Viele Lacher erntete Strunk gleich zu Beginn, als er den Werbetext zu seinem Auftritt in Wolfsburg, den er anscheinend gar nicht kannte, Wort für Wort vorlas: eine Aneinanderreihung sinnfreier, pseudo-intellektueller Sätze. Darunter Zitate wie: „Immer wenn du lachst, stirbt irgendwo ein Problem.“ Er schwöre, so Strunk mit todernster Komödiantenmiene, diese Sätze nie gesagt zu haben. Dabei waren einige Sätze so skurril, dass sie durchaus aus seiner Feder hätten stammen.
Dann legte er los, „in einem Bühnenbild oszillierend zwischen Rammstein und Pink Floyd“ – und damit Stuhl, Tisch und die Leinwand neben ihm, die er nur einmal einmal einsetzte. Herrlich, wie er seinem Publikum klarmachte, wie sinnvoll es sei, sein neues Buch mit 36 Erzählungen zu kaufen, statt auf einen neuen Roman zu warten. Denn: Eine Erzählung sei ein aufs Wesentliche reduzierter Roman – „ohne Nebenkriegsplätze und Nebenfiguren“, die man nur einbaue, um auf die heute angesagten 300 Seiten zu kommen.
Wer „Kein Geld, kein Glück, kein Sprit“ kaufe, erwerbe demnach 36 Romane und spare – kurz überschlagen – fast 900 Euro. Denn dieses Geld würde man für 36 300 Seiten starke Romane zusätzlich ausgeben, ohne wirklich Mehrwert zu haben. Es sei denn, so der Schelm, man kaufe sich im Juli seinen dann erscheinenden neuen Roman. Für den gelte diese Rechnung natürlich nicht.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Heinz Strunk aus alltäglichen Beobachtungen oder Erlebnissen absurde Geschichten konstruiert: Köstlich, wie er in „Mezzomix“ das Bemühen der schwangeren Nadine beschreibt, ihren faulen, unmotivierten Verlobten Dennis („eine Imbissbude von einem Mann”) mit Hilfe eines Personal Trainers fit zu bekommen – der jedoch dadurch „davon kommt“, dass er plötzlich stirbt.
Auch den aktuellen Schönheits- und Jugendwahn nimmt er aufs Korn: Viola rennt zum angesagten Schönheitschirurgen Dr. Kremer und bekommt von ihm eine Karotte verpasst. Begründung: „Eine Nase muss zum Gesicht passen.“ Verzweifelt rennt sie aus dem Arztzimmer und trifft auf eine Frau mit einer Erdbeere als Nase...
Manchmal tut sein Humor aber auch weh, weil er den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf trifft: Popstar G. ist seit vielen Jahren Fan einer bestimmten Rockband, die ihre besten Zeiten allerdings längst hinter sich hat. Auf dem Festival Hurricane spielen beide – und seine „Helden“ laden ihn in ihr Backstage-Zelt ein. Es kommt, wie es kommen muss: Heldenverehrung weicht einer gnadenlosen Desillusionierung. Am Ende stirbt auch noch der Bassist der Band. Strunk beschreibt diese Situation witzig, aber auch einfühlsam und letztendlich traurig machend. Denn: Die Biologie macht auch vor Rockstars nicht Halt – aber viele Rock-„Stars“ wollen es nicht wahrhaben.
Völlig abgedreht ist die Bilderbuchgeschichte des tattrigen Grafen Fauchi aus Transsylvanien, ein über 1.000 Jahre alter Vampir, dem eines Nachts sein Gebiss gestohlen wird. Einem Greis, der „Sodbrennen von unverdünntem Blut bekommt“. Sein Hofstaat macht sich auf die Suche nach dem Gebiss und guckt sogar im Kino „Kiss of Death“ nach, wo aktuell „Das Blutbad im Hallenbad“ läuft. Gestohlen hat es der hässliche Glöckner, der plötzlich mit schönstem Gesang seine Angebetete umgarnt – bis er das Gebiss wieder abgeben muss. Auf der Leinwand sind Illustrationen aus dem Buch zu sehen – und Graf Fauchi darf weitere 1.000 Jahre leben. Schließlich, so Strunk, denke er über ein weiteres Fauchi-Buch nach.
Am Ende gab es zurecht großen Beifall für einen kurzweiligen, vergnüglichen Abend. Auch, wenn sich wieder einmal zeigte, dass Heinz Strunk kein begnadeter Vorleser ist. Aber seine Geschichten – und seine kleinen Musikeinlagen – sprechen für sich.