Ein Gifhorner Bürger, der namentlich nicht genannt werden möchte, ärgerte sich über den Zustand der Bahnhofstoiletten. „Das kann man niemandem zumuten!“ Die WCs seien zudem auch vermehrt abgesperrt und gar nicht nutzbar. „Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein“, mutmaßt der Gifhorner.
Und selbst wenn die Sanitäranlagen zugänglich sind, sind sie oft in erschreckendem Zustand: „Da macht man die Tür auf und direkt wieder vor sich zu“, schildert der Gifhorner. Er vermute zudem, dass die WCs auch zum Drogenkonsum benutzt werden. „Und das ist der erste Eindruck, den Zugreisende von Gifhorn bekommen sollen? Das geht doch nicht!“
Das Problem ist bei der Stadtverwaltung längst bekannt. „Leider wird die WC-Anlage immer wieder zerstört und nicht wie vorgesehen genutzt“, erklärt Annette Siemer, Pressesprecherin der Stadt Gifhorn. „Das ist äußerst bedauerlich, vor allem im Hinblick auf die Fahrgäste, denen die Stadt mit der WC-Anlage einen Service bieten möchte.“
Die WC-Anlagen werden täglich durch einen externen Dienstleister gereinigt. Aufgrund der unsachgemäßen Benutzung und dem leider nahezu täglich stattfindenden Vandalismus muss die Anlage jedoch immer wieder tageweise geschlossen und instandgesetzt werden. Zudem ist der städtische Ordnungsdienst rund um den Bahnhof täglich im Einsatz.
Jedoch vergeblich – Kaum beseitigt, kommt es innerhalb von kurzer Zeit zu erneutem Vandalismus und Schweinereien. Manchmal sind die Anlagen schon nach wenigen Stunden in desolatem Zustand. Das macht die Bahnhofs-WCs zu einem merklichen Kostenfaktor für die Gifhorner Stadtverwaltung.
„Alle Bemühungen, die Toiletten in einem ordentlichen Zustand zu halten, sind leider fehlgeschlagen“, bedauert Siemer. In den Jahren 2023 bis 2025 habe die Stadt insgesamt knapp 200.000 Euro für Reinigung, Reparaturen und Energie aufgewendet. „Herkömmliche Reinigungsfirmen sind übrigens nicht mehr bereit, dort sauber zu machen. Deshalb ist dort eine Firma im Einsatz, die aus dem Bereich der Tatort-Reinigung kommt.“
Aussicht auf eine zeitnahe Verbesserung gibt es aus Sicht der Stadtverwaltung nicht: Mit der derzeitigen Anlage seien laut Siemer „leider keine Verbesserungen möglich“. Eine Videoüberwachung, die aus Sicht der Stadt zu einer Verbesserung beigetragen hätte, wurde von den zuständigen Behörden nicht genehmigt. Weitere Maßnahmen sind bislang noch nicht konkret geplant. „Aber wir bleiben dran“, versichert Siemer.
Die WC-Anlage ist vorrangig für die Bahnkunden und die Fahrgäste der VLG gedacht. Die Anlage wurde auf Kosten der Stadt errichtet. Diese trägt auch die Kosten für die Reinigung und Instandsetzung. Vandalismus und Verschmutzung sind dabei ein Dauerärgernis. In der Vergangenheit wollte die Stadtverwaltung der ständigen Zerstörung mit vandalismussicheren Anlagen begegnen, wie man sie auch von Autobahnraststätten kennt. Ein Ausweichen auf Zugtoiletten ist indes auch nicht immer möglich - diese sind anfällig für technische Defekte und ebenfalls oft Ziel von Vandalismus.