Das zeige sich nicht nur in den Kursen des Schwimmvereins, sondern auch während des öffentlichen Badebetriebs im Freibad, in dem der Verein in den Sommermonaten trainiert.
Besonders auffällig sei die hohe Nachfrage nach Seepferdchen-Kursen, die regelmäßig und sehr schnell ausgebucht sind. Zudem zeige sich bei den Anmeldungen ein klarer Trend: Das Einstiegsalter der Kinder steige zunehmend an. „In den Kursen erleben wir leider häufig, dass viele Kinder kaum wassergewöhnt sind und bereits im flachen Wasser - wo den Kindern das Wasser bis zum Bauch reicht- erhebliche Schwierigkeiten haben“, sagt die 25-Jährige.
Um dem vorzubeugen, weist der Verein ausdrücklich darauf hin, dass vor Kursbeginn eine Wassergewöhnung erfolgen sollte. „Leider wird diese Empfehlung von vielen Eltern nicht ausreichend umgesetzt. Einige Kinder kennen beispielsweise das Gefühl von Wasser im Gesicht kaum oder gar nicht“, so Weindok. Das erschwere den Lernprozess und wirke sich negativ auf die Erfolgsquote der Schwimmkurse aus.
Ein weiteres Problem: Schwimmkurse - besonders private - sind oft sehr teuer. „Es interessieren sich vor allem die Familien für das Schwimmenlernen, die es sich finanziell leisten können. Aus anderen sozialen Gruppen erhalten wir kaum oder gar keine Anfragen“, hat Weindok beobachtet.
Auch beim Schulschwimmen erlebt Weindok, die Schwimmen an einer Schule im Kreis Peine unterrichtet, Ähnliches: „In den fünften Klassen gibt es einen hohen Anteil an Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmern.“ Zwar gebe es von Seiten der Schule spezielle Angebote für Nichtschwimmer in Form einer Arbeitsgemeinschaft, doch werde diese nur selten angewählt. „Ich frage mich häufig, warum dieses kostenlose Förderangebot so wenig genutzt wird“, sagt sie.
Im Zuge ihres Masterstudiums an der Universität Hannover hat die 25-Jährige eine Statistik über den Nichtschwimmer-Anteil in den fünften Klassen einer Schule im Landkreis Peine erstellt. Demnach konnten im Schuljahr 2022/23 von 154 Fünftklässlern 28 gar nicht, weitere 51 nur sehr unsicher schwimmen, womit auch sie zu den Nichtschwimmern zählen. Damit konnte mehr als die Hälfte des Jahrgangs der Schule nicht schwimmen (51,3 Prozent). Nach einem Halbjahr Schwimm- und zusätzlichem Schwimmförderunterricht ließ sich der Anteil der Kinder ohne Freischwimmer auf 11,7 Prozent reduzieren.
Auch Ulrike Hofmann unterrichtet Schwimmen an mehreren Peiner Schulen. Dort erlebt sie immer wieder, dass Kinder auch in höheren Klassen noch kein Schwimmabzeichen haben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Umzüge, durch die Kinder den Schwimmunterricht in der Schule verpassten, zu wenig Engagement der Eltern, Angst vor dem Wasser, zu wenig Schwimmkurse und Lehrpersonal.
„Die Hauptvoraussetzung, damit Kinder schwimmen lernen, ist, dass die Eltern mitmachen“, sagt sie. „Manche Eltern geben auch dem Willen des Kindes nach, wenn es nicht schwimmen will.“ Dabei lernten auch sehr ängstliche Kinder schwimmen. „Es dauert nur länger“, so Hofmann, die beim Peiner Ortsverein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aktiv ist. „Nach einem Jahr ist die Angst vor dem Wasser überwunden.“
Hat ein Kind das Seepferdchen-Abzeichen erworben, ist es damit aber noch nicht getan. Denn um sicher schwimmen zu können, benötigt es mindestens noch das Schwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer). Das besagt die Verordnung des Deutschen Schwimmverbandes. Demnach muss ein Schwimmer, um sicher schwimmen zu können, 15 Minuten ohne Halt und ohne Hilfen im tiefen Wasser schwimmen können und dabei mindestens 200 Meter zurücklegen - sechs Bahnen in einer und zwei Bahnen in einer anderen Schwimmart. Weitere Voraussetzungen sind das Schwimmen in Bauch- und Rückenlage, das Beherrschen eines Paket- sowie Kopfsprungs und das Orientieren unter Wasser. „Der Freischwimmer ist in vielen weiterführenden Schulen auch Pflicht, um am Schulschwimmen teilnehmen zu können“, sagt Hofmann.
Auch Erwachsene fragen bei der DLRG an, weil sie das Schwimmen erlernen möchte. „Teilweise sind das auch Eltern, deren Kinder bei uns im Anfängerschwimmkurs sind“, so die Schwimmlehrerin. Daher werden inzwischen auch Schwimmkurse für Erwachsene angeboten.
Und noch etwas ist Jana Weindok vom Peiner Schwimmverein aufgefallen: Deutlich mehr, vor allem ältere Kinder, möchten in den Verein eintreten. „Es erreichen uns zunehmend Anfragen von Kindern im Alter von etwa elf Jahren, die lediglich über das Seepferdchen-Abzeichen verfügen“, schildert die Schwimmlehrerin. „Diese Kinder können wir leider nicht aufnehmen, da sie sich in Trainingsgruppen von Fünf- bis Achtjährigen weder wohlfühlen würden, noch das Training inhaltlich auf ihre Altersgruppe ausgerichtet ist.“ Auch diese Kinder würde der Verein gerne fördern, jedoch fehlten dafür, wie auch für weitere Schwimmkurse, die Wasserzeiten und das notwendige Personal.
Weitere Infos gibt es unter https://peiner-schwimmverein.de und https://peine.dlrg.de/ im Internet.