Nach OB-Wahl:
Karsten Schneider wird ein Wolfsburger
Trotz Niederlage: Sozialdemokrat sucht Wohnung in der VW-Stadt – Seine Frau arbeitet in Berlin

Karsten Schneider: Ins Wolfsburger Rathaus kann er nicht als Oberbürgermeister einziehen – aber nach Wolfsburg zieht er trotzdem.Foto: Britta Schulze
Wolfsburg/Herten. Als Oberbürgermeister-Kandidat der Wolfsburger SPD hat Karsten Schneider (55) sein Ziel nicht erreicht: Er wollte in die Stichwahl kommen, landete am Ende aber bei 15,5 Prozent der Wählerstimmen. Amtsinhaber Dennis Weilmann (CDU) holte auf Anhieb über 50 Prozent der Stimmen. Trotzdem hat sich der Sozialdemokrat aus dem Ruhrgebiet in die VW-Stadt verliebt und sagt unserer Redaktion: „Ich kann mir gut vorstellen, in Wolfsburg zu bleiben!“

Diese Aussage dürfte für viele Wolfsburger auf den ersten Blick überraschend kommen: Der studierte Verwaltungswissenschaftler Schneider war in Herten drei Jahre lang Dezernent für Bildung und Soziales und arbeitet seit drei Jahren als freiberuflicher Organisationsberater. Er ist zudem Lehrbeauftragter für Personal- und Organisationsmanagement und ist unter anderem für die Agentur für Arbeit in Schwerin sowie für Hochschulen in Kassel und Schmalkalden tätig. 2025 wollte er Landrat im Kreis Recklinghausen werden, verlor die Wahl aber knapp. Ein Wolfsburg-Bezug scheint auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Karsten Schneider lächelt: „Die Familie meines Vaters kommt aus Braunschweig.“ Auch als Verwaltungswissenschaftler habe er Wolfsburg schon vor Jahren kennengelernt. Im vergangenen halben Jahr habe er in Wolfsburg gewohnt „und im Wahlkampf 7.500 Haustürbesuche absolviert“.

Er habe Wolfsburg und viele Wolfsburger dadurch kennen und schätzen gelernt: „Wolfsburg ist eine interessante Stadt“, sagt Karsten Schneider. In seiner Struktur durchaus mit Ruhrgebietsstädten vergleichbar – aber mit eigenem Charakter.

Natürlich habe er von vielen Wolfsburgern im Wahlkampf den Satz gehört: „Sie sind ja leider nicht von hier...“ Und natürlich wisse er, so Schneider, dass Menschen generell in einer Krisensituation dazu neigen, an Bestehendem, aus ihrer Sicht Bewährtem festzuhalten.

Aber er habe ihnen zugehört und am Ende auch viel Zuspruch erhalten: „Natürlich hätte ich gerne zwei oder drei Prozentpunkte mehr geholt – aber auch mit diesem Ergebnis bin ich zufrieden. Zumal sehr viele sehr starke Kandidaten angetreten sind. Und machen wir uns nichts vor: Dennis Weilmann hat von seinem Amtsbonus profitiert und war im Wahlkampf in den Medien sehr präsent.“ Hätte er zwölf statt sechs Monate Zeit für den Wahlkampf gehabt, so Schneider, „dann wäre ein ganz anderes Ergebnis möglich gewesen.“

Trotzdem sei ein Blick von außen bisweilen auch ein Vorteil, sagt Karsten Schneider. Er habe völlig unvorbelastet mit Bürgerinnen und Bürgern sprechen können und habe so erfahren, was ihnen wirklich unter den Nägeln brenne – etwa der Zustand der Porschestraße: „Bürger und Geschäftsleute haben mir erzählt, dass sie sich eine teilweise Freigabe für Autos wünschen – also habe ich das zum Thema gemacht. Politik muss auch mutig sein und neue Themen setzen.“ Und eben nicht nur auf vermeintlich bewährten Pfaden gehen. Gerade in Krisen brauche es immer auch neue Lösungen.

Und nun? „Ich habe in den vergangenen sechs Monaten viele neue Freunde gefunden und mich in Wolfsburg sehr wohl gefühlt“, sagt Schneider. Er sei beispielsweise Mitglied im Wolfsburger Ruderclub geworden und sei dort sehr gerne aktiv. „Deshalb kann ich mir vorstellen in Wolfsburg zu bleiben. Ich habe mich schon nach einer geeigneten Wohnung umgesehen.“

Ein Umzug nach Wolfsburg hätte für ihn einen weiteren Vorteil: „Meine Frau arbeitet in Berlin – und Wolfsburg liegt dichter an Berlin, auch wenn die ICEs aktuell nicht fahren.“ Für ihn würde es trotzdem einfacher, sich mit seiner Frau zu treffen.

Und die Kommunalpolitik? Wird er sich noch einmal zur Wahl stellen? „Das ist aktuell kein
Thema...“
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