An der Brücke am St. Annen-Knoten steht inzwischen nur noch eine einsame Plastikblume in einer Vase auf den Kieselsteinen. Das Fahrrad, Schlafsack, Pappe und andere Utensilien sind inzwischen verschwunden. Dass hier einmal ein Mensch „gewohnt“ hat, lässt sich nur noch erahnen. Wer kein Dach über dem Kopf hat, findet eine bekannte Anlaufstelle in Wolfsburg: Die städtische Unterkunft in der Borsigstraße. Seit mehr als 30 Jahren setzen sich Monika und Wolfgang Schmidt für diese Menschen ein, bringen regelmäßig einmal in der Woche Lebensmittel dorthin. „Wir sind oft nach dem Mann gefragt worden“, erzählt Monika Schmidt. Der Mann, Schmidt schätzt sein Alter auf 60 Jahre, sei in der Unterkunft an der Borsigstraße bekannt. Bei sehr schlechtem Wetter habe er dort wohl hin und wieder übernachtet.
Bei einer der Lebensmittelübergaben hätten die Schmidts besagten Mann in der Unterkunft gesehen. Wo er sich jetzt aufhalte, sei ihnen nicht bekannt, er sei einmal gesehen worden, als er im Lebensmittelmarkt am Berliner Ring Vogelfutter gekauft habe. In der Unterkunft im Gewerbegebiet leben zur Zeit 95 Menschen. Die Zahl schwankt, nach Angaben der Stadt Wolfsburg wohnten dort in den vergangenen Jahren gleichbleibend zwischen 90 und 130 Personen. Ist die Not groß, können dort bis zu 180 Menschen Zuflucht finden.
In Wolfsburg gibt es für Bedürftige weitere Anlaufstationen. „Es gibt einige Initiativen in Wolfsburg, die in Kooperation mit der Stadtverwaltung oder eigenständig Unterstützungsangebote machen. Hier wären vorrangig der Tagestreff Carpe Diem, der Caritas Mittagstisch oder auch die Wolfsburger Tafel zu nennen. Uns ist es wichtig, dass wir insgesamt ein gutes Unterstützungsnetzwerk für hilfsbedürftige Menschen in Wolfsburg haben“, teilte Daniel Gruß von der Pressestelle der Stadt Wolfsburg mit.
Wie viele Menschen in der Unterkunft leben, ist also bekannt – aber wie sieht es für ganz Wolfsburg aus – gibt es eine Statistik? „Stadtweite Zahlen können wir indes nicht liefern“, teilte Gruß dazu mit. Und? Weiß das Rathaus, was aus dem Mann vom St. Annen-Knoten geworden ist? Daniel Gruß aus der Pressestelle dazu: „Der Verwaltung ist der Aufenthaltsort der Person bekannt.“ Weitere Informationen wollte die Stadtverwaltung auch auf erneute Nachfrage dazu nicht geben.
Schon oft konnte in der Innenstadt beobachtet werden, wie Menschen, die in Geschäftseingängen saßen oder an anderen Orten lagerten, aufgefordert wurden, den Platz zu verlassen. In solchen Fällen hatte die Stadt Wolfsburg einen vorübergehenden Platzverweis erteilt. Geschah das auch im Fall des Mannes vom St. Annen-Knoten? Wurde ein Platzverweis zu Schutz des Mannes ausgesprochen? Schließlich herrscht auf dem Berliner Ring sehr starker Verkehr.