Fast jeden Tag eine Firmeninsolvenz
Im Januar gingen viele Insolvenzanträge ein – fast täglich ein Betrieb in finanzieller Notlage

Die Zahl der Insolvenzanträge war im Januar alarmierend hoch.Foto: Oliver Berg/dpa
Gifhorn. Der Start ins neue Jahr sorgt im Kreis Gifhorn für Besorgnis. Zwar hatte sich die Lage zuletzt etwas entspannt, doch zu Jahresbeginn stieg die Zahl der Insolvenzanträge beim Amtsgericht Gifhorn erneut deutlich an. Das deutet auf ein schwieriges Jahr hin. Für die Region stellt sich nun die Frage: Wie ernst ist die Lage wirklich?

Der Blick auf Niedersachsen zeigt, dass Gifhorn nicht allein ist. Landesweit gerieten im vergangenen Jahr insgesamt 1910 Unternehmen in finanzielle Schräglage. Rund 12.500 Beschäftigte waren betroffen, die Forderungen beliefen sich auf fast 4,5 Milliarden Euro. Die Zahlen stammen vom Landesamt für Statistik und erfassen alle gemeldeten Insolvenzverfahren von Unternehmen. Besonders viele Insolvenzanträge gab es in der Region Hannover sowie in den Landkreisen Emsland und Osnabrück.

Alarmierend: Die Zahl der Firmeninsolvenzen steigt in Niedersachsen seit Jahren und nahm zuletzt erneut zu. Allerdings verlangsamte sich die Dynamik. Während die Zahl der Firmen in Not von 2023 auf 2024 noch um 33,5 Prozent

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zulegte, lag der Anstieg von 2024 auf 2025 bei 4,7 Prozent. Die Entwicklung flacht ab, bleibt aber auf alarmierendem Niveau.

Aber wie ist die Entwicklung im Kreis Gifhorn? Zuständig in Gifhorn und im benachbarten Landkreis Peine ist das Amtsgericht Gifhorn. Direktorin Dr. Melanie Kieler ordnet die Zahlen ein: „2025 liefen für Gifhorn und Peine insgesamt 219 Insolvenzverfahren zu Firmen.“ Davon betrafen 132 Verfahren Einzelunternehmer und 87 Gesellschaften wie GmbHs. Hinzu kamen 518 Privatinsolvenzen.

Im Vergleich dazu lag die Zahl der Firmeninsolvenzen 2024 höher. Da wurden 264 Verfahren gezählt, darunter 157 gegen Selbstständige und 107 gegen Gesellschaften. Die Privatinsolvenzen beliefen sich auf 452. Auf den ersten Blick scheint sich die Situation also 2025 leicht entspannt zu haben.

Die Aussichten sind aber alles andere als rosig: Für 2026 deutet sich nun erneut eine Verschärfung an. „In diesem Jahr gab es bisher 28 Insolvenzverfahren wegen Firmeninsolvenz“, teilt Dr. Kieler mit. 17 davon betrafen Selbstständige, elf größere Firmen in Gesellschaftsform. Dem standen bereits 32 Privatinsolvenzen gegenüber. Die „relativ hohen Zahlen“ lassen laut Kieler „eine Steigerung für 2026 insgesamt erwarten“.

Dr. Kieler weist auf einen wichtigen Punkt hin: „Obwohl es 2024 mehr Anträge auf Eröffnung der Insolvenz gab, sind 2025 mehr Verfahren tatsächlich eröffnet worden.“ Während 2024 „nur“ 109 von 264 Verfahren eröffnet wurden, waren es im Folgejahr immerhin 105 von 219. In beiden Jahren scheiterten rund 30 Anträge an fehlender Masse. Hier war kein verwertbares Vermögen mehr vorhanden.

Und welche Branchen waren besonders betroffen? „Die Firmeninsolvenzen betreffen überwiegend Unternehmen aus dem Gastro-Bereich“, informiert die Amtsgerichtsdirektorin. Hier sei eines Hauptprobleme, Personal zu bekommen, um das Angebot aufrecht zu erhalten, wie Kieler erläutert.

Die am häufigsten genannten Ursachen für Firmeninsolvenzen sind andere. „Eine schwache Konjunktur und Nachfrage sowie hohe Energiekosten werden häufiger als Gründe für eine drohende Zahlungsunfähigkeit genannt.“

Ein Teil der Insolvenzanträge wird auch von Gläubigern wie zum Beispiel Krankenkassen gestellt, wenn ein Unternehmen Zahlungsrückstände hat oder als überschuldet gilt. „Häufig führt ein solcher Antrag dazu, dass die offenen Forderungen beglichen werden. Danach werden die Insolvenzanträge wieder zurückgenommen“, betont Melanie Kieler. Auch deshalb würden viele Insolvenzanträge nicht automatisch das Ende eines Unternehmens bedeuten.

Wie sich die Entwicklung in Gifhorn auswirkt, zeigen prominente Beispiele. So meldete die traditionsreiche Bäckerei Leifert im September 2025 Insolvenz an. Rund 40 Filialen und etwa 220 Beschäftigte sind betroffen. Gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie ein schwieriges Marktumfeld setzten den Betrieb stark unter Druck. In einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung soll das Unternehmen nun stabilisiert werden, die Filialen blieben zunächst geöffnet.

Auch das Internationale Mühlenmuseum geriet in finanzielle Not. Ende 2025 beantragte die Betreiberfirma ein Insolvenzverfahren zur Sanierung. Ziel ist es, Schulden abzubauen und das Museum langfristig zu sichern. Trotz hoher Verbindlichkeiten und politischer Diskussionen blieb der Betrieb zunächst bestehen, ein Insolvenzverwalter wurde eingesetzt.

Beide Fälle zeigen: Insolvenzen treffen nicht nur kleine Betriebe im Stillen, sondern auch bekannte Einrichtungen und Traditionsunternehmen. Sie spiegeln die angespannte wirtschaftliche Lage vieler mittelständischer Betriebe wider.







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