„Einfach geil“: Darum fährt Jörn Schwieger Golf I GTI
Autostadt-Mitarbeiter hat einen seltenen Sport-VW mit vier Türen – Seine Kinder lieben GTI fahren

Originalzustand mit Patina: Jörn Schwieger liebt seinen silbernen Golf I GTI mit vier Türen und fährt mit ihm gerne nach Wolfsburg zur Arbeit.
Wolfsburg. Der VW Golf GTI wird 50 Jahre alt: Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, polieren die meisten GTI-Besitzer ihren kompakten Alltagssportler auf Hochglanz, auf dass er mit der Sonne um die Wette strahlen möge! Jörn Schwieger (42), Mitarbeiter in der Presseabteilung der Wolfsburger Autostadt, schaut sich solche Glanz-Golf gerne mal an. Aber verliebt ist er nur in seinen 1983er Golf I GTI im Originalzustand mit reichlich Patina. Und diese Liebe hat er längst an seine Kinder (5 und 8) weitergegeben...

Hineingeboren wurde Jörn Schwieger in eine VW-Fan-Familie: „Meine Mama fuhr Scirocco, mein Papa Passat“, erzählt der 42-Jährige. „Und mein Patenonkel fuhr Golf I.“ Glaubt man seinen Eltern, war das erste Wort, das der kleine Jörn fehlerfrei aussprechen konnte, „Auto“. Schon als Kind las er VW-Fanmagazine und ließ sich als Jugendlicher von seinen Eltern zum Golf I-Treffen nach Wolfsburg fahren. „1999 war ich zum ersten Mal dort – da war ich 15″, erinnert er sich.

„Mehr Auto braucht kein Mensch“

Damals sei er auch zum ersten Mal in einem Golf I mitgefahren – „ich war sofort begeistert“, sagt der 42-Jährige. „Dieses Auto war wendig, drahtig und leichtfüßig.“ Im Laufe der Jahre kaufte er sich einige Golf I-Modelle, darunter auch einen Diesel und ein Cabrio. „Nicht zum Sammeln, sondern zum Fahren“, betont er. „Mehr Auto braucht kein Mensch...“

Nun ja, was ihm noch fehlte, war ein Golf I GTI. Die sportliche Krönung der Baureihe. Am liebsten als seltener, aber praktischer Viertürer. Der kam ihm 2010 sprichwörtlich zugeflogen: „Ich habe damals bei Volkswagen Classic Parts gearbeitet. Eines Tages rief eine ältere Dame an und erzählte mir, dass sie ihren 1983er GTI verkaufen möchte – für mich war das ein Wink des Schicksals."

Glück gehört dazu

Er habe sich das Auto vor Ort angesehen und für einen fairen Preis gekauft: „Er hatte 250.000 Kilometer runter und lief nicht sauber, den Zustand würde ich als Schulnote vier beschreiben“, berichtet Schwieger. Aber er hatte sich im Laufe der Jahre das Schrauben beigebracht und brachte auch diesen silbernen, viertürigen Golf I GTI wieder auf Vordermann. Und weil man manchmal einfach Glück haben muss, ergatterte er bei Volkswagen Classic Parts die letzte verfügbare originale Sitzwange aus dem VW-Ersatzteilprogramm. Die Felgen hingegen musste er neu lackieren und einige Durchrostungen beseitigen.

Offiziell auf die Straße brachte er sein repariertes Schmuckstück 2015: „Noch heute liebe ich es, mit ihm aus Uetze nach Wolfsburg zur Arbeit zu fahren“, sagt er. „Ich weiß, dass das komisch klingt, aber die Fahrt in meinem Golf GTI mit Schiebedach entschleunigt mich.“ Knapp 800 Kilo, 112 PS, 183 km/h Topspeed: „Das reicht locker, um im heutigen Verkehr mitzuschwimmen. Dazu dieses Fahrwerk und dieser Klang – dieses Auto ist einfach geil!"

Volle Konzentration aufs Fahren

Man habe keine „tausend Assistenzsysteme“ und müsse sich noch ganz aufs Fahren konzentrieren: „Genau das ist meine Entschleunigung von der Hektik des Alltags“, sagt Jörn Schwieger. Hinzu komme diese typische Optik der 1970er Jahre: „Da stehe ich total drauf.“ Und sparsam sei der GTI auch noch: „Er hat viel Drehmoment, man muss die Gänge nicht ausdrehen – im Gegensatz zum GTI der ersten Baujahre."

Mit der Schwärmerei hat er seine Kinder längst angesteckt. Schwieger muss lachen: „Papa, wann können wir mal wieder GTI fahren? Diesen Satz höre ich sehr oft.“ Die zweite Frage laute dann: Wer darf vorne sitzen? „Natürlich könnte ich den GTI im Alltag nutzen. Aber dafür ist er mir doch zu schade“, sagt der Familienvater.

Als Alltagsauto fährt er einen 1995er Passat. Der ist auch sehr praktisch. Aber eben kein GTI mit diesem gewissen Entschleunigungseffekt...







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