„Kunden gab es genug“: Edemisser Friseur schließt schweren Herzens
Traditionsbetrieb J+S hört überraschend auf – An der Peiner Straße eröffnet dagegen ein neuer Salon

Das Foto zeigt die Familie Krüger im Jahr 2022 bei der Übernahme des Friseur-Geschäfts durch die Kinder (v. l.): Lena Krüger, Jörn Krüger, Kim Krüger und Nico Krüger. Nun ist J+S aber geschlossen.Foto: Birthe Kußroll-Ihle
Edemissen. In Edemissen ist eine Ära geendet. Seit 1957 wurden im Salon gegenüber der evangelischen Kirche Kunden frisiert. Doch nun ist das Familien-Unternehmen hier Geschichte. Die Geschwister Nico, Lena und Kim Krüger haben sich schweren Herzens entschieden, den traditionsreichen J+S³-Friseur-Salon zu schließen. „Das ist unfassbar schade“, bestätigte Nico Krüger.

Sein Großvater Helmut Wöhler hatte das Haus an der Straße „Zum Osterberge“ gebaut und dort mit seiner Frau Ursula das Friseur-Geschäft gegründet. „70 Jahre ist das im nächsten Jahr her“, merkt Nico Krüger an. Doch Jubiläum kann das Friseur-Geschäft in Edemissen nicht mehr feiern, seit April klappern keine Scheren, summt kein Haarschneider und pustet kein Föhn mehr. Schnitt! Der Grund: Der Fachkräftemangel im Friseur-Gewerbe, erläutert Nico Krüger. „Kunden gab es genug. Zum Teil sind sie sogar extra aus Braunschweig oder Wolfenbüttel angereist.“

Eine Kettenreaktion leitete das Aus ein. Eine Mitarbeiterin sei zu einem anderen Betrieb gewechselt, eine Kollegin wechselte in einen Pflegeberuf,

Fortsetzung auf Seite 2

Fortsetzung von Seite 1

und eine Angestellte hörte aus familiären Gründen auf. „Drei Mitarbeiterinnen innerhalb kurzer Zeit zu ersetzen, war leider extrem schwer“, bedauert Krüger. Es gelang nicht. Die Krügers zogen die Bremse. „Da muss man dann auch mal das Herz loslassen und eine rationale Entscheidung treffen.“

Als Nico, Lena und Kim Krüger im Frühjahr 2022 das Friseurgeschäft von ihrem Vater Jörn Krüger übernommen hatten, war das so eine „Herzensentscheidung“ mit emotionalem Hintergrund. Ihr Vater hatte die Salon-Leitung nach 36 Jahren an seine Kinder übertragen. 28 Jahre war Jörn Krüger auch Obermeister der Peiner Friseur-Innung, führte das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Susanne. Der Firmen-Name J+S – das war die Zusammensetzung ihrer Vornamen.

„Wir haben den Laden auch noch mit ganz viel Herzblut umgebaut“, merkt Nico Krüger an. Doch den Fachkräftemangel konnte keiner streichen oder abreißen. Viele Friseure seien in einem Dilemma. Dass in anderen Branchen ein besseres Gehalt gezahlt werde, „spielt auf jeden Fall eine Rolle. Wenn wir aber allen 20 Euro Stundenlohn zahlen würden und das an den Kunden weitergeben, bleiben die Kunden weg“, erläutert Nico Krüger. Sein Vater habe die Entscheidung komplett verstehen können. Er hatte regelmäßig noch im Geschäft ausgeholfen.

Und sein Fachwissen ist auch weiterhin gefragt. Denn: Jörn Krüger soll sich als Koordinator um die weiteren Filialen in mehreren Peiner Seniorenheimen kümmern. Denn für die geht es unter einem neuen Firmen-Namen und mit einem neuen Geschäftsführer weiter. Ob im Fuhseblick, im Rosenblick, in Oelheim, im Charlottenhof oder im Haus am Stadtpark in Peine – diese Salons werden fortgeführt, die Angestellten übernommen.

Auch für die Geschwister Krüger wird sich nichts ändern. Sie arbeiten weiterhin in ihrem ursprünglichen Beruf.

Für das 90 Quadratmeter große Geschäft in Edemissen mit drei Räumen wird nun ein Nachmieter gesucht. Ob wieder Friseur, Büro oder etwas ganz anderes– „Da bin ich recht offen“, sagt Nico Krüger. Der Laden sei zumindest für einen Friseur-Betrieb noch komplett ausgestattet, „und wurde erst vor vier Jahren renoviert“.

Doch auch künftig wird es in Edemissen übrigens weiterhin drei Friseur-Geschäfte geben. Denn: Nun steht fest, was in den ehemaligen Blumenladen von Katrin Seifert an der Peiner Straße einziehen wird. „Ein Friseur“, bestätigt Vermieter Ulli Schmidt. Derzeit werde bereits eifrig renoviert. Der Mieter betreibe bereits ein Friseur-Geschäft in Meinersen. In Edemissen gibt es zudem noch den Quick-Friseur an der Oedesser Straße sowie den Vagant-Friseur an der Blumenhagener Straße, der im ehemaligen Strauß-Fahrrad-Geschäft eröffnet hatte.

Druckansicht