Eines der größten deutschen Rechenzentren soll entstehen
Milliardenprojekt im Gewerbegebiet „Ackerköpfe“ geplant

Stellen das Milliardenprojekt vor: Bürgermeister Uwe Semper mit Dr. Florian Zickfeld und Christopher Schramm von Telis Energie Deutschland.Foto: Dennis Nobbe
Mehrum. Der Bedarf an Rechenzentren steigt, allein aufgrund der Nutzung von Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz (KI). Nun bahnt sich in der Gemeinde Hohenhameln ein echtes Mega-Projekt an: Das Unternehmen Telis Energie Deutschland will nördlich des Mehrumer Gewerbegebiets „Ackerköpfe“ im Landkreis Peine eines der größten Rechenzentren Deutschlands bauen.

„Wir halten den Standort für geeignet“, sagt Dr. Florian Zickfeld, Geschäftsführer von Telis Energie Deutschland. Bislang befinden sich auf dem 380.000 Quadratmeter großen Areal bei Mehrum Ackerflächen, die an Telis verkauft werden sollen. Entstehen soll dort ein Rechenzentrum mit sechs Blöcken beziehungsweise Gebäuden, jedes davon rund 25 Meter hoch. „Noch vor fünf Jahren wäre das für Rechenzentren überdimensioniert gewesen“, erklärt Zickfeld. Doch die Zeiten und der Bedarf hätten sich mittlerweile geändert.

Wer die Rechenleistung einmal nutzen wird, stehe noch nicht fest, sagt Christopher Schramm, Leiter der Projektentwicklung. Ganz große Kunden wie Google oder Amazon würden komplette Rechenzentren kaufen, was in Mehrum aber nicht vorgesehen sei. Stattdessen soll das Rechenzentrum an mehrere Kunden vermietet werden, die sich dann die Kapazitäten entsprechend untereinander aufteilen können. „Wir stellen sozusagen eine elektronische Hülle zur Verfügung“, beschreibt Schramm.

Wie viel genau die Umsetzung des Projekts kosten wird, könne man ebenfalls noch nicht beziffern. Klar sei aber, dass man

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sich im Milliardenbereich bewegen wird, erläutert Zickfeld. Auch die benötigte Leistung ist beachtlich: Der Bedarf des Rechenzentrums liegt bei rund 500 Megawatt - ungefähr so viel, wie ein modernes Gaskraftwerk erzeugt. Das bedeutet einen Jahresverbrauch von circa vier Terawattstunden, also vier Milliarden Kilowattstunden. Mit dieser Strommenge könnte etwas mehr als eine Million Haushalte versorgen.

In Mehrum gibt es nicht nur eine große freie Fläche, sondern auch die Nähe zu bestehender Energie-Infrastruktur. Da an dem Standort einst das Kraftwerk betrieben wurde, laufen dort Höchstspannungsleitungen zusammen, zwei Umspannwerke befinden sich ebenfalls vor Ort. So sei man bei einer bundesweiten Prüfung auf Mehrum gekommen, erläutert Schramm - am Ende seien zehn potenzielle Standorte in der engeren Auswahl gewesen. Für das Rechenzentrum müsste übrigens ein weiteres, separates Umspannwerk auf dem Gelände gebaut werden.

Von dem Projekt profitiert auch die Gemeinde Hohenhameln, schließlich werden an sie die Gewerbesteuereinnahmen fließen. Zudem sollen 50 bis 80 neue Arbeitsplätze entstehen, von den Bereichen Sicherheit bis zur Wartung der Anlagen. „Für Kommunen bedeuten Rechenzentren die Chance, zur digitalen Souveränität beizutragen und die regionale Wirtschaftsentwicklung zu fördern“, sagt Uwe Semper (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Hohenhameln. Darüber hinaus könnte die Abwärme des Rechenzentrums zur Beheizung von Wohngebäuden oder öffentlichen Einrichtungen wie dem Hallenbad genutzt werden. Und: „Eine moderne IT-Infrastruktur macht die Gemeinde noch attraktiver für andere Unternehmen und sogenannte Global Player“, ist Semper überzeugt.

Noch steht das Projekt allerdings ganz am Anfang. Zunächst muss der Rat der Gemeinde Hohenhameln dem Aufstellungsbeschluss zustimmen, was am Donnerstag, 19. März, Thema in der Ratssitzung sein soll. „Wir hoffen, dass wir 2028 mit dem Bau beginnen können“, sagt Dr. Florian Zickfeld. Er schätzt die Bauzeit auf eineinhalb bis zwei Jahre. Nach jetzigem Stand rechnet das Unternehmen mit einem Satzungsbeschluss zur Bauleitplanung im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger sind ab dem dritten Quartal 2026 vorgesehen. Gebaut werden soll in mehreren Phasen, höchstwahrscheinlich werden nicht alle sechs Blöcke des Rechenzentrums gleich zu Beginn in Betrieb genommen, sondern zunächst zwei bis drei.

Von Anfang an mit ins Boot geholt habe man das Land Niedersachsen, sagt Uwe Semper - erste Gespräche seien bereits im vergangenen Jahr geführt worden. Fördergeld werde es aber wahrscheinlich keines geben - aus einem einfachen Grund, wie Thorsten Schwanert vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen erläutert. Denn für den Bau des Rechenzentrums seien derart große Summen nötig, dass eine Förderung des Landes im Grunde gar nicht spürbar sein würde. Und attraktiv sei der Standort Mehrum schließlich auch ohne Fördermittel.

Europa und insbesondere Deutschland hinke im weltweiten Vergleich mit China und den USA hinterher, was Rechenzentren angeht, sagt Bürgermeister Uwe Semper. „Es gibt einen gewaltigen Aufholbedarf.“ Thorsten Schwanert fasst es kurz und knapp zusammen: „Ohne Rechenzentren keine KI - und ohne KI keine zukunftsgewandte Wirtschaft.“



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