Die Wolfsburger verlieren ein politisches Schwergewicht: Die Bürgermeisterin, Ortsbürgermeisterin, Ratsfrau und ehemalige Landtagsabgeordnete Angelika Jahns (CDU) zieht sich aus der Politik zurück. Vier Jahrzehnte lang war sie politisch aktiv. Die Wolfsburger Christdemokraten verlieren eine Persönlichkeit, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert die gebürtige Warmenauerin die Gründe für ihren Rückzug.
Angelika Jahns wird im August 71 Jahre alt. Sie ist Mutter von drei Kindern und hat drei Enkelkinder. „Ich möchte mich in Zukunft mehr meinem Privatleben widmen und Zeit für die Familie haben“, sagt sie. Auch um ihren Garten möchte sie sich sommers wie winters mehr kümmern. „Das macht mir Spaß. Und 40 Jahre in der Politik sind einfach genug.“ Jahns zog sich sukzessive aus ihren Ämtern zurück: 2017 beendete sie ihre rund 20-jährige Karriere als Landtagsabgeordnete, 2019 gab sie den CDU-Kreisvorsitz ab.
Seit rund 20 Jahren ist Angelika Jahns Ortsbürgermeisterin von Brackstedt, Velstove und ihrem Heimatort Warmenau. Seit der Kommunalwahl 2021 ist sie Bürgermeisterin der Stadt Wolfsburg und vertritt bei repräsentativen Anlässen Oberbürgermeister Dennis Weilmann (CDU). Im September 2026 sind Kommunalwahlen. Jahns tritt dann nicht mehr an, kandidiert weder für den Ortsrat noch für den Rat der Stadt Wolfsburg.
Sie weiß aber schon jetzt: Wenn in ihren drei Ortschaften den Bürgern etwas unter den Fingernägeln brennt, wird sie wohl auch weiterhin angesprochen werden. Das war jahrzehntelang so und lässt sich nicht so schnell ändern. „Um Warmenau möchte ich mich weiter in der Gemeinschaft engagieren, aber eben nicht mehr als Ortsbürgermeisterin“, sagt sie.
Als Ortsbürgermeisterin gibt es eine Sache, über die sie sich besonders freut: Inzwischen würden alle drei Orte über ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus verfügen. Das sei zu Beginn ihrer Amtszeit vor 20 Jahren anders gewesen. „In Brackstedt wird gerade die alte Schule umgebaut. Eröffnung soll voraussichtlich im März sein“, kündigt sie an. Was viele WAZ-Leser interessiert: Wer folgt ihr als Ortsbürgermeister oder Ortsbürgermeisterin nach? Sie lächelt: Wer nach der Kommunalwahl ins Amt gewählt werde, wisse sie natürlich nicht: „Aber ich habe einige junge Leute als mögliche Nachfolger aufgebaut“.
Begonnen hatte alles mit ihrer Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst bei der Stadt Wolfsburg. Zur sogenannten „Fremdausbildung“ kam die damals 17-Jährige 1973 nach Weyhausen, in die im Zuge der Gebietsreform neu gegründete Samtgemeinde Boldecker Land. Der damalige Samtgemeindedirektor war mit der Anwärterin wohl zufrieden und machte sich dafür stark, dass sie dort 1975 ihre Ausbildung als Diplomverwaltungswirtin beenden konnte. Normalerweise hätte sie zurück nach Wolfsburg wechseln müssen.
Mit 23 Jahren wurde sie Hauptamtsleiterin. „Als einzige Frau im gesamten Kreis Gifhorn“, sagt sie lächelnd und fügt hinzu: „Das war schön.“ Dann begann ihre Familienphase, sie wurde Mutter von drei Kindern. Insgesamt war sie 15 Jahre lang bei der Samtgemeinde Boldecker Land tätig, bekleidete mehrere Ämter, zum Schluss leitete sie das Ordnungs- und Sozialamt.
Ihre politische Laufbahn begann Mitte der 1980er-Jahre mit einer Unterschriftenaktion: Sie setzte sich als Mutter dafür ein, dass Spielgeräte auf einem Spielplatz aufgestellt wurden. „Damit geriet ich ins Visier von Walter Gruß, dem damaligen Ortsbürgermeister“, blickt Jahns zurück. Gruß wollte sie als Kandidatin für die Kommunalwahlen 1986. Der erfahrene Kommunalpolitiker, er war insgesamt 34 Jahre Ortsbürgermeister, hatte den richtigen Riecher: Angelika Jahns holte auf Anhieb die meisten Stimmen in Warmenau und wurde zur stellvertretenden Ortsbürgermeisterin gewählt. Erst 1987 trat sie in die CDU ein, auch ihr Ehemann Günther Jahns war Christdemokrat.
In den 1990er Jahren galt sie als eines der erfolgversprechendsten politischen Talente der CDU in Wolfsburg. Man fragte sie, ob sie nicht für den Niedersächsischen Landtag kandidieren wolle – sie wollte und zog über die Landesliste ins Gremium ein. „Der Wahlkreis umfasste damals Teile von Wolfsburg und vom Landkreis Helmstedt. Gewählt wurde ich dank der vielen Helmstedter Stimmen.“ Im Landkreis Helmstedt war sie unter anderem wegen ihres Engagements bei den Kyffhäusern bekannt.
„Mir hat der Wahlkampf immer Spaß gemacht, auch wenn es mitunter anstrengend war“, sagt sie heute. „Alleine im Landkreis habe ich 44 Dörfer betreut.“ Im Laufe von vier Wahlperioden wurde sie sozialpolitische Sprecherin, sportpolitische Sprecherin und zum Schluss innenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Insgesamt hat sie 14 Mal die Wahlen für die CDU direkt gewonnen: Landtag (3), Ortsrat (8) und Rat (3).
20 Jahre im Landtag und 40 Jahre Kommunalpolitik seien eine tolle Erfahrung gewesen – aber nun sei es an der Zeit, das Privatleben zu genießen. Ohne die vielen politischen Termine.