon konkrete Vorstellungen, welche Filme sie gerne zu Beginn zeigen möchte: „Amrum“ von Regisseur Fatih Akin oder „Paternal Leave – Drei Tage am Meer" von Alissa Jung...