Propst Uwe Teichmann eröffnete das Themenfeld in seiner Predigt mit der Frage, wie wohl die Meinung von Pontius Pilatus zu dem vor Gericht stehenden Jesus Christus war. Von biblischen Beispielen ging es zu heutigen Themen in Gesellschaft und Politik, die von vielfachen Meinungen geprägt sind.
Im Anschluss im Vortrag setze sich Prof. Dr. Christian Bermes philosophisch mit dem Begriff der Meinung auseinander – einem Thema, das angesichts gesellschaftlicher Spannungen aktueller ist denn je. Er spannte einen Bogen vom philosophischen Verständnis zu Meinungen bis zu deren Angemessenheit in der modernen Debattenkultur. Der Professor für Philosophie an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau stellte die Frage, welche Rolle persönliche Haltung, Verantwortung und Objektivität spielen – damals wie heute. So wie Fußballfans Schiedsrichterentscheidungen unterschiedlich bewerten, so unterschiedlich werden auch gesellschaftliche Fragen wahrgenommen. Entscheidend sei daher nicht die Vielfalt der Meinungen, sondern das Verständnis dessen, was wir überhaupt unter „Meinung“ verstehen.
Der Referent erinnerte an den Philosophen Martin Heidegger, der Meinungslosigkeit als ein „Nicht-richtig-leben-Können“ bezeichnete. Der Mensch sei ein Meinungswesen, das sich zur Welt in Beziehung setze. Während Meinung früher als Beitrag zur gemeinsamen Wirklichkeit verstanden wurde, sei sie heute stark subjektiviert: meine, deine, eure Meinung. Diese Verschiebung erschwere den Dialog. Umso wichtiger sei es, Maßstäbe für Angemessenheit und Verantwortung im Umgang mit Meinungen zu finden.
Christian Bermes plädierte dafür, Meinungen als Beispiele im Raum stehen zu lassen, ohne dass diese überzeugen sollen. Nur so könne gesellschaftliche Meinungsbildung wachsen – durch Zuhören, Aushalten und gemeinsames Weiterdenken. Mut, Stärke und Beherztheit seien notwendig, um Spaltungstendenzen entgegenzutreten.
Im anschließenden Grußwort betonte Oberbürgermeister Frank Klingebiel die Bedeutung der Meinungsfreiheit als Grundrecht. Sie finde ihre Grenze dort, wo die Würde anderer verletzt werde. Eine vielfältige Gesellschaft brauche Räume, in denen unterschiedliche Stimmen gehört werden können. Klingebiel wünschte den Anwesenden ein gesundes und friedvolles neues Jahr und rief zu mehr Zusammenhalt und Gemeinschaft auf. Der diesjährige Epiphanias-Empfang machte deutlich: Eine lebendige Demokratie lebt vom Austausch – respektvoll, offen und verantwortungsbewusst. „Kirche und Stadt wollen diesen Dialog auch im neuen Jahr aktiv fördern“, kündigt die Propstei an.