Die 38-Jährige fotografiert seit 2019 Motive in ihrer Geburtsstadt, wenn dichter Nebel aufgezogen ist. „Wenn man im Internet nach Bildern aus Gifhorn sucht, findet man meist nur Mühlen im Sonnenschein. Ich wollte die Kleinstadt einmal anders zeigen, mystisch, verschlafen vielleicht sogar. Das liegt im Auge des Betrachters. Aber die Stadt lässt je nach Motiv viele Interpretationen zu“, sagt sie. Und gerade das mache Gifhorn so interessant, so lebendig – trotz des „verschlafenen“ Eindrucks, den einige Bilder vermitteln könnten.
Die Bilder tragen Namen wie „Nebelglocke“ und „Geheimnisvoller Palast“ oder „Aufbruch“. „Das sind meine drei Lieblingsbilder.“ Der Palast, es handelt sich um den Glockenpalast, weil er so verwunschen wirke, düster, ja, fast finster. Die anderen beiden Bilder möge sie, weil es unklar sei, was Spiegelung und was Original sei. „Die könnte ich auf dem Kopf aufhängen, das würden viele Betrachter sicher nicht merken.“ Und dann ist da noch das Foto „Welfengeister“. Es zeigt das Gifhorner Schloss – es mutet an wie die Kulisse für einen Horrorfilm. Oder wie das Zuhause einer Prinzessin am aufziehenden Morgen. Wie die Fotografin sagte: Es liegt im Auge des Betrachters, und es sind viele Interpretationen möglich.
Planbar seien die Fotos nicht. „Ich muss früh aufstehen wegen meines vierjährigen Sohnes. Wenn dann das Wetter passt und ich nicht arbeiten muss, ziehe ich los. Die Aufnahmen entstehen also ganz spontan“, sagt sie. Daher habe sie das Projekt auch in einem langen Zeitraum von 2019 bis 2025 umgesetzt, die meisten Fotos entstanden in den vergangenen drei Jahren. Wobei Teile der aktuell 32 im Kavalierhaus zu sehenden Fotos bereits 2023 im Gifhorner Helios Klinikum zu sehen waren. Manuela Zajonz bleibt mit ihren Ausstellungen der Heimat treu – und zeigt ihre Arbeiten aber auch in ganz Europa, beispielsweise in Zürich, Paris, Hamburg, Berlin.
Aber zurück nach Gifhorn. Und warum eigentlich Gifhorn? „Ich finde, die Heimat zu fotografieren, ist eine besondere Herausforderung. Man kennt die Motive aus dem Alltag, läuft dauern daran vorbei, nimmt sie vielleicht gar nicht als Motive wahr.“ Das sei auf Reisen anders. „Da springen die Motive wie von selbst vor die Kamera. In der Heimat muss man schon bewusst hinsehen“, sagt die Wahl-Triangelerin, die in einem Reisebüro arbeitet und sich mit Reisen auskennt - auch aus eigener Erfahrung.
Wenn Manuela Zajonz auf Foto-Pirsch ist, dann mit einer Canon 500 D. „Ich arbeite nur mit manuellen Einstellungen. Die Fotos sollen so sein, dass ich nicht noch stundenlang am Computer nacharbeiten muss.“ Es gebe nur minimale digitale Bildbearbeitung. Das Endergebnis solle so sein, wie sie das Motiv vor Ort sehe.
Am 20. Februar war Vernissage. „Ich war froh, als ich mit meiner Fünf-Minuten-Rede vor den 27 Gästen fertig war“, gesteht sie.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 20. April zu den Öffnungszeiten des Kavalierhauses montags und dienstags von 10 bis 14 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 13 Uhr sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Die Resonanz auf die Ausstellung sei gut, freut sich Manuela Zajonz zur jetzigen Halbzeit. Dazu gehöre auch, dass selbst Gifhorner manche der Motive nicht sofort erkannten. „Besucher der Ausstellung sagen, dass sie sehr angetan sind von den Bildern, da sie ihre Stadt noch nie so gesehen hätten.“ „KleinStadtNebel“ sei eine der erfolgreichsten Ausstellungen im Kavalierhaus in Bezug auf die Besucherzahlen, habe sie von der Bürgerstiftung Kavalierhaus gehört.
Aktuell bereitet Manuela Zajonz ein neues Projekt vor. Viel könne sie dazu noch nicht sagen, weil noch einiges abzuklären sei. Aber klar sei bereits, dass es weder ein fotografisches noch ein literarisches Projekt sei, und dass es wieder um Gifhorn gehen werde. Und auch ein neues Buch sei in Vorbereitung. Im Dezember hatte Manuela Zajonz das Buch „Jag heter Tomte“, eine weihnachtliche Wichtelgeschichte für Kinder, veröffentlicht. Die Illustrationen stammen von Tami Eliseev. Für das neue Buch will sie nun nicht nur den Text schreiben, sondern diesmal auch die Illustrationen selbst erstellen. „Das wird wieder ein Kinderbuch“, sagt sie. Ein Gespenst soll diesmal die Hauptrolle spielen. Wann das Buch erscheint? „Ich hoffe, im Herbst 2026. Ich muss das halt mit Familie, Arbeit und meinen anderen Projekten unter einen Hut bekommen.“