Seit 21 Monaten nun mühen sich die Bauarbeiter in der Fritz-Reuter-Straße ab, während Anwohner sowie Lehrer und Schüler des Humboldt-Gymnasiums entsprechende Einschränkungen und Behinderungen plagen - Umbau einer etwa 300 Meter langen Siedlungsstraße. Zum Vergleich: Die fünfmal so lange Ortsdurchfahrt Westerbeck war nach anderthalb Jahren fertig. Sogar das erste Teilbauwerk der 500 Meter langen neuen Rahmedetalbrücke der Sauerlandlinie A45 bei Lüdenscheid war nach rund anderthalb Jahren aufgestellt. In Gifhorn ist das dort beschworene Deutschland-Tempo offenbar noch nicht angelangt.
Die Stadt Gifhorn hatte mit dieser Baustelle in gleich mehre-
ren Punkten kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Es fing an mit verspäteten Materiallieferungen und Krankheitsausfällen.
Im Erdboden schlummerten Überraschungen: Beim Kanalbau kämpften die Arbeiter mit unerwarteten Grundwasserproblemen. Es war schwieriger als gedacht, den maroden alten Schmutzwasserkanal parallel zu den Arbeiten aufrechtzuerhalten, damit die Anwohner nicht dumm dastehen. Und dann noch eine Verlegung der Gasleitung. Die alte hatte nicht dort gelegen, wo sie hätte sein sollen - und lag dann plötzlich der neuen Schmutzwasserleitung im Weg.
Zur Krönung kam der dem Klimawandel zugeschriebene, ungewöhnlich lange Wintereinbruch hinzu, der den Zeitplan noch einmal um Monate verlängerte. Im März kalkulierte die Stadt das Bauende auf Juni. Hält das aktuell noch?
„Für Ende Juni sind die Asphaltierungsarbeiten für die Fahrbahn geplant, danach schließen sich lediglich noch Restarbeiten an wie Grundstücksangleichungen und Einmündungsbereiche sowie die Markierungsarbeiten für die Fahrradstraße“, sagt Stadtsprecherin Annette Siemer.
Was ist bis dahin noch zu erledigen? „Die restlichen Hausanschlüsse für Strom müssen getätigt, Bord und Gosse gesetzt werden, und es erfolgen noch die Herstellung von Straßenabläufen, die Gehwegpflasterung und die Kanalbauarbeiten im Kirchweg“, zählt Siemer auf. Die Anwohner müssen noch einmal die Zähne zusammenbeißen: „In der Zeit, in der Bord- und Gossenanlage gesetzt werden, können die Anlieger jeweils zeitweilig mit ihren Fahrzeugen nicht auf ihre Grundstücke“, kündigt Siemer schonmal an. „Der Vorarbeiter informiert die Betroffenen über den jeweiligen Zeitpunkt direkt vor Ort.“
Die Fritz-Reuter-Straße gilt im Verkehrskonzept der Stadt Gifhorn als Hauptroute für den Radverkehr. Außerdem liegt an ihr das Humboldt-Gymnasium, viele Schülerinnen und Schüler steuern es mit dem Fahrrad an.
Als Maßnahme gegen Elterntaxis will die Stadtverwaltung die Fahrradstraße nicht verstanden wissen. Die Einrichtung von Fahrradstraßen habe nichts mit Schulen zu tun. Für Elterntaxis gibt es seit Herbst 2023 eine so genannte Kiss-and-go-Zone an der Celler Straße, das sind Kurzzeitparkplätze unmittelbar an der Einmündung der Fritz-Reuter-Straße.
Autofahrer dürfen auch künftig die Fritz-Reuter-Straße nutzen, und es gilt weiterhin Tempo 30. Sie haben allerdings besonders Rücksicht zu nehmen auf die Radler, denn diese haben künftig Vorrang und mehr Rechte als auf normalen Straßen. Sie dürfen auf einer Fahrradstraße zum Beispiel nebeneinander fahren.