Auch, wenn Deutschland gefühlt unter einer Dauer-Wirtschaftskrise leidet, steht deutsche Wertarbeit auf Mallorca nach wie vor hoch im Kurs: „Wir geben hier vom ersten Tag an Vollgas“, berichtet Nathalie Kopp. Startschwierigkeiten habe es keine gegeben.
Die 23-Jährige hat früher im Service des „Autohaus Wolfsburg“ gearbeitet und kümmert sich um den „Papierkram“ und die Organisation der Firma MPS Rokel S.L. – Mallorca Project Support. Ihr Lebenspartner Daniel Rokel (23) ist gelernter Elektroniker für Haus- und Gerätetechnik und hat unter anderem im Wolfsburger Klinikum gearbeitet. Sein Bruder Dustin Rokel (21) ist ausgebildeter Sanitär- und Kältetechniker. Gelernt und gearbeitet hat er bei Schrader in Jembke. Vierter im Bunde Zwergpudel Vino – er ist zuständig für gute Laune und Schmuseeinheiten.
Die Idee, „etwas Eigenes zu machen“, sei den Dreien schon lange im Kopf umher geschwirrt, sagt Nathalie Kopp. „Dass wir das tatsächlich durchgezogen haben, entstand aber eher aus einer Schnapsidee“, sagt sie und lacht. „Wir wollten irgendwo hin, wo die Lebensqualität hoch ist, wo das Wetter gut ist und die Menschen gute Laune haben – also haben wir uns für Mallorca entschieden." Wobei Nathalie Kopp einen großen Startvorteil hatte: Sie spricht spanisch. „Ich bin auf Ibiza aufgewachsen und habe dort sechs Jahre lang gelebt.“ Allerdings müsse sie täglich an ihrem Spanisch arbeiten – schließlich habe sie es viele Jahre lang kaum gesprochen.
Niedergelassen haben sich die drei Wolfsburger in Pueblo Calvià im Südwesten der Insel. In erster Linie kümmere man sich um Immobilien von wohlhabenden Deutschen, Niederländern oder Amerikanern. „Die sind wirklich froh, hier in Deutschland ausgebildete Handwerker rufen zu können. Hier merkt man, wie angesehen die Berufsausbildung und generell Handwerker aus der Heimat sind.“ Deutsche Gründlichkeit und Pünktlichkeit seien gerade bei Immobilienbesitzern sehr gefragt. Und das nicht nur bei den vielen Deutschen, die auf Mallorca leben. Sondern bei allen Nationalitäten.
Klimaanlagen, Elektrik im Haus, sanitäre Anlagen, Photovoltaik oder Smart Home-Lösungen – „wir decken quasi alles rund ums Haus ab“, erklärt Nathalie Kopp. Die meisten Immobilien befinden sich in oder rund um Palma. Die Auftragsbücher seien voll – „und das ohne Werbung! Bisher läuft alles nur über Mund-zu-Mund-Progaganda.“ Man beginne gerade erst mit gezielter und professioneller Werbung.
Das bedeutet auch: Das Unternehmen soll wachsen. Die Drei denken ernsthaft darüber nach, weitere Wolfsburger aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis auf die Insel zu holen. Einer könnte schon sehr bald auf Mallorca loslegen. „Unser Traum ist es, die Firma richtig groß aufzuziehen“, betont Nathalie Kopp. Aber man wolle organisch wachsen, nicht zu schnell und unüberlegt.
Bereut haben sie den Schritt der Selbstständigkeit bis jetzt keine einzige Sekunde: „Ja, wir haben viel Arbeit. Aber das Leben hier ist generell entspannter, nicht so gehetzt wie in der Heimat“, sagt Nathalie Kopp. Das falle ihr immer wieder bei Heimatbesuchen in Wolfsburg auf. Und das, so Kopp, sei auch schon vor der Volkswagen-Krise so gewesen.
Trotz aller Vorteile auf Mallorca: Noch denken die Drei nicht ans Auswandern. „Dafür sind wir zu deutsch“, sagt die 23-Jährige und lacht. Und genau deswegen sei man auf der Insel ja auch so beliebt.