Für Vorsfelder waren viele Jahre lang die gelben Posttransporter am Achtenbüttelweg ein alltägliches Bild. Die Post mitten im Ort: Was für Vorsfelder nach Wirtschaftsidylle klingt, war für die Beschäftigten oft beschwerlich. Die Fahrzeuge standen ungeschützt und mussten bei Wind und Wetter draußen beladen werden. Waren es in der Vergangenheit überwiegend Briefe und nur wenige Pakete, die die Fahrerinnen und Fahrer einladen und ausliefern mussten, hat sich in den vergangenen Jahren komplett verändert: „Heute liefern wir etwa 12.000 Briefe pro Tag aus“, erklärt Dennis Dora, stellvertretender Standortleiter im Vogelsang. „Früher waren es erheblich mehr.“
Was mit dem Boom des Onlinehandels deutlich zugenommen hat, ist die Auslieferung von Päckchen und Paketen: „Pro Tag liefern wir zwischen 5.000 und 6.000 Pakete aus“, sagt Dennis Dora. „Kurz vor Weihnachten sind es bis zu 8.000 Pakete pro Tag.“ Weniger Briefe, mehr Pakete: All das, so Dora, erfordere eine ganz andere Logistik. Was gleich bleibt, sind die Anlieferungsrouten ins Zustellzentrum: Briefe kommen in Lastern aus dem Briefzentrum Braunschweig angerollt, die Pakete und Warenpostsendungen werden vom Paketzentrum Osterweddigen in den Vogelsang gebracht.
Aber: Im neuen Zustellzentrum an der Gustav-Hertz-Straße 9 ist das Gebäude mit 1.512 Quadratmetern Nutzfläche erheblich größer als am Achtenbüttelweg. Das Grundstück selbst ist fast 11.000 Quadratmeter groß, was vor allem zwei Dinge ermöglicht: Alle Lieferfahrzeuge können unter einem Dach wettergeschützt be- und entladen werden. Außerdem gibt es Platz für viele Elektro-Ladestationen, denn: „Wir wollen diesen Standort CO2-neutral betreiben und bald nur noch Elektroautos im Einsatz haben“, betont Niederlassungsleiter Daniel Taube.
Das bedeutet auch: Das Gebäude verfügt über ein nachhaltiges Heizsystem sowie eine Photovoltaikanlage, die einen Großteil des benötigten Stroms selbst erzeugt, heißt in einer Pressemitteilung der Post. Benötige man zusätzlichen Strom, werde er ausschließlich aus erneuerbaren Energien bezogen. Diese moderne Technologien würden den CO2-Ausstoß am Standort um etwa 20 Tonnen pro Jahr reduzieren.
Der Neubau sei Teil einer nationalen Strategie, schreibt die Post weiter: „Bis 2030 plant die Deutsche Post DHL mindestens sieben Milliarden Euro in umweltfreundliche Lösungen zu investieren, um den CO2-Fußabdruck auf unter 29 Millionen Tonnen zu senken.“ Diese Zahl dürfte sich auf den jährlichen CO2-Ausstoff der deutschen Standorte beziehen – offiziell eingeordnet wird sie nicht.
Niederlassungsleiter Daniel Taube betont die enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und verweist auf die verbesserten Arbeitsbedingungen: Dazu gehören ebenerdige Anlieferung, Entladung von Paketen und Briefen, wettergeschützte Parkplätze und neu gestaltete Arbeitsräume. Auch Betriebsrats-Chef Uwe Wollwage sagt: „Ja, es ist schon schöner hier. Und die Belegschaft, die aus verschiedenen kleineren Standort kommt, wächst hier zusammen.“ Frohen Mutes in die Zukunft des Standortes blickt auch Dennis Dora: Bis Jahresende rechnet er mit einer weiteren Automatisierung beim Sortieren von Briefen und Paketen.
Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann (CDU) betonte: „Für Wolfsburg ist diese Investition ganz wichtig.“ Es sei zukunftsweisend, im logistisch gut gelegenen Vogelsang mehrere kleinere Standort zu einem größeren Zustellstützpunkt zusammenzulegen. Auch Vorsfeldes Ortsbürgermeisterin Sandra Straube (PUG) war erleichtert: „Wir hatten zunächst ernste Befürchtungen, als wir in der Kommunalpolitik hörten, die Post schließe ihren Standort am Achtenbüttelweg. Aber dieser Neubau zeigt uns, wie wichtig Vorsfelde als Zentrum für den Postversand in Richtung Osten und Norden ist.“
Nach Angabe der Deutschen Post DHL ist das Zustellzentrum Vorsfelde für 44 Zustellbezirke zuständig. Dazu zählen in Wolfsburg Vorsfelde, Wendschott, Kreuzeide, Tiergartenbreite, Reislingen, Nordsteimke, Hehlingen, Barnstorf sowie Almke und Neindorf. Aber auch Teile der Landkreise Helmstedt und Gifhorn werden von hier aus beliefert – etwa Velpke, Danndorf, Grafhorst, Groß und Klein Twülpstedt, Volkmarsdorf, Papenrode, Mackensdorf sowie Groß und Klein Sisbeck. Aus dem Gifhorner Bereich werden Rühen, Brechtorf und Eischott beliefert.