Alkoholverbot am Bahnhof: Zugreisenden haben dazu klare Meinung
Deutsche Bahn setzt bis 15. Oktober Alkoholverbot um - Fahrgastverband zeigt sich skeptisch

Mit großen Plakaten wurde in der Nordstadt auf die Wiedereröffnung des Penny-Marktes hingewiesen.Foto: Britta Schulze
Wolfsburg. Die Deutsche Bahn greift hart durch und verbietet künftig Alkohol auf dem Bahnsteig und Bahnhofshallen. Der Hintergrund: Am 17. Juli war ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bei einer Ticketkontrolle in Baden-Württemberg bei einem Gerangel mit einem Fahrgast durch eine Zugtür nach draußen gestürzt. Laut Statistik der Bundespolizei geschehen ein Drittel aller Gewalttaten an Bahnhöfen unter Alkohol-Einfluss. Um die Sicherheit für ihre Mitarbeiter und Reisende zu verbessern, verbietet die DB das Trinken von Alkohol nun an allen 5.400 Bahnhöfen - auch in Wolfsburg.

Alkohol und Gewalt

Die neue Regelung soll bundesweit bis zum 15. Oktober 2026 schrittweise umgesetzt werden. „Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt. Zuletzt hat uns dies der brutale und sinnlose Angriff vom vergangenen Freitag gezeigt. Deshalb kommt jetzt das Alkoholverbot an Bahnhöfen. Wir meinen es ernst mit der Sicherheit. Es geht um den Schutz unserer Mitarbeitenden und Fahrgäste“, wird DB-Chefin Evelyn Palla in einer Mitteilung zitiert.

30 Bahnhöfe in Deutschland sind laut Bahn-Angaben bereits heute alkoholfrei, zum Beispiel Köln, München und Hamburg. „Die Erfahrung dort ist eindeutig“, so Evelyn Palla. „Alkoholfrei heißt: weniger Gewalt und weniger Müll.“ Als Nächstes werden zum 1. September die Bahnhöfe Berlin Hbf, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig alkoholfrei. Bis Mitte Oktober folgen sukzessive alle weiteren Bahnhöfe in Deutschland.

Weniger Gewalt weniger Müll

Ab Mitte Oktober sind auch am Hauptbahnhof in Wolfsburg Bierdosen, Weinflaschen oder Spirituosen am Bahnsteig und in der Wartehalle tabu. Unsere Zeitung hat sich am Samstag vor dem Wolfsburger Bahnhof unter Reisenden umgehört. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber ein eindeutiges Meinungsbild wieder.

„Ich begrüße, dass es Bereiche im öffentlichen Leben gibt, die alkoholfrei sind“, sagt Angela Löhr-Stein. Sie ist gerade mit einem Koffer auf dem Weg in das Bahnhofsgebäude. Alkoholisierte Fahrgäste im Zug empfinde sie oft als unangenehm, in regional verkehrenden Zügen komme das aus ihrer Sicht öfter als in einem ICE vor. „Vor dem Hintergrund der Übergriffe auf Bahnbedienstete, ist das Alkoholverbot der richtige Ansatz“, meint die Wolfsburgerin.

Gut für die Bahnbeschäftigten

„Ich finde diese neue Regelung überfällig. Für die Mitarbeiter vor Ort ist es gut. Die Beschäftigten müssen sich oft von Betrunkenen anpöbeln lassen“, sagt ein Wolfsburger (41), der anonym bleiben wollte. Er schlägt zudem vor, dass ähnliche Regeln auch am ZOB gelten sollten, das würde Schlägereien aus seiner Sicht verhindern.

„Dieses neue Verbot unterstütze ich in jedem Fall“, meint Thomas Müller. Er ist gerade aus dem Bahnhof gekommen und erzählt, dass er oft mit dem Zug fahre. „Es ist unangenehm, wenn man nachts in einem Bahnhof im vorderen Bereich auf alkoholisierte Menschen trifft, auch die Lautstärke, die dann zum Teil herrscht, empfinde ich als störend.“

Pöbeleien und Krach

Daniel Pauli ist von Hannover nach Wolfsburg gereist. Er nutzt oft die Bahn und begrüßt das Verbot ebenfalls. Ein Problem sieht er aber bei der Umsetzung. „Die Verstöße sollten auf jeden Fall geahndet werden“, betont er. „Wenn man von Betrunkenen angepöbelt oder mit Bierflaschen beworfen wird, da kann man genauso gut drauf verzichten wie zu beobachten, wenn jemand seinen Mageninhalt im Zug entleert.“

Wann genau Alkohol am Bahnsteig in der VW-Stadt tabu ist, steht noch nicht fest. Eine Bahnsprecherin teilte auf Anfrage mit, dass das Alkoholverbot auch in Wolfsburg gelten werde. „Dafür sind in den nächsten Wochen lokale Anpassungen von Hausordnungen in Abstimmung mit Kommunen, Behörden, und Verwaltungen nötig“, erläutert die Bahnsprecherin.

Wann greift das Verbot in Wolfburg?

Die Realisierung dürfte für die Bahn ein paar Herausforderungen mit sich bringen. Wie läuft die Umsetzung ab? „Das Verbot wird im Rahmen der Standardbestreifung der DB Sicherheit umgesetzt. Zunächst informieren Mitarbeitende der DB über die geänderte Hausordnung. Zudem werden Durchsagen und Aushänge im Bahnhof darauf hinweisen. Überall dort, wo die Hausordnung der DB gilt, gilt dann auch das Alkoholkonsumverbot.“

Kritische Töne kommen vom Fahrgastverband „Pro Bahn”. Malte Diehl, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen/Bremen, sagt: „Grundsätzlich halte ich die Maßnahme für ein Placebo.“ Die Bahnhofsgastronomie sei weiterhin geöffnet und in Fernzügen könne weiterhin Alkohol konsumiert werden, nicht nur im Bordbistro. Zudem könne sich jeder außerhalb von Bahnhöfen betrinken.

Fahrgastverband ist skeptisch

Malte Diehl meint, dass es der Bahn bereits heute nicht gelungen sei, das Rauchverbot außerhalb bestimmter Raucherbereiche konsequent durchzusetzen. „Ich gehe daher nicht davon aus, dass eine Durchsetzung des Alkoholverbots auf allen 5.400 Bahnhöfen möglich ist.“

Für einen Bahnhof wie Wolfsburg müssten jederzeit zwei Sicherheitsleute in einem Zwei-Schicht-Betrieb im Bahnhof sein. Mit Urlaub und Krankheitsfällen seien aus Sicht von Diehl mindestens zehn Personen nötig. Um das Verbot bundesweit umzusetzen, seien für alle Bahnhöfe 30.000 bis 40.000 Sicherheitsleute nötig. „Wo will man die hernehmen und wie will man sie bezahlen?“, fragt Diehl.



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