Trotz Tankrabatt: Peiner Pflege- und Fahrdienste ächzen unter hohen Spritpreisen
Pro Auto werden täglich bis zu 100 Kilometer zurückgelegt - E-Mobilität ist vorerst keine Alternative

Die zwei sich kreuzenden Linien signalisieren, dass selbst kurzes Halten nicht erlaubt ist.Foto: Ralf Büchler
Peine. Für sie spielt die Höhe der Benzinpreise eine große Rolle: Die ambulanten Pflegedienste im Landkreis Peine müssen ihre täglichen Wege mit dem Auto zurücklegen. Die astronomischen Preise für Sprit treffen sie sehr hart, denn die Flotten sind kaum mit E-Autos ausgestattet. Die Ladeinfrastruktur lässt zu wünschen übrig. Die Pflege- und Fahrdienste, die sich ohnehin von der Politik oft vernachlässigt oder übersehen fühlen, stehen vor schwierigen Zeiten.

Der Fahrservice von Qualivita zum Beispiel hat insgesamt 150 Fahrzeuge in seiner Flotte, davon 25 in Peine. Das Unternehmen befördert Schülerinnen und Schüler, Arbeitnehmer, Kranke oder Rollstuhlfahrer. Die Fahrzeugflotte besteht ausschließlich aus Verbrennern, außer im Schülerbereich, wo man wegen einer Vorgabe des Landkreises 20 Prozent Elektrofahrzeuge einsetzt. Abteilungsleiter Florian Homann will keine Zahlen nennen, aber er meint vielsagend: „Man kann es prozentual sehen, wie sich die Preise entwickeln und dann selber ausrechnen. Es ist eine erhebliche Mehrbelastung.“ Nach kann Qualivita die Mehrkosten einigermaßen stemmen, da das Unternehmen einen Wachstum verzeichnet.

Auch das Deutsche Rote Kreuz betreffen die gestiegenen Spritpreise enorm. „Die Belastung ist spürbar. Wir haben im Quartalsvergleich ein Plus von 15,3 Prozent“, so Geschäftsführer Ralf Niederreiter. Insgesamt sind zwölf Fahrzeuge für das DRK im Einsatz, keines davon mit Elektroantrieb.

Können die Kunden weiterhin auf die Zuverlässigkeit vertrauen, obwohl die Kosten so in die Höhe geschossen sind? Homann: „Wir lassen keine Fahrten ausfallen und fahren weiterhin jeden Kunden an. Wir haben unsere Fahrer aber angewiesen, zwischen 8 und 12 Uhr zu tanken, damit wir da ein paar Euro sparen.“

Auch das Deutsche Rote Kreuz wird keine Fahrten ausfallen lassen, aber Angehörige müssen sich darauf einstellen, dass die Preise für die Fahrdienste angezogen werden. Das Einzugsgebiet ist der gesamte Landkreis Peine, und anders können die gestiegenen Kosten nicht gestemmt werden. „In der Sozialstation werden pro Tag und Fahrzeug im Durchschnitt rund 100 Kilometer zurückgelegt. Im Menübringdienst sind es durchschnittlich 70 Kilometer je Tag und Auto“, erklärt Niederreiter.

Der Tankrabatt, durch den die Spritpreise kürzlich um etwa 14 Cent gesenkt wurden, kann die Fahrdienstleister nicht entscheidend entlasten. Könnten Elektrofahrzeuge, wie sie Qualivita teilweise schon in der Schülerbeförderung einsetzt, nun zu einer Alternative werden? Homann ist da vorsichtig: „Man muss weitsichtig denken, aber im aktuellen Tagesgeschäft ist E-Mobilität schwer umsetzbar. Dafür passt die Ladeinfrastruktur nicht“.

Auch für das Deutsche Rote Kreuz kommen E-Fahrzeuge aktuell nicht in Frage. Die Flotte müsste derzeit nicht ausgetauscht werden. Erst wenn alte Fahrzeuge nicht mehr nutzbar wären, würde man darüber nachdenken, ob E-Autos eine Alternative sein können. Das Problem mit der fehlenden Ladeinfrastruktur besteht auch beim DRK.

Von der Politik wünscht sich Geschäftsführer Niederreiter deshalb eine „Vereinheitlichung der Aufladung“ und „die Möglichkeit, eigene Lademöglichkeiten für die eigenen Fahrzeuge vorzuhalten“. Bei Qualivita und dem DRK sind viele Mitarbeitende rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche erreichbar und bräuchten deshalb Lademöglichkeiten am Wohnort und am Büro.

Niederreiter ist außerdem das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ein Dorn im Auge. Dies versuche einzig zu Lasten der Mitarbeitenden und Leistungsanbietern Kosten zu begrenzen. Niederreiter kritisiert: „Eine wirkliche Reform sieht anders aus. Es wird nur Kosmetik betrieben. Die eigentlichen Probleme werden ignoriert.“ Die Bürokratie würde Fachkräfte binden, die dann an anderer Stelle fehlen würden.

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