„Wer soll das denn kontrollieren?“
Alkoholkonsum ab sofort auch auf Bahnhöfen im Kreis Gifhorn verboten - Deutsche Bahn will Hausrecht mit Security-Streifen durchsetzen

Alkoholverbot gilt: Vor allem am Bahnhof Gifhorn Stadt fallen immer wieder Betrunkene auf. Ob die neue Regelung etwas bringt, wird bezweifelt.Foto: Dirk Reitmeister
Kreis Gifhorn. Was in den Zügen von Enno und Erixx im Kreis Gifhorn schon seit jeher gilt, hat nun auch auf den Bahnsteigen und den Zuwegen zu den Bahnhöfen Bestand: Seit Donnerstag, 15. Oktober, gibt das Hausrecht der Deutschen Bahn ein Alkoholkonsumverbot für alle Bahnhöfe in Deutschland vor. Für die kleinen Stationen wie in Gifhorn stellt sich allerdings die Frage, wie es durchgesetzt werden soll. Auch in den Zügen von Enno und Erixx halten sich auch heute nicht alle an das Alkoholverbot.

Leere Bierdosen oder -flaschen sind an diesem Donnerstagmorgen nicht zu sehen am Bahnhof Gifhorn Stadt. Zwischen dem allgemeinen Müll von Fastfood-Verpackung bis Getränke-Tetrapak liegt auch ein Kartönchen Kräuterlikör-Verpackung. Das war’s an Spuren, die auf Alkoholkonsum hinweisen. Busfahrer Dennis Hinze, Betriebsrat bei der VLG, winkt ab. Flaschen und Dosen hätten die Pfandsammler - mittlerweile nicht nur Obdachlose - bestimmt schon abgegrast.

„Das ist am Bahnhof Stadt definitiv ein Thema“, sagt Hinze über den Alkoholkonsum. Auch am Bahnhof Meine gebe es immer wieder Kandidaten, die entsprechend gereizt reagierten, wenn Busfahrer sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr mitnehmen könnten. „Die fangen im Suff das Pöbeln an.“ Doch in ihrem Zustand könnten sie sich kaum festhalten, wenn man mal bremsen müsse. Sicherheit gehe vor.

Die Stadt Gifhorn hält sich beim Thema Alkoholkonsum an den Bahnhöfen bedeckt. Nur so viel: „Einzelne Vorfälle, auch in Bezug auf die Sauberkeit, sind durchaus ein Thema.“

Taxiunternehmer Fabian Hoffmann sieht das Thema Alkohol dagegen entspannt. Ab und zu ein paar Reisegruppen oder Fußballfans, die ihre Vorräte dabei hätten und auch auf dem Bahnsteig tankten. Er hält die illegalen Drogen für das größere Problem am Bahnhof Stadt.

„Wer soll das eigentlich kontrollieren?“, fragt sich Hoffmann. Die Bundespolizei sieht er jedenfalls nicht in Gifhorn. Die Landespolizei, in dem Fall die Gifhorner Polizeiinspektion, verweist genauso wie der Fachbereich Ordnung der Stadt Gifhorn auf das Hausrecht der Deutschen Bahn. Die müsse sich kümmern.„Die DB wird das neue Verbot im Rahmen des Hausrechts im Bahnhof mit Augenmaß durchsetzen“, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Zunächst informieren Mitarbeitende der DB Sicherheit im Rahmen der normalen Streckenbestreifung über die geänderte Hausordnung, zudem weisen Durchsagen und Aushänge im Bahnhof darauf hin.“ Bei Verstößen könne ein Haus- beziehungsweise Platzverweis erfolgen, im Wiederholungsfall auch ein Hausverbot. Bei der Durchsetzung werde unter Umständen die Bundespolizei hinzugezogen. Hoffmann und Hinze haben Zweifel, dass sich das auf dem Land durchsetzen lässt. „Wer soll das kontrollieren?“, fragt sich nicht nur der Taxifahrer. „Das ist genauso wie mit den Waffenverbotszonen“, sagt der Busfahrer. Bestimmte Personengruppen würden sich nicht dran halten.

Wer regelmäßig mit Erixx und Enno unterwegs ist, kann die Zweifel der beiden nachvollziehen. Beispiel betrunkene Fußballfans: Zugbegleiter, die so vorwitzig sind, auf das Alkoholverbot zu verweisen, werden auch mal bepöbelt oder ausgelacht.

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