Der angebliche Enkel braucht Geld für eine dringende Anschaffung, der falsche Polizist behauptet, dass ein naher Angehöriger mächtig in der Klemme steckt - und in beiden Fällen ist schnelles Handeln, also das Bezahlen einer höhere Summe Bargelds, erforderlich: So laufen diese miesen Tricks seit Jahren. 2023 gab es insgesamt 283 Fälle von „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“, davon 90 Mal der falsche Polizist und 193 Mal der Enkeltrick. In 35 Fällen waren die Täter erfolgreich.
Bis dahin stiegen die Zahlen rapide an, 2021 waren es noch insgesamt 127 Fälle (sieben davon erfolgreich), 2022 schon 235, von denen 61 Taten erfolgreich waren. Doch seitdem geht es für die Ganoven offenbar bergab. Sanken 2024 die Zahl der Taten insgesamt auf 98 und die Zahl der vollendeten auf 18, waren es 2025 nur noch 84 Fälle insgesamt (49 Mal falscher Polizist, 35 Mal Enkeltrick), von denen sieben erfolgreich waren. Gleichwohl war der Schaden hoch. Die Täter ergaunerten allein in jenen sieben Fällen immerhin 210.501 Euro.
Friedhelm-Hubertus Voigt vom Kreisseniorenbeirat freut sich, dass die Zahlen nach unten gehen. Er warnt aber vor einem möglicherweise hohen Dunkelfeld. Viele Betroffene bringen nach seiner Erfahrung Fälle vor lauter Scham gar nicht zur Anzeige. Das sagt auch die Polizei. Ihr zufolge „existiert somit kein verlässliches Lagebild“. Die Zahlen aus der Kriminalstatistik könnten demnach nur einen Anhalt für die Entwicklung liefern.
Voigt will deshalb bei der Prävention nicht nachlassen. Allein sein Isenbütteler Seniorenbeirat hatte Infoabende mit dem Präventionsteam der Gifhorner Polizei im vorigen Jahr in Isenbüttel und Calberlah angeboten. Im April dieses Jahres soll nun Fachmann Jens Bosse in Wasbüttel und Ribbesbüttel aufklären. „Da müssen wir am Ball bleiben“, sagt Voigt. „Das ist auch eine Aufgabe für uns als Seniorenbeirat.“