Vom Online-Shop zur Hanfplantage im Kreis Peine
Michele Herberger hat als Inhaber von „Herby’s Hemp Farm“ und Cannabis-Club-Gründer einen Weg mit Höhen und Tiefen hinter sich

Polizei und Ordnungsamt durchsuchten 2023 "Herby's Hemp Farm" in der Peiner Innenstadt.Foto: Dennis Nobbe
Peine. Michele Herberger hat nicht nur ein Fachgeschäft für Hanfprodukte in Peine, sondern auch einen der ersten deutschen Cannabis-Clubs gegründet. Mittlerweile ist der 44-Jährige weit über die Peiner Kreisgrenzen hinaus bekannt. Jetzt feierte er sein „Fünfjähriges“ im UJZ Peine, mit einem Konzert des international bekannten DJ Tomekk. „Wahnsinn, was in den letzten Jahren passiert ist“, sagt Herberger. Hauptsächlich seien es Höhen gewesen - aber er habe auch einige Tiefschläge einstecken müssen.

Ein wenig erschöpft ist Herberger noch von der Nacht zuvor. Im Unabhängigen Jugend- und Kulturzentrum (UJZ) war die Feier zum fünfjährigen Bestehen von „Herby‘s Hemp Farm“, bei der um Mitternacht DJ Tomekk die Bühne stürmte. Der Musiker und Produzent ist in der deutschen Hip-Hop-Szene seit den 1990ern aktiv, zusammengearbeitet hat er hat schon mit Künstlern wie Fler, Lil‘ Kim und Ice-T. Tomekk und Herberger haben sich über einen gemeinsamen Freund, der als Event-Manager arbeitet, kennengelernt. „Wir haben uns vor ein paar Monaten zum ersten Mal in Hannover getroffen, es hat auf Anhieb gepasst“, erzählt der Peiner.

DJ Tomekk legte zusätzlichen Tourstopp in Peine ein

So habe man unkompliziert den Auftritt im UJZ arrangiert, zusammen mit einigen weiteren Künstlern. „Der Laden war rappelvoll und die Stimmung super“, freut sich Herberger. DJ Tomekk habe zusammen mit dem Publikum gefeiert: „Für Peine war das schon echt eine Nummer“, freut sich der 44-Jährige. Zumal Tomekk, der bürgerlich Tomasz Kuklicz heißt, eigentlich wenig Zeit gehabt habe. Er sei direkt von einem Auftritt in Berlin nach Peine gekommen und habe am nächsten Tag weiter zum nächsten Tourstopp nach Paderborn gemusst.

Bis zu diesem jüngsten Highlight war es für Michele Herberger ein weiter Weg. Der gebürtige Peiner ist gelernter Kfz-Mechaniker und hat später zum Industriemechaniker umgeschult. In der Branche habe er auch noch gearbeitet, als er seinen ersten Laden für Cannabis-Produkte in Peine aufgemacht hat, erzählt er. Nur wenige Monate vorher habe er begonnen, die Ware online zu verkaufen. Keine berauschenden Mittel, das ist auf dem Wege schließlich nicht erlaubt - sondern CBD-Produkte, die medizinisch genutzt werden.

Die „Apotheke der anderen Wahl“

Er habe gemerkt, dass eine große Nachfrage herrscht. Über einen befreundeten Immobilienmakler kam Herberger an die Ladenfläche an der Straße „Am Markt“. Doch das Gebäude sei in einem schlechten Zustand gewesen: „Eigentlich sollte es abgerissen werden“, sagt der 44-Jährige. Es sei schwer gewesen, einen neuen Laden zu finden. Doch schließlich konnte Herberger „Herby‘s Hemp Farm“ in der Peiner Fußgängerzone eröffnen. Früher war in dem Geschäft eine Apotheke, danach ein Corona-Testzentrum. „Jetzt ist hier die ‚Apotheke der anderen Wahl‘“, sagt Herberger lachend.

Pionierarbeit für Cannabis-Clubs in Deutschland

2024 erhielt er die Lizenz für den Cannabis-Club, in dem unter bestimmten Auflagen der Anbau und Verkauf von Cannabis erlaubt ist. Der Sitz ist in Ilsede, rund 2.000 Pflanzen werden dort angebaut. Es ist der zweite Club in ganz Deutschland, der diese Lizenz bekommen hat. Mittlerweile gehören rund 300 Mitglieder dazu. Nur sie dürfen in kleineren Mengen Cannabis aus dem eigenen Anbau erwerben. „Konsumieren dürfen sie es aber nicht im Clubgebäude, dafür müssen sie 200 Meter weiter weg nach draußen gehen - das ist schon etwas unsinnig“, meint Herberger über die aktuelle Gesetzgebung.

Überhaupt ist er der Ansicht: „Der Verkauf müsste eigentlich ganz normal über Shops laufen dürfen.“ Es würde sich auch einrichten lassen, dass an niemanden mehr als erlaubt verkauft wird, auch dann, wenn der Einkauf in unterschiedlichen Geschäften erfolgt. Das würde auch den immer noch florierenden illegalen Straßenverkauf unterbinden, bei dem die Ware längst nicht immer hochwertig sei, sagt Herberger.

Nichtsdestotrotz: Der Cannabis-Club habe sich gut entwickelt. „Peine ist in der Szene richtig bekannt geworden“, sagt der 44-Jährige. Mehr als 50 Ernten habe es seit März 2025 bereits gegeben. Doch dabei war auch ein sehr unschönes Erlebnis: Vor etwa einem halben Jahr gab es einen Mehltau-Befall, rund 1.000 Pflanzen habe man entsorgen müssen, erklärt Herberger. „Das hat schon ein großes Loch in die Finanzen gerissen.“

Polizei stellte 2023 Großteil der Ware im Laden sicher

Ein weiterer Tiefpunkt ereignete sich im Herbst 2023. Die Polizei durchsuchte auf Antrag der Staatsanwaltschaft „Herby‘s Hemp Farm“ in der Fußgängerzone und stellte einen Großteil der Ware sicher. Der Grund: Es wurde vermutet, dass die Produkte mehr als die erlaubte Menge Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten könnten, das für die berauschende Wirkung bei Cannabis sorgt. Wie Herberger schildert, habe er von einem Händler eine nicht bestellte Produktprobe zugeschickt bekommen - und diese Lieferung sei abgefangen worden.

Was schließlich im Geschäft sichergestellt wurde, sei alles legal gewesen, versichert der Peiner. Entsprechend wurde das Verfahren gegen ihn auch eingestellt. Doch seine Produkte hat er nicht zurückbekommen. Denn die Einstellung sei nur unter der Auflage erfolgt, dass er auf Schadenersatz ebenso verzichtet wie auf die Rückgabe der Ware. Laut seiner Anwältin wäre es auch nicht erfolgversprechend gewesen, dagegen anzugehen, sagt Herberger. Also habe er das zähneknirschend hinnehmen müssen.

„Insgesamt hat in den vergangenen Jahren aber ganz klar das Positive überwogen“, betont der 44-Jährige. Die Freude darüber ist ihm deutlich anzumerken. Trotz der kurzen Nacht.

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